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Corona: Saarland gehört jetzt zu Inzidenz-Sorgenkindern in Deutschland

Anstieg von 72 auf 441 in nur einem Monat : Das Saarland – vom Musterschüler zum Inzidenz-Sorgenkind

Noch Anfang des Monats wies das Saarland die bundesweit niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz auf und schien die Corona-Situation unter Kontrolle zu haben. Nun sind die Fallzahlen bundesweit rasant angestiegen – und das Saarland gehört zu den Inzidenz-Sorgenkindern.

Vor einem Monat gab es für Saarländer noch Grund zum Optimismus in der Corona-Krise: Die Situation schien einigermaßen unter Kontrolle – sie habe sogar „ihren Schrecken verloren“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und leitete nicht nur weitgehende Lockerungen der saarländischen Corona-Regeln ein, sondern sprach sich auch für ein Ende des bundesweiten Corona-Ausnahmezustands aus. Das Saarland war Corona-Musterschüler: hohe Impfbereitschaft und laut Robert-Koch-Institut (RKI) die deutschlandweit niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz (53,5 am 25. Oktober). Schon damals kritisierte der Homburger Virologe Jürgen Rissland Hans’ Aussagen und warnte, dass die Zahl der Infektionen und der Krankenhauseinweisungen im Winter zunehmen werde.

Anfang November war zwar ein Anstieg festzustellen, doch das Saarland hatte mit 72,8 am 1. November immer noch die deutschlandweit niedrigste Inzidenz. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Die Corona-Fallzahlen stiegen rasant an; Mitte des Monats verzeichnete das Saarland dann das stärkste Wachstum in ganz Deutschland – gut 70 Prozent in der Woche vom 8. zum 14. November.

Siebthöchste Inzidenz in ganz Deutschland

Mittlerweile weist Schleswig-Holstein laut RKI-Zahlen mit 152,8 bundesweit die niedrigste Inzidenz auf. Und das Saarland? Mit 438,8 lag es am Freitag erstmals seit gut drei Monaten über dem Bundesdurchschnitt (438,2) und hat die siebthöchste Inzidenz in ganz Deutschland. Am Samstag stieg die Inzidenz leicht auf 441,5.

Nun schlägt Ministerpräsident Hans ganz andere Töne als noch vor einem Monat an: Die Corona-Regeln werden verschärft und stärker kontrolliert, Großveranstaltungen wie Weihnachtsmärkte reihenweise abgesagt. „Wir müssen die drohende Überlastung des Gesundheitswesens mit aller Macht verhindern“, sagte Hans der dpa. „Wir müssen jetzt besprechen, wie wir uns neue Luft in dieser Phase der Pandemie verschaffen können – durch einheitlich strengere Maßnahmen mit klaren Regeln für Hotspots und einer massiven Entlastungsoffensive für das Gesundheitssystem.“

Wie aus dem SR-Saarland-Trend hervorgeht, verlieren die Saarländer zunehmend das Vertrauen in das Krisenmanagement der Landesregierung, und viele fordern härtere Maßnahmen.

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