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Erzieher im Saarland können sich zwei Mal pro Woche selbst testen

Änderung der Arbeitsschutzverordnung : Kita-Personal muss sich jetzt selbst testen

Das Saarland beendet die freiwilligen Tests durch medizinisches Personal. Jetzt müssen auch Kita-Beschäftigte auf Selbsttests zurückgreifen. Welche Folgen hat das für die Einrichtungen?

Es war Mitte Februar, als das Saarland die Teststrategie ausweitete und den Beschäftigten in Kitas zwei Mal pro Woche ein freiwilliges Testangebot machte. Wie an Schulen nahm die Tests medizinisch geschultes Personal vor. Damit ist jetzt Schluss. Grund ist die Änderung der Corona-Arbeitsschutzverordnung. Die verpflichtet Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern die Tests zur Verfügung zu stellen. Und da bei den Kitas nicht das Land, sondern die Kommunen oder freie Träger die Arbeitgeber sind, mussten die schnell reagieren, organisieren und teilweise finanzieren. Manche Kitas stellt das vor Herausforderungen, sie fühlten sich überrumpelt, wie einige unserer Zeitung berichteten.

Die Katholische Kita gGmbH unterhält 156 Kitas im Saarland in ihrer Trägerschaft. Rund 3000 Menschen arbeiten in der Einrichtung. „Wir sehen die regelmäßigen Testungen im Sinne der Mitarbeiterfürsorge, dem Schutz der uns anvertrauten Kinder, als auch im Sinne der Pandemiebekämpfung grundsätzlich als absolut notwendig an“, sagt Petra Oberhauser, Sprecherin der Katholischen Kita gGmbH. In den Kitas sei das Testangebot schon länger etabliert. Dank des Vorlaufs durch das Angebot des Landes, „können wir auf diesen Erfahrungen nun aufbauen und das zukünftige Testangebot in Eigenregie organisieren“. Schon zuvor hätte der Großteil der Mitarbeiter das freiwillige Testangebot in Anspruch genommen.

Das bestätigt auch Annette Burkhardt-Walsch von der Diakonie Saar. Das Referat Kindertageseinrichtungen der Diakonie Saar unterstützt und berät die evangelischen Kita-Trägern und die jeweiligen Kindertageseinrichtungen, außerdem übernimmt es auch die Interessensvertretung der Kitas in den unterschiedlichen politischen Gremien. Wie die Kitas die Tests organisieren, das sei unterschiedlich. „Ich berate die Einrichtungen dahingehend, dass die Selbsttests in der Kita stattfinden, und wenn es von den Mitarbeitenden gewünscht wird, dies unter Aufsicht geschieht, so dass ein negatives Testergebnis bescheinigt werden kann“, sagt Burkhardt-Walsch der SZ auf Nachfrage. Allerdings – sie geht davon aus, dass unter den Selbsttests die Testqualität leidet und der Kita-Leitungen noch mehr Verantwortung aufgebürdet werde.

Das bisherige Verfahren sei für die Kitas recht unkompliziert gewesen. Ein geschultes Testteam habe getestet, ausgewertet und dokumentiert. „Die Kita-Verantwortlichen konnten hier einmal einen Teil ihrer großen Verantwortung abgeben.“ Jetzt müssten sich die Mitarbeitenden sich erst einmal mit der Selbsttestung auseinandersetzen. Wünschten sie sich eine Bescheinigung, müsse dazu ein Kollege zur Verfügung stehen, der das Testergebnis zertifiziert. „Das bindet Arbeitszeit und muss gut organisiert werden“. Dies werde viele „der eigentlich nicht vorhanden, zeitlichen Ressourcen schlucken“. Dabei seien die Kitas auf sich alleine gestellt.  Mit der Folge: „Ich gehe davon aus, dass die Testbereitschaft zurückgeht“, sagt Burkhardt-Walsch.

Immerhin – das Saar-Gesundheitsministerium habe mitgeteilt, dass es die Kosten für die Selbsttests übernehme. Das begrüßt sowohl die Diakonie Saar als auch die Katholische Kita gGmbH. Beim Träger blieben demnach die Kosten für die Organisation, Dokumentation, Bescheinigung und Arbeitsfreistellung der Mitarbeiter.

Burkhardt-Walsch betont, wie sehr die Bildungseinrichtungen den „politischen Entscheidungen ausgeliefert“ gewesen seien. Sie hätten meist sehr spontan Lösungen entwickeln müssen, um politische Entscheidungen umzusetzen, wie jetzt auch. Häufig binnen weniger Tage oder über das Wochenende. Das System Kita musste und müsse das Unverständnis und den Unmut mancher Eltern aushalten, weil diese die getroffenen Entscheidungen nicht nachvollziehen könnten oder wollten. Dabei hätten die Kitas einen enormen Beitrag geleistet, um den Kindern gute Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten.

Das Arbeiten mit den Kindern sei Beziehungsarbeit, die eine große Nähe erfordert, sagt die Referatsleiterin. Abstand halten sei nicht immer möglich, Masken zu tragen pädagogisch nicht sinnvoll, besonders wenn es um den Spracherwerb gehe. Wobei die Fachkräfte „soweit es geht natürlich Masken tragen“. Nach wie vor arbeiteten die Erzieher und Erzieherinnen teils über die Belastungsgrenze hinaus – „und es ist kein Ende abzusehen“.