Droht Kaminöfen bald das Aus?

Experten-Diskussion : Droht Kaminöfen bald das Aus?

Im Saarland müssen bis 2024 bis zu 90 000 Geräte ausgetauscht oder nachgerüstet werden – andernfalls drohen Stilllegungen. Experten befürchten, dass die Öfen aufgrund der Grenzwerte für Feinstaub in zehn bis zwanzig Jahren keine Rolle mehr spielen.

Kaminöfen mit knisterndem Holz verbreiten zwar wohlige Wärme und wurden jahrelang als umweltschonende CO2-neutrale Alternative zu anderen Heizarten propagiert – doch jetzt stehen sie als angebliche Feinstaubschleudern plötzlich selbst am Pranger. „Kaminöfen und Umweltschutz – passt das noch zusammen?“, überschrieb die Schornsteinfeger­innung des Saarlandes am Montag auf ihrer Frühjahrsversammlung in Eppelborn eine Experten-Diskussion zu der derzeit auf politischer Ebene heiß diskutierten Verschärfung des Bundesimmissionsschutzgesetzes.

Schlimmstenfalls, so die Besorgnis von Martin Bentele vom Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband, sehe er ein Szenario, wo der Kaminofen in zehn bis zwanzig Jahren keine Berechtigung mehr habe: „Dass das Dieselauto Auslaufmodell werden muss, hat ja auch keiner geglaubt“, meinte er.

Der Landesinnungsmeister der Saar-Schornsteinfegerinnung, Eric Scherer, sagte, im Wintermonat Januar 2019 vorgenommene Feinstaub-Messungen der Schornsteinfeger in der Stadionstraße Völklingen und der Stengelstraße Saarbrücken mit jeweils etlichen Kaminofen-Schornsteinen hätten keine Feinstaub-Grenzwertüberschreitungen ergeben. Laut den gesetzlich festgelegten Übergangsfristen müssten in den nächsten fünf Jahren jedoch bis zu 90 000 Kaminöfen im Saarland ganz ausgetauscht oder mit modernen Filtern nachgerüstet werden, um die Grenzwerte für Feinstaub und CO2 einzuhalten; sonst drohten Stilllegungen. Kamin­anlagen, die noch aus der Zeit von 1985 bis 1994 stammen, müssen bereits bis Ende 2020 umgerüstet oder ausgetauscht werden, andere alte Anlagen (bis zum Typ März 2010) dann bis Ende 2024.

Hinzu komme, dass auf Initiative Baden-Württembergs die Ableitbedingungen für Schornsteine neu geregelt werden sollen. So sind laut Experten-Diskussion zumindest bei Neubauten Schornsteine mit 40 Zentimetern über Firsthöhe und weit höher im Gespräch, was bis hin zu Baugenehmigungen und regelmäßigen TÜV-Kontrollen viele neue Fragen aufwerfen würde. Höhere neue Schornsteine (sogenannte „Silberlinge“) würden zwar dank mehr Strömungen in der Luft oben für geringere Feinstaubbelastung unten sorgen, zugleich aber auch die Verrußung fördern, hieß es.

Paul Hahn, Abteilungsleiter Vorbeugender Brandschutz bei der Berufsfeuerwehr Saarbrücken, berichtete, im Saarland gebe es pro Jahr etwa 500 Kaminbrände. Die 129 Schornsteinfeger-Betriebe im Land haben nach Angaben ihrer Innung 700 weitere Kaminbrände durch ihre Kontrollen und Maßnahmen verhindert.

Umwelt-Staatssekretär Roland Krämer (SPD) sagte, das Saarland habe im Bundesrat gegen die Mehrheit der Länder der von Baden-Württemberg gewollten Verschärfung der Bundesimmissionsschutzverordnung für Schornsteine nicht zugestimmt. Nun werde es ein gesondertes Verfahren auf Bundesebene unter frühzeitiger Beteiligung der Fachverbände (beispielsweise Schornsteinfeger, Kaminbauer, Installateure) geben, um den Immissionsschutz zu verbessern. „Das Thema Holzfeuerungen muss allerdings auch aus der Perspektive des Klimaschutzes betrachtet werden“, sagte er. „Holz ist eine regenerative Wärmequelle und dient als solche der Erreichung der Klimaschutzziele.“

Ob es auch im Saarland – wie von der Schornsteinfegerinnung und dem Eigentümerverband Haus & Grund gefordert und in Rheinland-Pfalz verwirklicht – auch Landeszuschüsse für Austausch oder Umrüstung von Kaminöfen geben könnte, ließ Krämer offen.

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