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Democrats abroad geben ihre Stimmen im US-Wahlkampf in Saarbrücken ab

Democrats abroad : „Ich würde eher einen Außerirdischen wählen als Trump!“

Samstag, kurz vor 11 Uhr. In der dritten Etage der Volkshochschule im Alten Rathaus in Saarbrücken werden die letzten weiß-blau-roten Fähnchen auf den Tischen arrangiert.

Vivienne Hayes-Hobelsberger, ihr Sohn Andy und der Leiter des Deutsch-amerikanischen Instituts Bruno von Lutz hängen noch schnell die „Stars and Stripes“ an die Wand. Der in die US-amerikanischen Farben getauchte Raum sieht nicht nur aus wie Amerika, er klingt auch so. In ihrer freundlich-zugewandten Art wird die Reporterin begrüßt. „Welcome! How are you? My name is…“ So lernt man schnell alle kennen, kommt sofort ins Gespräch. Vivienne ist die für Saarbrücken zuständige Wahlbüromanagerin der Democrats abroad, der Demokratischen Partei im Ausland. Seit gut 20 Jahren lebt sie in Bruchmühlbach-Miesau bei Kaiserslautern, wo sie bei der US-Army arbeitete und ihren deutschen Ehemann kennenlernte. Sohn Andy hilft ebenfalls. Wie alle freiwilligen Helfer und Helferinnen hier ist sie in Sorge um ihr Land unter Präsident Donald Trump und deshalb im Wahlkampf engagiert.

Joe Biden oder Bernie Sanders? Eine Dame macht ihr Kreuz in Saarbrücken bei Elisabeth Warren, die aber inzwischen ausgeschieden ist. Seit dem Sieg des Ex-Vizepräsidenten (77) am „Super Tuesday“ vergangener Woche steht Bernie Sanders (78) im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur extrem unter Druck. Bei den Democrats in Saarbrücken hört man, dass es vor allem gelte, zusammenzustehen hinter dem Trump-Herausforder, auch wenn es nicht der eigene Wunschkandidat ist. „Ich würde eher einen Außerirdischen wählen als Trump!“, sagt Bobbye Pernice. Sie findet es besorgniserregend, dass ihre Partei keine Persönlichkeit hervorgebracht hat, hinter der sich die große Mehrheit versammeln kann. Ein Schwäche, die Trump ausnutzen könne. Bei dessen Republicans (den Republicans Overseas) finden übrigens keine Vorwahlen im Ausland statt. Rund 800 US-Bürger leben im Saarland, nur 21 geben ihre Stimme in den Democratic Primaries ab.

Cynthia Carlisi lebt seit drei Jahren im Sulzbachtal. Sie hat ihre Tochter und die vierjährige Enkelin mitgebracht. Vor allem die Zukunft der jüngeren Generation macht der 62-Jährigen Sorgen. Trump ist ihr schlichtweg peinlich, wie so vielen Democrats hier. „Unser Wahlsystem zu ändern, ist sehr schwierig, aber wir müssen es tun“, sagt die quirlige Frau. Denn die Hürden um zu wählen, seien in den USA je nach Staat hoch, die Formalitäten benachteiligten meist Minoritäten, die sich beispielsweise gar nicht erst wie vorgeschrieben für die Wahl registrieren lassen könnten, weil sie keinen Ausweis mit Lichtbild besitzen, dessen Gebühr wiederum vielen zu teuer sei.

Und so wird auch im November wieder entscheidend sein, wie viele Wähler man mobilisieren kann. Damit Trump gehen muss. Das wünschen sich die Democrats, nicht nur im Ausland. „Voting is our superpower!“ heißt es sinnig auf einem Shirt einer Helferin. Und natürlich sind die meisten optimistisch. Sie sind eben Amerikaner…