Die Linke: Neumann weiter unter Beschuss

Kostenpflichtiger Inhalt: Stellvertretender Landeschef der Linken : Linken-Vize Neumann unter Beschuss

Der Kreisverband Saarlouis stellt sich hinter den umstrittenen Linkenpolitiker. Doch hinter den Kulissen brodelt es.

Es kehrt keine Ruhe ein bei den Saar-Linken und ihrem momentan umstrittensten Mitglied. Gerade erst hatte der Ortsverband Saarbrücken-Malstatt noch einen Parteiausschluss von Andreas Neumann gefordert – da stellt sich sein eigener Kreisverband geschlossen hinter ihn: Ungeachtet des schwebenden Verfahrens der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, die Neumann vorwirft, jahrelang zu Unrecht einen Doktortitel getragen zu haben (wir berichteten), wurde er am vergangenen Sonntag bei der turnusmäßigen Kreisverbandswahl des Kreisverbands Saarlouis als Vorsitzender bestätigt.

Es erscheint wie eine Absolution. Zumindest vordergründig. Die Geschichte, die aus internen Kreisen zu hören ist, klingt dagegen ganz anders. Von Betrug ist da die Rede, von Vetternwirtschaft und Wählermanipulation. „Sowas von traurig, unwürdig und abartig“ sei das, was an diesem Abend in der gutbürgerlichen Gaststätte „Zum Bayer“ abgelaufen sei. Noch deutlichere Worte findet der ehemalige Landesgeschäftsführer der Linken, Leo Stefan Schmitt: „Der Kreisverband Saarlouis befindet sich fest in der Hand von Kleinkriminellen“, wettert er, Neumann selbst sei „ein Lügner und Betrüger“. Schmitt ist nicht der einzige, der gesehen haben will, wie Parteimitglieder bei der Kreisverbandswahl beeinflusst worden seien. „Die hatten Zettel da liegen, auf denen stand, wen sie wählen sollen“, sagt Schmitt über eine Gruppe Wahlberechtiger. Eine weitere Quelle, die ungenannt bleiben will, bestätigt diese Version. Intern heißt es, alle jetzigen Mitglieder des Vorstandes stünden der Gruppe um Neumann und den Bundestagsabgeordneten Thomas Lutze nahe, der auch als Ehrengast anwesend war. Gegen beide hatte Schmitt letztes Jahr in seinem Rücktrittsschreiben schwere Vorwürfe erhoben: Vor Abstimmungen seien Neumitglieder als „Stimmvieh“ geworben worden, alte Mitglieder seien trotz säumiger Beiträge nicht aus den Listen gestrichen worden, um staatliche Förderungen abzugreifen.

Im Zusammenhang mit der aktuellen Kreisverbandswahl fällt auch immer wieder der Name Mekan Kolasinac, der sein Amt als Kreisgeschäftsführer behalten hat. Auch er ist ein enger Vertrauter Neumanns und karre „Mehrheiten ran“, heißt es aus internen Kreisen. Einige neugewählte Mitglieder des Vorstands sorgten dort für Befremden. So wurde eine Siebzehnjährige zur neuen Schriftführerin. Dagegen sei eigentlich nichts einzuwenden, äußert sich einer, auffällig sei nur, dass die Jugendliche – wie fast alle jungen Mitglieder aus dem Umfeld von Lutze – keine Verbindung zur Linksjugend habe. Die Nachwuchsorganisation hatte sich zuletzt auch klar gegen Neumann ausgesprochen und einen Rücktritt gefordert.

Neuer Kreisschatzmeister ist Sebastiano Pirritano – ein Neumitglied, das gerade erst drei Monate zu den Linken gehört. Von ihm heißt es, er habe nicht nur keine politische Erfahrung, sondern auch „keine Ahnung von Finanzfragen“. Fraglich sei außerdem, ob er überhaupt hätte gewählt werden dürfen, da möglicherweise Fristen für Neumitglieder nicht eingehalten worden seien.

Konfrontiert mit diesen Aussagen reagiert Neumann verwundert. Nichts davon entspreche der Wahrheit, sagt er. Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft will er sich öffentlich nicht äußern – er sei nur seinem Kreisverband Rechenschaft schuldig. Ein Teilnehmer der Kreismitgliederversammlung berichtet aber, dass Neumann seine Schuld dort bestritten habe – und nach England reisen wolle, um persönlich den Beweis zu erbringen, dass die Universität, von der er seinen Doktortitel erhalten habe, entgegen den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft doch existiert.

Das wolle er laut Quelle bis zum Landesparteitag am 29. September klären, wo auch ein neuer Landesvorstand gewählt wird. Neumann ist bisher immer noch stellvertretender Landeschef, aber wohl nicht mehr lange: Barbara Spaniol (ebenfalls stellvertretende Landesvorsitzende), gab auf Nachfrage an, Neumann wolle bei der Wahl nicht mehr antreten. Neumann selbst verweigerte dazu einen Kommentar.

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