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Corona: Warum das Saarland-Modell in der Gastro nicht durchstartet

Corona und der Kampf der Wirte : Warum das Saarland-Modell noch nicht durchstartet

Die Außengastro darf dank des Saarland-Modells öffnen, Theater, Fitnessstudios auch – dennoch: Zumindest die Wirte sind noch nicht ganz überzeugt von den Lockerungen. Viele warten noch ab.

Das kommende Wochenende ist das erste im Saarland-Modell, das das Land am Dienstag gestartet hat. Wer einen tagesaktuellen Test vorweisen kann, darf demnach zum Beispiel in Fitnessstudios, ins Theater, oder mit bis zu zehn Menschen in eine Außengastronomie. Wenn sie denn offen hat, viele Wirte zögern. Das bestätigt der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Grundsätzlich findet er das Saarland-Modell gut. Es gebe den Wirten eine Perspektive. Doch die ist derzeit eher trübe. Das Wetter wird am Wochenende nicht gerade prächtig – und die meisten Kneipen haben nicht auf. Sie warten ab. Sie befürchten, dass das Saarland-Modell bereits am Montag wieder Geschichte ist. Am 12. April finden wieder Beratungen von Bund und Länder statt. „Die wie ein Damoklesschwert über den Wirten schwebe“, wie Hohrath erklärt. Sie befürchten, dass „der Bund Rechte an sich zieht und so ein Modell verbieten könnte“, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Frank Hohrath. Ein Lockdown sei im Bereich des Denkbaren und das sei neben dem Wetter „ein wesentlicher Spielverderber des Modells“, sagt er. „Die Mitglieder fragen uns, was nächste Woche passiert. Aber wir wissen auch nicht, was die Kanzlerin vorhat. Es gibt Betriebe, die trotzdem öffnen. Das Bild ist aber nicht klar.“

Relativ klar ist die Wetterprognose: Am Freitag noch ganz gut, freundlich und trocken, das Wochenende zeigt sich hingegen von seiner tristen, von seiner regnerischen Seite. Kein gutes Wetter also.

Relativ klar ist laut Hohrath die Frage zu beantworten, ob denn ein großer Zulauf aus anderen Bundesländern zu befürchten sei. Selbst, wenn das Wetter gut sei. Bei einem vergleichbaren Modellprojekt in Tübingen war dies ein großes Problem – Gastrotouristen. „Tübingen ist das Opfer des eigenen Erfolgs geworden“, sagt Hohrath, „weil von außen ganz viele reinkamen“. Das unterscheide sich hier, da in Luxemburg die Außengastro ebenso wie in Rheinland-Pfalz geöffnet sei. Franzosen dürften eh nur mit negativen Tests einreisen. „Dass das Saarland implodiert, glaube ich nicht“, sagt Hohrath. Deswegen sei es doppelt schade, dass das Modell in der Gastro nicht durchstarten könne. Wegen des Wetters und der unsicheren Situation in Berlin.

Dazu kommt: Die Landesregierung lässt die Öffnungen nur solange zu, wie die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 liegt. Steigt sie an drei Tagen über 100, greift ein Ampelsystem – mit einer dann ausgeweiteten Testpflicht (gelb) unter anderem für den Einzelhandel. Wenn eine Überlastung des Gesundheitswesens droht, will die Landesregierung mit einem Lockdown die Notbremse ziehen. Derzeit liegt die Inzidenz im Saarland bei 97,4.