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Das saarländsiche Wirtschaftministerium denkt  über die Förderung privater Lastfahrräder nach

Lastenradfahrer berichten von Erfahrungen im Straßenverkehr : Land erwägt Zuschüsse für private Lastenräder

Saarländische Verbände werben für Förderung und verweisen auf Vorbilder wie etwa Hamburg.

Die Corona-Krise hat dem Radverkehr hierzulande einen Schub gegeben. Wie das Saar-Verkehrsministerium auf Anfrage erklärte, sei der Aufwärtstrend nicht nur an den Verkaufszahlen des Handels abzulesen, auch die positiven Rückmeldungen der Interessenverbände spiegelten das wider, heißt es. Den Trend will das Ministerium unterstützen. In den kommenden Wochen sollen, so eine Sprecherin, weitere Förderprogramme für den Radverkehr aufgelegt werden. Dabei solle unter anderem „ein Augenmerk auf die mögliche Förderung von Lastenrädern für Privatpersonen“ gelegt werden.

Bislang können über die Richtlinie zur Förderung regionaler Klimaschutzprojekte und der Elektro-Fahrrad-Mobilität (Emob) lediglich Kommunen, Schulen und Betriebe in mehrheitlich kommunaler Trägerschaft einen Zuschuss für die Anschaffung von (Lasten-)Pedelecs beantragen. Von 2018 bis 2020 wurden über die Förderrichtlinie des Landes 45 Pedelecs, acht Lasten-Pedelecs und zwei E-Roller im Saarland gefördert. Ein klassisches  Lastenrad ohne E-Antrieb kostet im Schnitt 1800 Euro, das Modell mit elektrischer Unterstützung kostet durchschnittlich 3500 Euro.

Der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Saar, Thomas Fläschner, würde sich über eine Förderung für den Kauf privat genutzter Lastenräder freuen. Andere Bundesländer und Städte  würden dafür bereits Fördermittel bereitstellten. Fläschner schlägt vor, einen „Fördertopf für jeden“ einzurichten – entweder von der Landeshauptstadt Saarbrücken oder vom Land. Die Ausgestaltung eines möglichen Förderprogramms soll nach den Vorstellungen des ADFC-Sprechers „relativ frei“ sein. „Einfacher wäre es in der Praxis, wenn es einen Festbetrag pro Lastenrad gäbe“, so Fläschner. Falls das Geld knapp sei, sollten zumindest Handwerksbetriebe bei der Anschaffung eines Transportfahrrads unterstützt werden. Auf jeden Fall sei es erstrebenswert, dass in jedem Stadtteil in Saarbrücken ein frei mietbares Lastenrad für die Bevölkerung zur Verfügung stehe.

Auch Volker Wieland, Landessprecher vom Fachverband Fussverkehr Deutschland (Fuss-Verein), fordert eine Lastenrad-Förderung für Privatpersonen. Die CDU/SPD-Landesregierung im Saarland solle sich an anderen Bundesländern orientieren. Als Paradebeispiel nennt er Hamburg, wo man bis zu 2000 Euro für private und gewerbliche Cargo-Bikes mit Pedelec-Antrieb und maximal 500 Euro für Lastenräder ohne Elektroantrieb dazugibt. „Ein landesweites Förderprogramm für den Kauf von Lastenrädern für Privatleute würde das Ehrenamt stärken und die Vereinsaktiven ermutigen, das Auto abzuschaffen und dafür ein Lastenrad zu nutzen“, sagt Wieland.

Ein Beispiel dafür, dass es gelingt, im Alltag nahezu alle Strecken mit einem Lastenrad zurückzulegen, ist Susanne Müller (Name von der Red. geändert) aus Saarbrücken. Seit 2017 fährt sie ein Lastenrad  – mit großer Transportbox und elektrischer Trittunterstützung. Ihren in die Jahre gekommenen Kleinwagen nutze sie „kaum noch“. In der Innenstadt pendelt sie zwischen Wohnung, Arbeitsplatz, Garten und privaten Terminen. „Mit dem Lastenrad bin ich sehr zufrieden, nicht jedoch mit der Saarbrücker Verkehrsführung und der unzulänglichen Radverkehrs-Infrastruktur – die zudem auch noch häufig zugeparkt ist“, bilanziert sie. Seit Müller fast täglich mit dem Lastenrad durch die Stadt fährt, erlebt sie, dass sie von Autofahrern als ein größeres Hindernis wahrgenommen wird. „Leider erzeugt das bei Fahrzeugführern mitunter Aggressionen. Es kommt viel öfter zu unschönen Szenen, als ich das vorher auf dem normalen Fahrrad erlebt habe“, berichtet sie.

Mit seinem E-Bike fährt Burkhard Friedrich täglich zu seinem Arbeitsplatz nach Püttlingen, mit seinem Lastenrad fährt er jeden Samstag zum Wochenmarkt nach Saarlouis. „Mit dem Auto zum einen Kilometer entfernten Großen Markt zu fahren, macht wenig Sinn, weil ich einen Parkplatz suchen muss und das mit Stress verbunden ist“, sagt der 61-Jährige. Er schätzt das Lastenrad. Ein Minuspunkt aus seiner Sicht: Für Lastenräder braucht man zu Hause einen entsprechenden Stellplatz. Da die eigene Garage zu eng ist, stelle er das Cargo-Bike in den Vorgarten. „Ich habe absolut positive Erfahrungen als Lastenradfahrer in Saarlouis gemacht. Im Straßenverkehr begegnen mir Kraftfahrer mit mehr Respekt als zu Zeiten, als ich mit einem normalen Fahrrad unterwegs war“, so der Ex-Mitorganisator der Critical Mass-Protestfahrten in Saarlouis.