Großer Zuwachs erwartet Kinder aus 20 Nationen gehen hier seit 100 Tagen zur Schule – wie der Unterricht an der Europäischen Schule Saarland ist

Saarbrücken · Seit vergangenem Herbst werden die Kinder an der Europäischen Schule Saarland unterrichtet. Im kommenden Schuljahr sind es fast drei Mal so viel wie bisher. Was die internationale Schule so besonders macht.

Europäische Schule Saarland – Hier ist der multikulturelle Gedanke Alltag
Foto: Stephan Hett / Regionalverband

Gut 100 Tage ist sie alt – die Europäische Schule Saarland, kurz ESS. Das erste kleine Jubiläum wurde am vergangenen Wochenende ausgiebig gefeiert, mit den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern. Die Familien stammen aus Norwegen, aus den USA, aus Schottland, China, Nigeria, Rumänien, auch aus der Ukraine – und aus dem Regionalverband. Kinder aus knapp 20 Nationen gehen hier zur Schule, in Saarbrücken-Malstatt. Die ESS steckt zwar noch in den Kinderschuhen, ihr kommissarischer Schulleiter Hubert Jung aber ist überzeugt, dass hier etwas „ganz Großes“ entsteht. Das Konzept, das „Bildungserlebnis“, überzeuge.

Gestartet war die ESS im vergangenen September mit 42 Schülerinnen und Schülern, im Laufe des Schuljahres kamen acht dazu. Der Andrang für das kommende Schuljahr sei riesig. „Wir haben im nächsten Schuljahr um die 150 Schülerinnen und Schüler, ein Zuwachs von 100 also“, sagt Jung.

Die ESS ist eine internationale Schule und als gebundene Ganztagsschule konzipiert. Die Idee, eine solche Schule in Saarbrücken anzusiedeln, gab es schon seit Jahren. Entscheidend für die Umsetzung war die Ansiedlung des Helmholtz-Instituts beim Cispa an der Saar-Uni 2017. „Wenn wir ein Hotspot für Gründerinnen und Gründer werden, wenn wir Menschen von außer­halb anziehen wollen, braucht es diese internationale Schule“, sagte 2019 Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Aber es sind nicht nur Kinder ausländischer Forscher und Mitarbeiter größerer Konzerne, die hier unterrichtet werden. „Wir sind eine Schule für alle“, betont Jung.

Anders als im klassischen Schulsystem gliedert sie sich in einen fünfjährigen Primarbereich (P1 bis P5) und einen siebenjährigen Sekundarbereich (S1 bis S7). „Das ist der Vorteil unserer Schule“, sagt Jung. „Der Klassenverband läuft durch bis zum europäischen Abitur.“ Jungen und Mädchen können aber auch direkt in die fünfte Klasse (P5) – analog der fünften Klasse auf weiterführenden Schulen – einsteigen, wenn sie zuvor eine Grundschule besucht haben. Die Schullaufbahn an der ESS wird mit dem europäischen Abitur abgeschlossen, das mit dem deutschen Abitur gleichwertig ist und als Hochschulzulassung international anerkannt wird. Es gibt auch die Möglichkeit, die Schulzeit mit dem Hauptschulabschluss (HSA) und mit dem Mittleren Bildungsabschluss (MBA) zu beenden.

Eine weitere Besonderheit: die Mehrsprachigkeit. Neben einer klassischen Sektion mit Deutsch als Hauptunterrichtsprache gibt es auch eine englischsprachige. Hier werden die Schülerinnen und Schüler in fast allen Fächern auf Englisch von Muttersprachlern oder Lehrkräften, die eine bilinguale Ausbildung haben, unterrichtet und alphabetisiert, erklärt Grundschullehrerin Jill Valentin. Nur in Kunst, Musik und Sport kommen die Sektionen zusammen. „Einige Phasen werden auf Deutsch, andere auf Englisch unterrichtet. Wobei in diesen Fächern das Deutsche überwiegt“, sagt sie. Das sei absolut authentisch für die Kinder. Ein intuitiver Sprachgebrauch, „ein bewusstes Konzept“, erklärt Jung. Auf Englisch fragen, auf Deutsch antworten. „Die Kinder können sich ausprobieren, mit der Sprache spielen.“

Sprache und Vielfalt. Der multikulturelle Gedanke wird an der ESS großgeschrieben. So stehen die „Europäischen Stunden“ als festes Fach im Lehrplan. „Es geht darum, Offenheit demgegenüber zu schaffen, was die Kinder nicht kennen, und sie gleichzeitig zu stärken“, sagt Jill Valentin. Auch in den anderen Fächern werde der „europäische Gedanke“ eingebunden, im Mathe-Unterricht etwa. „Wenn es um Münzen geht, schauen wir uns zum Beispiel die Zwei-Euro-Münzen und die unterschiedlichen Prägungen je nach Land an.“ Gleiches gelte für die Projekte und Clubs im Rahmen des gebundenen Ganztags. Kernzeit an der ESS ist von acht bis 16 Uhr – und das bereits für die Kinder im Primarbereich. Bis 18 Uhr gibt es zudem ein pädagogisches Angebot im Hort.

Bei einem Rundgang durch die Schule wird klar: Sie ist sehr gut ausgestattet. Smartboards in jedem Klassenzimmer, Breitbandinternet in jedem Raum. Außerdem Tablets für die Schülerinnen und Schüler – unabhängig von der landesweiten systematischen Schulbuchausleihe. Digitale Kompetenzen sollen vermittelt werden, sagt Schulleiter Jung. Die Kinder sollen altersgemäß an die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren der digitalen Welt, herangeführt werden. Stichwort Informatikunterricht: Während dieser im Saarland künftig ab Klasse sieben verpflichtend wird, gehört er an der ESS bereits ab der Stufe S1 zum Alltag.

Langfristig soll die ESS ihr Zuhause in Uni-Nähe haben. Zunächst aber werden die Kinder weiter an dem Übergangs-Standort in Malstatt, neben dem Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrum, unterrichtet. Mit diesem hat die ESS bereits einige Projekte gestartet. Etwa einen „Kunstdialog“ mit den angehenden Mediendesignern. Über einen Briefkasten im Gebäudekomplex hätten diese mit den jungen Schülern Bilder ausgetauscht, erklärt Jung. Die Ergebnisse dieses Projekts werden nun für einen guten Zweck versteigert.

Alle Informationen rund um die Schule unter www.europaeische-schule.saarland.