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Corona-Tests für alle Pflegeheime im Saarland gefordert

Kostenpflichtiger Inhalt: Lungenkrankheit Covid-19 : Corona-Tests für alle Pflegeheime im Saarland gefordert

Nach Corona-Fällen in mehreren Seniorenheimen will die Saarländische Pflegegesellschaft (SPG), dass das Land alle Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen auf das neuartige Virus testen lässt. Was sagt die Regierung?

„Diese Maßnahme halten wir angesichts der zum Teil dramatischen Verläufe – auch in unserer Nachbarregion – für dringend geboten“, erklärte der SPG-Vorsitzende Harald Kilian am Freitag in Saarbrücken. Die Pflegegesellschaft fordert Tests in stationären Einrichtungen sowie im ambulanten Bereich.

Derzeit sei so etwas nicht geplant, sagte Regierungssprecher Alexander Zeyer auf Anfrage unserer Zeitung zu flächendeckenden Tests in Pflegeeinrichtungen. Nach seinen Angaben sind aktuell 6,4 Prozent der Altenheime im Saarland von Corona-Fällen betroffen, bekannt sind 48 Infektionen bei Bewohnern. Auch 43 Mitarbeiter haben sich mit dem Coronavirus angesteckt.

Nachdem zu Wochenbeginn mehrere Corona-Fälle im St. Nikolaus Hospital in Wallerfangen, einer geriatrischen Fachklinik, bekannt geworden waren, meldete am Dienstag eine Seniorenresidenz der Arbeiterwohlfahrt in Püttlingen zunächst acht Infektionen bei Bewohnern und drei unter den Beschäftigten. Mittlerweile hat sich nach Angaben des Regionalverbandes mindestens ein Viertel der Bewohner und eine zweistellige Zahl an Beschäftigten infiziert. Im Pflegeheim Vitarium in Schmelz war am Donnerstag die Zahl der Ansteckungen nach einem ersten Fall auf 15 gestiegen.

In der Nacht auf Freitag verstarb in der Gemeinde Kleinblittersdorf eine ältere Frau, die im Seniorenheim der Barmherzigen Brüdern in Rilchingen-Hanweiler wohnte. Der Träger bestätigte unserer Zeitung drei weitere Corona-Fälle. Ebenso lebte der erste Corona-Tote im Kreis Merzig-Wadern in Besch in einem Pflegeheim, in dem zwischenzeitlich weitere Infektionen nachgewiesen worden sind.

Heute Mittag hat der Betreiber des Seniorenhauses Bischmisheim, die Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken, diese Einrichtung unter „häusliche Quarantäne“ gestellt. Dort waren Mitte der Woche vier Bewohner und ein Mitarbeiter positiv getestet worden. Angaben zu den aktuellen Fallzahlen in der Einrichtung machte der Träger nicht.

SPG-Chef Kilian wünscht sich nach einem Krankenhausaufenthalt wünscht ebenfalls einen Abstrich bei Heimbewohnern oder Menschen, die zu Hause auf Pflege angewiesen sind. Bisher sähen die Empfehlungen eine Testung vor der Rückverlegung nicht vor, erklärte er. Auch die Ergebnisse von Corona-Tests werden bei den Betreibern nach Auskunft der SPG nicht übermittelt.

„Die Rückverlegung aus einem Krankenhaus in eine Pflegeeinrichtung oder die Häuslichkeit setzt zudem voraus, dass die vorgeschriebenen räumlichen, personellen und infektionshygienischen Voraussetzungen de facto erfüllt werden können“, sagte Kilian. Dazu gehöre auch die Ausstattung mit zusätzlicher Schutzausrüstung.

Ein weiterer Kritikpunkt der Pflegegesellschaft ist die Kommunikation mit den Behörden. Bislang gebe es „keinen unmittelbar vernetzten Austausch“ mit den Gesundheitsämtern, dem Krisenstab der Landesregierung, der Ärzteschaft sowie der Saarländischen Krankenhausgesellschaft. Die SPG vertritt im Saarland als Dachverband rund 300 Einrichtungen mit 14 500 Mitarbeitern und 21 000 Pflegebedürftigen.