Erörterung zur Grubenflutung im Saarland endet, Streit bleibt

Grubenwasseranstieg : Erörterung zur Grubenflutung endet, Streit bleibt

Die Aussprache blieb auch am letzten Tag unversöhnlich. Die RAG will auf Drängen von Kritikern und Gutachtern nun einen Alarmplan vorlegen.

Viele hatten im Vorfeld mit einer Dauer von Wochen gerechnet. Doch nach drei Tagen waren alle Punkte der Erörterung zur Grubenflutung gestern um 15:24 Uhr abgehandelt. Mit rund 50 Betroffenen hatten sich noch weniger Menschen als an den beiden Vortagen eingefunden. Doch an Kritik mangelte es deshalb nicht. Die nahm der Bergbaukonzern RAG in einem Punkt auch auf und sagte zu, einen „schriftlich fixierten Alarmplan“ für den Fall von unkontrollierten Ausgasungen bei einer genehmigten Flutung früherer Bergwerksgruben auf - 320 Meter zu erstellen. Dies hatte Professor Jürgen Wagner bereits in seinem Gutachten für das Land gefordert – und gestern ebenso wie andere Teilnehmer der Erörterung erneut angemahnt. Sollte der Alarmplan vorliegen, „glaube ich, dass man dann der Vorsorge genüge getan hat“, sagte Wagner gestern. Nach dem Gutachten des Hydrogeologen ist das Risiko von Ausgasungen (Methan und Radon) während der Flutungsphase am größten. Nach Abschluss der von der RAG beantragten Teilflutung wird sich laut Wagner die Menge möglicher Ausgasungen allerdings für immer verringern – weil die Gase nur noch oberhalb der Teilflutung aufsteigen könnten.

Die RAG will die Gase während der Flutung wie bisher weiter gezielt absaugen. Wo das Absaugen aufgrund der Flutung nicht mehr möglich ist (Baufeld König), soll dies über eine Bohrung im Sinnerthaler Schacht kompensiert werden. Die Gebiete, in denen es während der Teilflutung zu unkontrollierten Ausgasungen kommen könne, seien räumlich eingrenzbar und so gezielt zu überwachen, erklärte Wagner auf Nachfrage.

Mit Blick auf unter Tage verbliebene Rest- und Betriebsstoffe forderte eine Frau aus Schwalbach empört, die Gruben vor dem Fluten ähnlich wie bei einer Mietwohnung vor dem Verlassen „besenrein“ zu übergeben. Die RAG erklärte dazu, dass viele der Gruben abgedämmt und nicht mehr zugänglich seien. Dennoch sei durch die Flutung „keine Verschlechterung des Grubenwassers“ zu erwarten. Zum einen, weil unter Tage lagernder Asbestzement nicht wasserlöslich sei. Zum anderen werde laut Gutachten die Belastung des Grubenwassers mit dem in alten Hydraulikölen enthaltenen Giftstoff PCB durch eine Flutung reduziert. Nach Angaben des Oberbergamtes sind (von PCB abgesehen) „keine wassergefährdenden Stoffe“ unter Tage eingelagert. Laut einer Studie könne das Einleiten des Grubenwassers in die Saar im Falle einer Teilflutung zudem „umweltverträglich erfolgen“, wie Verfasserin Rosemarie Kerstan vom Ingenieur- und Planungsbüro Lange in Moers ausführte. Eine Überwachung werde aber empfohlen. Viele der anwesenden Bürger bezweifelten diese Angaben ebenso wie diejenigen der RAG.

Illingens Bürgermeister Armin König (CDU), der auch dem Verein Pro H2O Saar angehört, warnte zudem vor einem Ende der Wassergärten in Reden, wenn die Pumpen dort abgestellt würden. Die RAG erklärte, dass dies im Vertrag mit dem Betreiber Industriekultur Saar (IKS) vertraglich auch von vornherein als Möglichkeit einkalkuliert worden sei. Dies bestätigte das der IKS übergeordnete Bildungsministerium gestern der SZ. Demnach gebe es auch bereits „konzeptionelle Überlegungen“, wie die Wassergärten bei einem Wegfall des Grubenwassers weiter betrieben werden könnten.

Nach der Erörterung ist nun wieder das Oberbergamt am Zug. Leiter Heinz-Georg Schramm rechnet mit einer Entscheidung über die beantragte Teilflutung nicht vor nächstem Jahr. Die Erörterung selbst wertete das Amt dazu als „bereichernd“.

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