Europäische Schule im Saarland: Warten auf grünes Licht aus Brüssel

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Damit im Saarland die Europäische Schule starten kann, muss Brüssel noch zustimmen. Doch auch die Standort-Frage ist noch ungeklärt.

Der Ministerpräsident möge die geplante Internationale Schule zur „Chefsache“ machen – so die eindringliche Bitte des Leiters des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit (Cispa), Professor Michael Backes, in einem Brief an Tobias Hans (CDU) im April 2018. Diese würde für den Nachwuchs der in Zukunft über 500 Wissenschaftler aus aller Welt dringend benötigt. Ende September gab Hans bekannt, dass der Ministerrat den Plänen für eine „Anerkannte Europäische Schule“ zugestimmt hat, die im kommenden Schuljahr 2020/21 ihren Betrieb aufnehmen soll (wir berichteten).

Doch bis dahin müssen noch einige Hürden genommen werden. Zum einen muss ein mehrstufiges Akkreditierungsverfahren in Brüssel durchlaufen werden. Nach einer allgemeinen Interessenbekundung  muss das saarländische Bildungsministerium ein „Dossiers allgemeinen Interesses“ vorlegen, in dem das allgemeine Schulprofil dargelegt wird. Dieses Dossiers habe man dem Obersten Rat in Brüssel bereits im September eingereicht, teilt das Ministerium auf SZ-Anfrage mit. Nach der Rückmeldung – die Ende 2019 erwartet wird – muss das Ministerium ein sogenanntes Konformitätsdossier einreichen, das genauere Angaben über das pädagogische Konzept, das Personal und die Raumausstattung macht. „Geplant ist, das Konformitätsdossier Anfang Februar 2020 in Brüssel vorzulegen“, heißt es weiter. Gibt der Oberste Rat grünes Licht, kann die Europäische Schule zum Schuljahr 2020/21 den Betrieb aufnehmen. Die Schule muss sich einige Monate nach ihrer Eröffnung einem Audit stellen. Dabei wird untersucht, ob die geforderten Standards für eine Europäische Schule erfüllt werden. Ist dies der Fall, kann die formale Anerkennung rückwirkend für die Dauer von drei Jahren ausgestellt werden.

Beschlossene Sache ist, dass die Stadt Saarbrücken Trägerin des Primarbereichs (in der Europäischen Schule sind das die Klassen 1 bis 5) und der Regionalverband Träger des Sekundarbereichs (Klasse 6 bis 12) wird. Offen ist jedoch noch der Standort. Dieser muss in Universitätsnähe liegen und Platz für einen zusammenhängenden Schul-Campus mit einer Kita bieten. Beide Schulträger sähen hierfür auf Flächen in Dudweiler, die unter anderem das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) umfassen, alle Vorgaben erfüllt. Beschlossene Sache ist das noch nicht: „Die Prüfung ist noch nicht vollständig abgeschlossen“, teilt das Ministerium mit. Doch die endgültige Festlegung des Standortes solle „zeitnah“ erfolgen.

Ausschlaggebend für die Standortwahl dürfte auch die Frage sein, wie viele Schüler die Europäische Schule einmal besuchen sollen. Neben den Kindern der internationalen Forscher steht die Schule auch saarländischen Kindern offen. Die Planungen sehen vor, dass die Schule mit Klasse 1 und Klasse 5 mit jeweils einer deutsch- und einer englischsprachigen Klasse, also insgesamt vier Klassen, startet. Das heißt, dass die Schülerinnen und Schüler im Fachunterricht komplett in Englisch oder in Deutsch unterrichtet werden. Die jeweils andere Sprache wird ab Klasse 1 als Fremdsprache unterrichtet. Andere Fremdsprachen wie Französisch kommen im weiterführenden Bereich dazu. Beide Sprachsektionen sollen im Folgejahr aufbauend fortgeführt werden. Wird dann der entsprechende Bedarf festgestellt, könnte perspektivisch ein dreizügiger Primar- und ein vierzügiger weiterführender Bereich mit Oberstufe entstehen.

Bis der endgültige Standort gefunden ist, können Räume bestehender Schulen genutzt werden. Im Gespräch für den Primarbereich ist die Albert-Schweitzer-Grundschule in Dudweiler, für den Sekundarbereich das Rotenbühl-Gymnasium in Saarbrücken. Doch ob die dortigen Raumkapazitäten ausreichen oder andere Standorte in Frage kommen, werde gerade geprüft.

In Gesprächen sind die Beteiligten auch noch über die Finanzierung. Bei öffentlichen Schulen sind das die Kommunen (Grundschulen) und Kreise (weiterführende Schulen). Wie das Ministerium mitteilt, ist die Landesregierung bereit, die Anfangsinvestitionen zu bezahlen, die den Trägern für den englischsprachigen Schulzweig entstehen.

Für die Europäische Schule sucht das Bildungsministerium Lehrkräfte, die Muttersprachler sind oder das Sprachniveau C1/C2 nachweisen können. Zudem seien Erfahrungen im Umgang mit einer heterogenen internationalen Schülerschaft sowie ein hohes Maß an Engagement für den Aufbau der Europäischen Schule notwendig. Es lägen bereits mehrere interessante Initiativbewerbungen vor.

Offen ist auch noch die Rolle, die Französisch an der Europäischen Schule spielen wird. Wenn der deutsch- und der englischsprachige Bereich vollständig aufgewachsen sind und das geplante Campus-Gebäude fertiggestellt ist, könne – sofern der Bedarf gegeben ist – auch Französisch als weitere Sprachsektion eingerichtet werden.

Vorgabe von Brüssel ist, dass alle Schüler mit dem Ziel unterrichtet werden, nach der zwölften Klasse das europäische Abitur ablegen zu können. Das Schulprofil muss „an einem gelebten Europa“ ausgerichtet sein und moderne Unterrichtskonzepte umfassen, die Schüler „auf eine flexible akademische oder berufliche Laufbahn“ vorbereiten. Schwerpunkte der Europäischen Schulen liegen im Bereich der informatischen Bildung, der Mehrsprachigkeit und der Demokratieerziehung.

Lob für die Pläne des SPD-geführten Bildungsministeriums kommt vom Koalitionspartner CDU. „Die geplante Internationale Schule nach dem Modell der Europäischen Schule ist ein wichtiger Impuls, damit das Saarland seine Vorreiter-Rolle in der Forschungslandschaft weiter ausbauen kann. Deshalb ist es genau der richtige Weg, das Profil ganz klar auf den englischsprachigen Bereich auszurichten!“, sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Frank Wagner. Mit der École française und dem Deutsch-Französischen Gymnasium biete das Saarland bereits französischsprachigen Unterricht an. Auch er betonte, dass bei der Wahl des noch offenen Standorts die Nachfrage berücksichtigt werde. Dies müsse in der Aufbauphase der Schule sehr genau geprüft werden.

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