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Daten von Google zeigen, wie die Menschen im Saarland mit Corona umgehen

Kostenpflichtiger Inhalt: Leben mit Corona-Regeln : Menschen im Saarland wieder mehr unterwegs

Während der Bund und die Länder über eine Lockerung der Corona-Regeln nachdenken, legen Daten von Google nahe: Die Menschen gehen mit der Ausgangsbeschränkung lockerer um, sind wieder mehr unterwegs – auch im Saarland.

Wie gehen die Menschen mit der Ausgangsbeschränkung im Saarland um? Fahren sie in der Corona-Krise seltener zur Arbeit? Bleiben sie am Wochenende bei schönstem Wetter zu Hause? Und verändert sich ihr Verhalten mit der Dauer des Lockdowns? Es sind Fragen, zu denen Google einige Antworten liefert. Das US-Unternehmen wertet die Standortdaten von Smartphones mit dem Betriebssystem Android aus. Normalerweise fließen die Daten in Dienste wie Google Maps ein. Nun sollen sie die Mobilität in Krisenzeiten dokumentieren. Dafür vergleicht Google aktuelle Bewegungsdaten mit einem Zeitraum von fünf Wochen zwischen Januar und Februar.

Für das Saarland gibt es eine eigene Auswertung. Sie zeigt, wie sich die Mobilität seit dem 21. März verändert hat. An diesem Tag traten die Ausgangsbeschränkungen in Kraft – mit Beginn eines Wochenendes. Prompt gingen die Besuche in Restaurants und Cafés, größeren Einkaufszentren und kulturellen Einrichtungen wie Museen um mehr als 80 Prozent zurück. Damit war der Tiefpunkt erreicht, zuletzt betrug das Minus in diesem Bereich nur noch 63 Prozent. Und das, obwohl sich die Vorschriften kaum verändert haben. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Holen mehr Menschen ihr Essen im Lieblingslokal um die Ecke ab? Wissen mehr Verbraucher, welche Läden noch geöffnet haben?

Offenbar weicht die erste Verunsicherung einer gewissen Routine in der Corona-Krise. Geht die Bevölkerung im Rahmen des Erlaubten lockerer mit den Vorschriften um? Lassen sich die Daten zur gesteigerten Mobilität auch als Fingerzeig an die Politik lesen? Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und seine Stellvertreterin Anke Rehlinger (SPD) hatten am vergangenen Mittwoch eine Zwischenbilanz zu den geltenden Regeln gezogen. Man sei sich in der Landesregierung bewusst, dass der derzeitige Zustand „nicht willkürlich aufrechterhalten bleiben darf“, hatte Hans gesagt. Jedoch sei „strikt“ darauf zu achten, dass die Corona-Regeln über Ostern eingehalten werden. „Es muss uns klar sein, dass wir den Höhepunkt noch vor uns haben“, sagte der Regierungschef zur Pandemie. Direkt nach Ostern will sich Hans mit seinen Ministern besprechen, denn am Mittwoch beraten die Regierungschefs der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den weiteren Umgang mit dem Lockdown.

Was sagen die von Google gesammelten Daten noch über den Alltag der Saarländer in der Corona-Krise aus? Folgt man den Bewegungsdaten von Google, fahren sie wieder häufiger zur Arbeit. Auch häufiger als die Deutschen insgesamt. Dafür steuern die Menschen in der Region seltener Supermärkte oder Drogerien an. Hier lag der Rückgang am Wochenende vor dem Osterfest bundesweit bei 13 Prozent, im Saarland dagegen bei 26 Prozent. Doch lässt sich ein klarer Trend erkennen: An den beiden Wochenenden davor war die Bevölkerung beim Konsum noch deutlich zurückhaltender.

Einen Anstieg gibt es auch bei der Nutzung von Bus und Bahn. Noch vor zwei Wochen lag der Einbruch hier bei 70 Prozent, am vorletzten Wochenende waren es dann 60 Prozent. Damit rangiert das Saarland jedoch weiter über dem Bundestrend. Dort verzeichnete der öffentliche Nahverkehr laut Google zuletzt nur noch einen Rückgang von 47 Prozent.

Geht es um Besuche in „Parks“, einer unklaren Kategorie, zu der auch Wälder gehören könnten, ist bei schönem Wetter ein sattes Minus zu einem auffälligen Plus geworden. Noch am letzten Wochenende im März lag der Rückgang im Saarland bei 29 Prozent, zuletzt zog es die Menschen dann verstärkt nach draußen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum zwischen Januar und Februar verzeichnete Google am Sonntag, 5. April, bei Aktivitäten unter freiem Himmel ein Plus von 54 Prozent. Offenbar zog es die Menschen massenweise nach draußen. Genau an dem Wochenende, an dem Polizei und Ordnungsämter die Einhaltung der Corona-Regeln verschärft kontrollierten, an Ausflugszielen wie dem Bostalsee die Parkplätze für Besucher erstmals gesperrt waren. Dennoch registrierten die Behörden weniger Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen und das Kontaktverbot. Haben sich die Regeln vorerst durchgesetzt, trotz der zunehmenden Kritik an den Einschränkungen? Die Ostertage könnten darüber mehr Aufschluss geben. Doch sie fehlen in der Auswertung der Handydaten noch. Auch machte die Polizei am Montag keine Angaben, wie oft Beamte an Ostern ausrücken mussten, weil sich Menschen nicht an die Vorgaben hielten.

Nach Unternehmensangaben will Google mit seiner Datenanalyse weltweit den Gesundheitsbehörden in der Pandemie helfen. Dabei schütze man die Privatsphäre der Menschen, individuell zurechenbare Daten zu Standorten, Kontakten oder Bewegungen einzelner Personen seien an keiner Stelle abrufbar, erklärte Google zum Start der Veröffentlichung der gesammelten Daten.

Hinweis: Der Artikel trug zunächst die missverständliche Überschrift „Saarländer lockern Ausgangsbeschränkung im Alltag“. Wir haben diese nun abgeändert.