Die Grünen kritisieren die Pläne des Umweltministers für den Saarforst

„Alter Wein in neuen Schläuchen“ : Saar-Grüne kritisieren Josts Pläne für den Saarforst

Der stellvertretende Landesvorsitzende Klaus Borger zeigte sich erstaunt über „völlige Unbedarftheit“ des Umweltministers Jost (SPD).

Die Saar-Grünen haben deutliche Kritik an Umweltminister Reinhold Josts (SPD) Zehn-Punkte-Plan zur Zukunft des saarländischen Waldes geäußert. Der stellvertretende Landesvorsitzende, Klaus Borger, monierte, dass der Umweltminister „hier etwas verkauft, das es schon lange gibt“. In seinem kürzlich vorgestellten Konzept für den Saarforst hatte Jost unter anderem gefordert, die Hälfte aller Bäume mit einem Durchmesser von über 70 Zentimeter zu schützen. Diese Forderung sei laut Borger jedoch bereits schon seit 2008 in der Biodiversitätsstrategie des Saarforst Landesbetriebes verankert. Ein Blick in das öffentlich zugängliche Strategiepapier bestätigt die Aussage des Vize-Chef der Saar-Grünen. Allerdings ist dort von einem Durchmesser von mindestens 80 Zentimeter die Rede.

Die Erhöhung des saarländischen Holzvorrates sieht der ehemalige Staatssekretär in erster Linie durch klimatische Einflüsse begründet. Vor allem die längeren Wärmeperioden, in denen die Bäume wachsen können, und ein verstärkter Stickstoffeintrag würden zu einer verstärkten Holzgewinnung führen, so der Grünen-Politiker. Zudem würden die Förster im Saarland keine Fichten mehr schlagen, da diese auf dem Holzmarkt nicht mehr kostendeckend verkauft werden könnten. Auch zu seinem geplanten „Eine-Million-Bäume-Programm“ (mit dem bis zu 300 Hektar Fichtenwald wieder aufgeforstet werden sollen) sei der Umweltminister laut dem saarländischen Waldgesetz ohnehin verpflichtet, so der Saar-Grüne.

Da Jost zudem von Aufforstung statt Wiederbewaldung spricht, befürchtet Borger, dass nun verstärkt in Wälder investiert würde, die nicht den Klimaschutz als vordergründiges Ziel haben. „Ein Forst ist ein Kunstprodukt, welches sich Förster und Holzproduzenten wünschen. Mit einem Wald hat das absolut gar nichts zu tun“, kritisiert Borger. Als Reaktion forderte der Grünen-Politker eine Novellierung des saarländischen Waldgesetz zu einem „Waldschutzgesetz“ und eine Neuorganisation des Saarforst Landesbetriebes. „Wenn ich Natur- und Klimaschutz will, dann kann ich das nicht mit einem Landesbetrieb leisten, der auf Holzertrag getrimmt ist“, so Borger. In diesem Zuge warf Borger dem Umweltminister zudem eine „völlige Distanzlosigkeit zu Wünschen der Jägerschaft“ vor. Dass Wildschäden am Wald im jährlichen Zustandsbericht keine Berücksichtigung mehr finden, ist für den Vizechef der Saar-Grünen „kein Zufall mehr“.

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Saar-Grünen, Klaus Borger. Foto: Tom Peterson. Foto: Tom Peterson

Darüber hinaus sei er schockiert, dass der Umweltminister jegliche Kritik als „Dummschwätzerei“ bezeichne. Dies zeige eindrucksvoll, dass Jost „sein Ministeramt mit dem eines Büttenredners verwechselt“, so Borger.