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Corona: Wie ehemalige Ärzte und Pfleger in Saar-Kliniken helfen wollen

Corona-Krise : Wie Ehemalige in Saar-Kliniken helfen wollen

Ärzte und Pflegefachkräfte, die längst im Ruhestand oder aus dem Beruf raus sind, könnten schon bald den Betrieb am Laufen halten.

Saarbrücken Normalerweise würde Berthold Mees in diesen Tagen Skipisten in Norditalien hinunterfahren. „Ich bin gesund und erfreue mich meines Lebens“, sagt der 68-Jährige. Auch die Zeit nach Ostern hatte der Rentner aus Namborn schon fest verplant: Im Wohnmobil sollte es nach Spanien und Portugal gehen. Alles abgesagt.

Weil in den Krankenhäusern wegen der Corona-Krise der Ausnahmezustand droht, hat der frühere Intensivpfleger jetzt im Diakonie-Klinikum Neunkirchen seine Mithilfe angeboten. Mees hat dort 40 Jahre auf der Intensivstation gearbeitet, davon 22 Jahre als Leiter. „Ich weiß, wie dramatisch das für das Personal wird“, sagt er. Beatmungsgeräte seien vielleicht genug da, aber das Personal fehle.

Berthold Mees (68), Intensivpfleger aus Namborn, ist seit 2015 im Ruhestand. Foto: Mees

Der Rentner ist einer von landesweit mehreren hundert Freiwilligen mit medizinischer Ausbildung, die in der Corona-Krise in Krankenhäusern oder Arztpraxen mit anpacken wollen, wenn es nötig ist. „Jeder wird in den nächsten Wochen gebraucht“, hatte Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) in einem Aufruf geschrieben. Im akuten Bedarfsfall könnten Fachkräfte tage- oder wochenweise wieder in die Einrichtungen zurückkehren.

Es sind auch Leute wie Professor  Joachim Limmer, auf die es in den nächsten Wochen ankommen könnte. Der 71-Jährige leitete am Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg bis 2013 die Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie. „Jeder in dieser Profession ist lebenslänglich Arzt. Das legt man ja mit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst nicht einfach ab“, sagt er. Jetzt hat sich Limmer bei der Ärztekammer gemeldet, um mitzuhelfen, wenn die Welle der Corona-Patienten in die Kliniken kommt.

Prof. Dr. Joachim Limmer (71), bis 2013 Chefarzt auf dem Saarbrücker Winterberg. Foto: Iris Maurer

Landesweit gehen auch ehemalige Mitarbeiter direkt auf ihren früheren Arbeitgeber zu und bieten ihre Mithilfe an. „Aktuell sammeln wir diese Hilfsangebote zentral und planen, wie wir diese Freiwilligen am besten einsetzen können“, heißt es auf dem Winterberg. Man sei sehr dankbar für die Angebote. Zudem sprechen Kliniken von sich aus Ruheständler an, zum Teil per Brief wie in Merzig, zum Teil per Telefon wie in Völklingen. Die Marienhaus-Kliniken in Saarlouis, St. Wendel, Ottweiler, Kohlhof und Losheim haben alle Ärzte und Pflegekräfte ermittelt, die in den vergangenen Jahren in Rente gegangen sind.

Allerdings berichtet ein Sprecher des Krankenhausträgers SHG auch: „Viele Ehemalige zögern, weil sie sich durch Alter und Vorerkrankungen in der Risikogruppe sehen.“ Auch Berthold Mees ist das bewusst, er will nur helfen, wenn es genügend Schutzausstattung gibt.

Der ehemalige Chefarzt Limmer hält folgendes Szenario für möglich: Die aktiven Mitarbeiter in den Krankenhäusern werden an den Corona-Brennpunkten eingesetzt, das wiederum reißt Lücken auf anderen Stationen. „Da können wir Alten doch aushelfen“, sagt er. Nach Angaben der Arbeitskammer geht es beispielsweise um Jobs in der Verwaltung oder auf Stationen wie Orthopädie, Gynäkologie, Allgemeine Chirurgie oder Pädiatrie. Limmer gibt allerdings zu bedenken: „Was in Wirklichkeit auf uns zukommt, wissen wir noch gar nicht.“

 Was oft vergessen wird: Der normale Krankenhaus-Alltag geht weiter, Corona hin oder her. Trotz der Absage von planbaren Operationen gebe es für den ärztlichen und pflegerischen Bereich immer noch genügend zu tun, sagt Eva Groterath (66), die bis Ende 2019 Oberärztin in der Kinderklinik des Klinikums Saarbrücken war und sich ebenfalls gemeldet hat. „Es kommen weiterhin Schlaganfälle und Herzinfarkte und akut zu versorgende Trauma-Patienten zur stationären Aufnahme.“ Es kämen auch weiterhin Kinder auf die Welt, sagt die Ärztin, die lange im Bereich der Neugeborenen-Medizin gearbeitet hat.

Eva Groterath (66) war Oberärztin in der Kinderklinik des Klinikums Saarbrücken. Foto: Silvia Buss

Auch Medizin-Studenten sind in den Krankenhäusern im Einsatz. Allein beim Knappschaftsklinikum in Sulzbach und Püttlingen haben sich mehr als 30 gemeldet. „Sie werden zur Entlastung der Ärzte eingesetzt, je nach Studienfortschritt und Erfahrung“, sagt ein Sprecher. Aktive Pflegekräfte, die bisher nicht auf einer Intensivstation arbeiten, werden für einen möglichen Corona-Einsatz weitergebildet.

Für Ehemalige und Wiedereinsteiger bieten die Krankenhäuser Schulungen an. Berthold Mees, der Intensivpfleger aus Namborn, sagt: „Einen Beatmungspatienten absaugen, richtig lagern, waschen, pflegen und die Vitalparameter überwachen – das sind Dinge, die ich mir zutraue.“ Er wisse aus eigener Erfahrung, wie knapp es personell auf der Intensivstation schon zu normalen Zeiten zugehe. Für ihn steht fest: „Die Politik hat versagt.“ Darüber könne man gerne mal ausführlich reden – später.

Wer als Arzt oder Pflegekraft im Ruhestand ist oder mittlerweile in einem anderen Beruf arbeitet, in der Corona-Krise aber das Gesundheitssystem unterstützen will, kann sich an folgende Stellen wenden:
Ärztekammer: Tel. (0681) 4 00 32 76 oder per E-Mail: hilfseinsatz@aeksaar.de
Arbeitskammer (Pflegereferat):
Tel. (0681) 4 00 51 20 oder per E-Mail: pflege@arbeitskammer.de