Erste konkrete Ideen für Nordsaarlandklinik

Kostenpflichtiger Inhalt: Krankenhausversorgung : Erste konkrete Ideen für Nordsaarlandklinik

Die Suche nach einem Investor läuft auf Hochtouren. Kommt die Klinik, müssen andere Krankenhäuser voraussichtlich schließen.

Das Jahr 2022 ist nicht mehr so fern. Als die Marienhaus Unternehmensgruppe 2017 überraschend das  Krankenhaus in Wadern schloss, gab der Träger für den benachbarten Standort Losheim eine fünfjährige Bestandsgarantie. Dass es die Klinik noch deutlich länger geben wird als 2022, darauf würde in der Krankenhaus-Szene des Landes derzeit aber wohl niemand viel wetten; zu schwierig sind die Rahmenbedingungen für kleine Häuser geworden.

Die Frage, wie die Krankenhausversorgung im Nordsaarland in Zukunft sichergestellt werden kann, wird also immer drängender. Zumal sich auch das Krankenhaus Hermeskeil, das mit Losheim, Merzig, Lebach und St. Wendel eine „Versorgungsraute“ für die Nordhälfte des Saarlandes bildet, nur durch Finanzspritzen aus Mainz halten kann.

Versuche, einen Investor für den Bau und den Betrieb einer Nordsaarlandklinik zu finden, gab es bereits. Nach den Worten von Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) hatten Gespräche mit den Trägern der saarländischen Kliniken bislang aber keinen Erfolg. Zufrieden gibt sich damit im Nordsaarland gleichwohl kaum jemand.

Im November 2019 kündigte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) nun ein bundesweites Interessenbekundungsverfahren an. Das bedeutet: Wer immer sich berufen fühlt, ein solches Krankenhaus zu bauen und betreiben, kann sich bis zum 30. März melden. 121 Personen schrieb das Gesundheitsministerium an – verbunden mit der Bitte, den Brief zu streuen. „Ende März werden wir bilanzieren, welcher Träger in welchem Umfang bereit ist, sich im Nordsaarland zu engagieren“, heißt es im Gesundheitsministerium. Einige bundesweit tätige Klinikkonzerne wie Asklepios und Rhön-Klinikum winkten sofort ab, andere wie Fresenius und Sana wollen sich mit Verweis auf das laufende Verfahren derzeit nicht äußern.

Die Nordsaarlandklinik soll, so eine Vorgabe des Ministeriums, verkehrsgünstig liegen, am besten an einer Autobahn. Gewünscht sind außerdem 230 bis 290 Betten (Innere Medizin, Konservative Kardiologie, Hämatologie/Onkologie, Allgemeine Chirurgie, Orthopädie/Unfallchirurgie, Geriatrie, Intensivmedizin und Stroke Unit zur Behandlung von Schlaganfällen).

Infrage kommen laut Ministerium private, öffentliche und freigemeinnützige Träger – wobei die SPD Private aus dem Saarland, wo konfessionelle und öffentliche Krankenhäuser dominieren, unbedingt raushalten will. Wenn Private im Saarland Fuß fassten, sagt SPD-Fraktionsvize Magnus Jung, sei „die ganze Krankenhauslandschaft durcheinander“, denn ihnen gehe es nicht um die Gesundheit der Saarländer, sondern ums Geldverdienen. Das Gesundheitsministerium ist hier offener: „Es gibt keine Denkverbote“, sagt Staatssekretär Stephan Kolling (CDU).

Die Suche nach einem Träger wird dadurch erschwert, dass von ihm erwartet wird, eigene Investitionsmittel einzubringen – das Land hat schlicht nicht genügend Geld. Die Kosten für den Klinikbau werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Daher schlägt die SPD vor, dass die Kreise Merzig-Wadern und St. Wendel den Bau übernehmen. An den notwendigen Millionen-Investitionen würde das nicht scheitern, glaubt Fraktionsvize Jung – auch wenn die beiden Landkreise jeweils nicht einmal vier Millionen Euro an Krediten aufnehmen dürfen: Was bei einem Ferienpark (Bostalsee) möglich sei, so Jung, müsse auch bei einem Krankenhaus drin sein.

Die Kreise sind nach dem Krankenhausgesetz des Landes dafür verantwortlich, die Krankenhausversorgung „durch das Errichten und das Betreiben von Krankenhäusern“ zu gewährleisten, wenn sich kein anderer Träger findet und die Versorgung andernfalls gefährdet wäre.

Was bislang allerdings kaum ein Politiker auszusprechen wagt: Der Bau einer Nordsaarlandklinik in der Größenordnung von 230 bis 290 Betten hätte unweigerlich zur Folge, dass die Kliniken in der Umgebung geschlossen werden müssen, weil sonst der Bedarf für eine mittelgroße Klinik nicht gegeben ist. So hatte es 2017 bereits ein Gutachter errechnet, und so hatte es im selben Jahr auch Marienhaus-Chef Heinz-Jürgen Scheid gesagt: „Mit dem Bau einer neuen Klinik würde man Losheim, Lebach und Hermeskeil letztlich infrage stellen.“ Das Gesundheitsministerium hat sogar schon ausgerechnet, was ein „Rückbau“ der Kliniken Losheim und Lebach kosten würde: sechs Millionen Euro. Übrigens: Der ursprünglich für 2019 angekündigte Neubau des stark sanierungsbedürftigen Bettenhauses in Lebach hat noch nicht begonnen.