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Corona: Medizin-Studenten helfen in Krankenhäusern im Saarland

Corona-Pandemie : Wie Medizin-Studenten jetzt in Kliniken helfen

Sie assistieren in der Notaufnahme, auf der Intensivstation oder bei der Corona-Hotline des Landes: Hunderte Studenten haben sich als Freiwillige gemeldet, um Ärzte und Pflegepersonal im Saarland zu entlasten.

Der Beginn der Vorlesungszeit verschoben, was stellt man als Medizin-Student da mit der freien Zeit an? Helfen! Paula Wannemacher aus Mandelbachtal, viertes Semester Humanmedizin, griff direkt zum Telefon, als sie hörte, dass in den Kliniken jetzt Studenten gesucht werden. Das Winterberg-Klinikum in Saarbrücken kannte sie von früheren Pflegepraktika. Nicht einmal zwei Wochen später, am 30. März, begann dort ihr Einsatz auf der Intensivstation. Nach einer zweitägigen Schnellschulung, unter anderem in Hygiene und Reanimation, unterstützt die 20-Jährige jetzt das Pflegepersonal bei der Betreuung von Covid-19- und anderen Patienten. „Gerade bei der Lagerung der Patienten oder einfachen Hilfstätigkeiten kann ich dem Personal so helfen“, sagt Paula Wannemacher.

Sie ist eine von mehreren hundert Studierenden, die sich spontan als Helfer angeboten haben, nachdem das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg und das Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg über die Universität entsprechende Aufrufe verfasst haben.

Auch der Präsident der Saar-Universität, Professor Manfred Schmitt, hatte an alle Studenten appelliert: „Unterstützen Sie wenn möglich das Universitätsklinikum des Saarlandes oder eine andere Gesundheitseinrichtung in der Bewältigung der Krisensituation und helfen Sie, den medizinischen Betrieb aufrecht zu erhalten.“

Die Uniklinik berichtet von einer großen Resonanz aus der Studentenschaft. „Mehrere Hundert haben sich zur Unterstützung bereit erklärt, was das UKS sehr gefreut hat und die Arbeit deutlich erleichtert“, erklärte Personaldezernent Christian Müller. Neben vielen Medizinern und Zahnmedizinern hätten sich auch viele Studierende aus anderen Fachbereichen beworben.

Die jungen Menschen werden schwerpunktmäßig zur Unterstützung des ärztlichen Bereichs und im pflegerischen Bereich eingesetzt. Eine von ihnen ist Katharina Sauter, 10. Semester Humanmedizin. „Da unser Gesundheitssystem aktuell vor einer besonderen Herausforderung steht, finde ich es wichtig, dass alle zusammenhalten und jeder dort hilft, wo er kann“, sagt die 24-Jährige, die aus Heilbronn stammt und in Homburg lebt. Als eine von 15 Studierenden hilft sie in den Zelten vor der Zentralen Notaufnahme dabei, das Covid-19-Infektionsrisiko von Patienten einzuschätzen, die als Notfall ins Universitätsklinikum kommen. Je nach Anamnese (kein Verdacht/unklar/Verdacht auf Covid-19) erhalten die Patienten unterschiedlich farbige Armbändchen.

Nach einer Einweisung über den Selbstschutz und den Umgang mit Covid-19-Verdachtsfällen sorgen die Studenten zusammen mit Ärzten und Pflegekräften dafür, dass hochgradige Covid-19-Verdachtsfälle frühzeitig separiert und isoliert werden – für die Ärzte, Pflegekräfte und andere Patienten kann so das Infektionsrisiko möglichst gering gehalten werden. Durch den Schichtdienst und die Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegenden aus verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen könne sie einen „realitätsnahen und ungefilterten Einblick in die Berufswelt als angehende Ärztinnen und Ärzte“ gewinnen, sagt Katharina Sauter.

Auch das Klinikum Saarbrücken setzt Studenten ein. „Bei uns haben sich etwa 90 Studenten gemeldet, 50 Mediziner und der Rest andere Fachrichtungen“, sagt Sprecherin Kristin Schäfer. Das Klinikum will Studenten – unter Anleitung und Aufsicht des Pflegepersonals und der Ärzte – unter anderem in folgenden Bereichen einsetzen: Pflegehilfsdienst an Corona-Patienten auf den Intensivstationen und den Normalstationen, Hilfe für die Pflegekräfte bei der Betreuung von Nicht-Corona-Patienten, Hilfstätigkeiten für Pflegekräfte (Telefondienste, Läufer-Dienste, Organisatorisches, Gesprächsangebote).

Im Gesundheitsministerium werden Medizin-Studenten eingesetzt – bei der Corona-Hotline des Landes. Auch bei der Ärztekammer haben sich rund 70 Medizin-Studenten – neben den 130 Ärzten im Ruhestand, die ebenfalls mithelfen wollen. Das sei enorm, sagt Kammerpräsident Dr. Josef Mischo. „Das macht mich zuversichtlich, dass wir diese schwie­rige Lage gemeinsam miteinander meistern können.“