Deutschland-Stipendien für 110 Arbeiterkinder an der HTW im Saarland

Deutschlandstipendium : 110 Arbeiterkinder erhalten Stipendium für Studium an der HTW

Sie haben tolle Schulnoten, engagieren sich ehrenamtlich und stammen zum größten Teil aus finanziell nicht besonders gut betuchten Nichtakademiker-Familien: Solchen talentierten Jugendlichen verhelfen die Studienstiftung Saar, der Bund und private Stifter seit rund einem Jahrzehnt mit Stipendien und monatlich 300 Euro Unterstützung dazu, dass sie studieren können.

Ende vergangener Woche wurden so für das Förderjahr 2019/20 wieder 110 neue Deutschlandstipendien an Studierende der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) vergeben. Die 21 Förderer – unter ihnen Unternehmen, Stiftungen, Vereine und Privatpersonen – erhoffen sich dadurch auch einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel in Bereichen wie Pflege und Gesundheitswirtschaft, Sozialwissenschaft oder Maschinenbau. Indem sie Jugendliche auch hier zu künftigen Führungskräften ausbilden lassen, wollen sie so den Wirtschaftsstandort Saarland stärken.

Als einer der neuen Deutschlandstipendiaten freut sich auch der vor vier Jahren als Flüchtling aus Syrien in Saarland gekommene Mohammad Anas Alakkad (27) darüber, dass er dank finanzieller Unterstützung des Sparkassenverbandes Saar nun an der HTW Internationale Betriebswirtschaft studieren kann. Dazu arbeitet er noch ehrenamtlich als Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) und hat zur Aufbesserung seiner Kasse einen Online-Shop für arabische Lebensmittel gegründet. „Verkaufsschlager sind dabei syrische Butter und Bohnen in Dosen“, erzählt er. Eine anderen Stipendiatin ist die von der RAG Stiftung geförderte 20-jährige Nadine Herbig aus Saarbrücken, die an der HTW Internationales Tourismusmanagement studiert und bereits den Messestand der Hochschule auf der Internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin mitgestaltet hat. Ehrenamtlich hilft sie in einem Tierheim im lothringischen Forbach mit.

Zu den Förderern der jungen Leute zählen neben der Studienstiftung Saar auch Unternehmen wie Möbel Martin, das drei Deutschlandstipendien für HTW-Studierende im Bereich Pflege/Gesundheit mit finanziert, sowie die erstmals mitbeteiligte Behinderteneinrichtung WZB Spiesen-Elversberg oder verschiedene Rotary und Lions Clubs aus dem Saarland. „Investitionen in Wissen bieten die besten Zinsen“, betont Carsten Meier von der IHK Saarland bei der Stipendiaten-Vergabefeier und fügt an: „Hier wird heute ein gutes Stück Zukunft für unser Saarland gemacht“. Und Reinhard Klimmt, SPD-Politiker, Ex-Ministerpräsident, Ex-Bundesverkehrsminister und Vorsitzender des Kuratoriums der Studienstiftung Saar, lobt das Modell mit den Worten: „Im Saarland werden Bildung und Bildungsgerechtigkeit großgeschrieben.“ Gemäß dem Studienstiftung-Motto „Talent trifft Förderung“ ermuntert er die jungen Leute, auch nach dem Bachelor oder Master – wie seinerzeit er selbst nach dem Studium – an der Saar zu bleiben. „Wenn Sie drei Jahre hier sind – das ist die magische Grenze – dann gehen sie nicht mehr weg“, sagt er.

Seit ihrer Gründung vor einem Jahrzehnt hat die Studienstiftung Saar mit ihren Förderern schon mehr als 2800 Stipendien vergeben und dafür rund sechs Millionen Euro aufgewendet. Die neuen 110 Deutschlandstipendiaten an der HTW Saar waren gemäß den Förderrichtlinien aufgrund ihrer Leistungen sowie gesellschaftlicher Engagements unter 417 Bewerbungen ausgesucht worden.

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