Eine Studie zeigt, dass Großfamilien auch der Volkswirtschaft helfen

Kinderreiche Familien : Reich an Kindern und an Bildung – so gewinnt die Gesellschaft

Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft belegt, dass kinderreiche Familien der Volkswirtschaft nutzen. Entscheidend ist das Bildungsniveau.

Im Auftrag des Verbandes kinderreicher Familien in Deutschland (KRFD) hat das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) 2017 ein Gutachten zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Mehrkindfamilien in Deutschland erstellt.

Die Fragestellung: Wer sind die Mehrkindfamilien und welchen Mehrwert schaffen sie für die Gesellschaft? Unter dem Titel „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Mehrkindfamilien in Deutschland“ erstellten die Wissenschaftler Musterberechnungen, um den ökonomischen Mehrwert von solchen Familien zu beziffern.

Ihre Ergebnisse: Bekommt eine Familie mit zwei Kindern, mittlerem Einkommen und mittlerem Lebenslauf der Mutter ein drittes Kind mit mittlerem Bildungsstand, ergibt sich ein positiver gesamtfiskalischer Wert in Höhe von 58 700 Euro. Erreicht das Kind gar einen hohen Bildungsabschluss liegt der Wert bei 448 500 Euro im Schnitt. Hat das Kind keinen berufsqualifizierenden Abschluss, dann allerdings ergeben sich Mehrkosten für den Staat. Konsequenterweise sollte der Staat deshalb alles daran setzen, Kinder gut auszubilden. „Nur wenn es gelingt allen Kindern aus Mehrkindfamilien eine gute Ausbildung zu ermöglichen, können diese ihre volkswirtschaftlichen Potenziale voll entfalten“, sagt der Studienleiter Axel Plünnecke, Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation beim IW Köln.

Die Studie nimmt auch die Migrantenfamilien mit mehr als drei Kindern und deren Bildungsniveau in den Blick. Ihr Anteil an den rund 865 000 in Deutschland lebenden Familien mit drei und mehr Kindern unter 18 Jahren im Haushalt liegt bei Familien mit Migrationshintergrund mit 14,8 Prozent fast doppelt so hoch wie bei Familien ohne Migrationshintergrund (8,9 Prozent).

Betrachtet man das Bildungsniveau der Eltern insgesamt, so haben sowohl Mütter als auch Väter in Mehrkindfamilien häufiger keinen berufsqualifizierenden Abschluss als Eltern in kleineren Familien. Darunter sind laut IW-Studie wiederum überproportional viele Mütter und Väter mit Migrationshintergrund. Interessant ist hier, dass zwar der Anteil der Eltern mit einem geringen Bildungsstand mit zunehmender Kinderzahl zunimmt. Dass sich aber Akademiker sehr wohl gerne für ein drittes oder viertes Kind entscheiden. Denn in der Studie heißt es: „Selbst bei den Familien mit vier Kindern weisen die Frauen und die Männer aus Paarfamilien häufiger einen sehr hohen Schulabschluss auf als die Frauen oder Männer aus Paarfamilien mit nur einem Kind. Werden somit die Analysen auf die Menschen ohne Migrationshintergrund beschränkt, so lässt sich für die Frauen und Männer aus Paarfamilien nicht mehr feststellen, dass das Niveau der Schulabschlüsse mit steigender Kinderzahl abnimmt. Für den Verband heißt das: Die bildungsnahen kinderreichen Mittelstands-Familien brauchen Förderung, denn sie sind die tragenden Säulen des Staates, ihre Kinder sind als Erwachsene potente Steuerzahler. Genau das aber werde nicht gewürdigt.

Und wie sieht es bei der Erwerbstätigkeit aus? Weit über 40 Prozent der Mehrkindfamilien mit minderjährigen Kindern leben im Allein- oder Zuverdienermodell: Ein Elternteil, immer noch meist der Vater, arbeitet in Vollzeit und einer in Teilzeit „Die allermeisten Mütter in Mehrkindfamilien entscheiden sich ganz bewusst für diese Lebensformen, weil sie genügend Zeit für ihre Kinder haben wollen. Allerdings brauchen sie an ihren Bedarfen ausgerichtete Bildungsangebote und konkrete Optionen für den Wiedereinstieg, damit sie nach langjährigen Berufspausen am Arbeitsmarkt leichter wieder Fuß fassen können“, kommentiert dies die KRFD-Bundesvorsitzende. Und es bedarf guter Betreuungsmöglichkeiten, um Mut zu machen für das dritte Kind. Das jedes weitere Kind teuer ist, versteht sich von selbst. Das Gutachten betrachtet, welche Faktoren die Entscheidung zu dritten und weiteren Kindern begünstigen oder hemmen. Positiv wirke sich aus, wenn Familien früh ihre ersten und zweiten Kinder bekommen haben. Aber auch der Gesundheitszustand, das Wohnraumangebot und steuerliche Entlastungen spielten eine wichtige Rolle.

Übrigens entscheiden sich junge Menschen aus Mehrkindfamilien häufiger für dritte und weitere Kinder als Einzelkinder. Und: Mehrkindfamilien sind offenbar glücklicher. Auch zu diesem Schluss kommt die Studie.

www.kinderreichefamilien.de/iw-mehrwert-gutachten.html