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„Die bisherigen Erfahrungen mit Home-Office sind sehr positiv."

HomeOffice : Saar-Kommunen wollen mehr Heimarbeit anbieten

Mehrere Städte und Gemeinden im Saarland wollen auch nach der Corona-Krise Beschäftigten die Möglichkeit zur Heimarbeit geben. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage der SZ.

Dazu müssen jedoch mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Auf den Endgeräten muss Fachsoftware installiert sein, das Home-Office muss für große Datenmengen ans schnelle Internet angebunden sein und die Datenschutz-Richtlinien müssen gewährleistet sein.

„Die bisherigen Erfahrungen mit Home-Office sind sehr positiv, weshalb ein Ausbau im moderaten Rahmen vorstellbar ist“, erklärte der Sprecher der Stadt Saarbrücken, Thomas Blug. „Wir denken dabei sowohl an weitere feste Home-Office-Arbeitsplätze, die der Arbeitsstättenverordnung unterworfen sind, als auch an mobiles Arbeiten, das projektbezogen eingesetzt werden kann.“ Die Investitionen seien überschaubar, da beabsichtigt sei, dann Rechner am Arbeitsplatz durch mobile Geräte zu ersetzen, so dass keine doppelten Kosten entstehen.

Die Gemeinde Wadgassen teilte mit, erste Investitionen  in Firewall oder Laptops seien bereits getätigt worden, weitere in das Software-Umfeld geplant. Der Marpinger Bürgermeister Volker Weber (SPD) sagte der SZ, die Pandemie habe zu einem „unheimlichen Digitalisierungsschub“ in der öffentlichen Verwaltung geführt. „Man probierte aus, und es entwickelte sich ein digitaler Entdeckergeist. Wir werden hoffentlich aus den positiven, aber auch negativen Erfahrungen Lehren ziehen und sie für die Zukunft sinnvoll nutzen.“ Um die Home-Office-Kapazitäten auszubauen, schaffte die Gemeinde Headsets, Webkameras und Notebooks an.

Im Rathaus der Stadt St. Ingbert laufen nach Angaben von Sprecher Florian Jung ebenfalls Planungen. Konkrete Pläne würden vermutlich Mitte Mai umgesetzt. Abzuwarten sei auch ein eventuell neues Gesetz zum Recht auf Home-Office. Bei der Stadt Neunkirchen wird darauf hingewiesen, dass eine technische Ausstattung entsprechend der EDV-Sicherheitsstandards vorhanden sein müsse, deren Bereitstellung allerdings auch von den Haushaltsmitteln abhängig sei.

Die Stadt Saarlouis teilte mit, ein Ausbau von Home-Office-Möglichkeiten sei zurzeit nicht geplant. Gleichwohl sei es notwendig, die Digitalisierung weiter voranzutreiben. „Das wird natürlich auch mögliche spätere Einsätze im Home-Office begünstigen.“

Notgedrungen mussten in den vergangenen Wochen zahlreiche Beschäftigte von zu Hause aus arbeiten, je nach Kommune waren das zwischen zehn und 50 Prozent. In der öffentlichen Verwaltung ist dies vor allem in Bereichen möglich, die keinen Bürgerkontakt erfordern, etwa in Teilen der Finanzbuchhaltung, des Personalwesens oder der Gebäudeverwaltung. „Ein idealer Bereich wäre auch die Rechnungsanweisung, wenn man im Bereich der digitalen Eingangsrechnung schon weiter wäre“, heißt es in Marpingen. „Da stecken wir aber gerade erst in der Umsetzung inklusive Einführung eines Dokumentenmanagementsystem (DMS).“ Mit einem DMS könne man deutlich besser Arbeiten von zu Hause erledigen, weil alle notwendigen Dokumente digital vorlägen und von zu Hause aus auch abrufbar seien.

Mehrere Gemeinden warnten aber auch vor überzogenen Erwartungen ans Home-Office: „Grundsätzlich ist Heimarbeit eher eine sporadische Möglichkeit und weniger eine dauerhafte Lösung, da es viele Bereiche mit Bürgerkontakten, speziellen technischen Voraussetzungen usw. gibt und generell auch der Informationsfluss und persönliche Kontakt wichtig sind“, betont etwa der Saarlouiser Stadtsprecher Sascha Schmidt. Die Stadt Neunkirchen teilte mit, auch vor Corona habe schon die Möglichkeit bestanden, bis 25 Tage im Jahr kurzfristig Heimarbeit auszuüben, sofern der Arbeitsplatz geeignet ist. Eine Dienstvereinbarung zur Etablierung von Homeoffice-Arbeitsplätzen über einen längeren Zeitraum sei in Abstimmung.