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Eltern sollten Fragen ihrer Kinder zum Corona-Virus besonnen beantworten

Psychiaterin rät Eltern in Coronakrise : „Nicht in den Katastrophenmodus schalten!“

Wie erkläre ich meinem Kind, warum es Oma und Opa während der Coronakrise erstmal nicht besuchen darf? Jugendspsychiaterin Professor Eva Möhler gibt Tipps. Sorgen macht sich die Expertin um die Internetsucht von Jugendlichen während der Schulschließungen.

Ob im Radio oder im Fernsehen, beim Gespräch mit der Nachbarin oder an der Supermarktkasse – das Coronavirus ist überall, läuft auf allen Kanälen, dominiert unser Leben. Schulen und Kitas sind geschlossen, das öffentliche Leben eingeschränkt. Wie gehen Kinder und Jugendliche mit dieser Ausnahmesituation um? Wie sollen Eltern darauf reagieren? Auf welche Fragen sollten sie gefasst sein?

Professor Dr. Eva Möhler, Chefärztin der SHG-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Kleinblittersdorf, rät dazu, die Nerven zu behalten, besonnen zu handeln. „Auf keinen Fall sollte man in den Katastrophenmodus schalten!“, appelliert sie. Man sollte den Kindern nicht signalisieren, dass überall der Ausnahmezustand herrscht, und weiterhin mit ihnen nach draußen gehen, dorthin, wo wenige Menschen sind, zum Beispiel in den Wald, rät Möhler.

Wie man über die sich ausbreitende Krankheit spricht, hänge stark vom Alter der Kinder ab. „Mit den unter Dreijährigen sollte man die Krise überhaupt nicht thematisieren“, rät sie. Kleine Kinder seien nicht in der Lage, sich damit zu befassen. Anders sehe es bei den Grundschülern aus, denn die erwarteten eine Erklärung. Ihnen sollte man darlegen, warum man nun mehr Rücksicht auf die Alten nehmen muss, Besuche bei Oma und Opa zum Beispiel für längere Zeit ausfallen, Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, Hygiene so wichtig ist. „Kinder und Jugendliche sind bekanntlich durch das Coronavirus am wenigsten gefährdet. Das sollte man den Kinder auch so sagen“, so die Kinderpsychiaterin. Denn das beuge der Angst vor. Trotzdem rät sie, Kinder nicht mit Details zu überfrachten. „Wenn sie nicht fragen, ist es für sie erstmal kein großes Thema.“ Dass Kinder und Jugendliche ohnehin viel mehr „mitkriegen“, als Erwachsene denken, ist eine Binsenweisheit. Vor allem, wenn sie in den sozialen Netzwerken unterwegs sind. Und so sollte man auch bei einer Frage wie „Stirbt die Oma jetzt?“ sachlich bleiben, erklären statt dramatisieren, aber bei der Wahrheit bleiben. Das zumindest rät das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, das acht Tipps auf seiner Internet-Seite veröffentlicht hat, wie man mit Kindern über das Coronavirus sprechen soll (siehe Info).

Mehr noch als um Kinder und Kleinkinder sorgt sich Eva Möhler derzeit um die Jugendlichen, die nun wochenlang aufgrund der Schulschließungen oft allein zu Hause sind und dort via Internet lernen sollen. „Wir werden einen noch stärkeren Anstieg von Internet Gaming Disorder sehen“, befürchtet die Psychiaterin, die viele solcher spielsüchtigen jungen Menschen behandelt. Die Zahlen von jungen Menschen, die Computerspiel-süchtig sind, seien zuletzt stark gestiegen, die Gefahr werde unterschätzt, weil das Ganze „leise“ vonstatten gehe. „Internet Gaming Disorder macht das Gehirn kaputt“, macht Möhler klar und verweist damit auf die Folgen der Corona-Krise für andere behandlungsbedürftige Krankheiten, die nicht absehbar seien. Die „suchtgefährdende Macht des Internets“ sei jetzt besonders groß, auch wenn das digitale Lernen gerade in diesen Zeiten auch große Chancen bietet. Das Internet übe aber einen immensen Sog aus, dem viele nicht standhalten, wenn sie keinen strukturierten Schulalltag mehr haben und sämtliche Freizeit- und Sportangebote abgesagt sind.

Professor Dr. Eva Möhler, Chefärztin der SHG-Klinik in Kleinblittersdorf, rät dazu, ruhig zu bleiben. Foto: Ute Klockner

„Wir sehen regelmäßig nach den sechswöchigen Sommerferien, dass Kinder und Jugendliche Probleme haben, in den strukturierten Alltag zurückzufinden“, sagt Möhler. „Der kinderpsychiatrische Ansturm wird geballt kommen“, befürchtet die Chefärztin der Jugendpsychiatrie.