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Corona-Krise im Saarland: Was die neuen Einschränkungen bedeuten

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Warum es für viele Geschäfte und Betriebe im Saarland jetzt ums nackte Überleben geht

Freizeit-Einrichtungen und viele Geschäfte im Saarland müssen schließen. Firmen-Inhaber müssen ums nackte Überleben bangen.

Tobias Hans hat zwei Kinder, Anke Rehlinger eines. „Wir wissen, was es heißt, mit Kindern am Spielplatz vorbeizulaufen“, sagt der CDU-Ministerpräsident. Kinderspielplätze zu meiden, sei sicher nicht einfach, wenn jetzt die Sonnenstrahlen rauskommen, fügt SPD-Wirtschaftsministerin Rehlinger hinzu, aber es sei jetzt absolut notwendig: „Menschenleben zu retten, ist das wichtigste Ziel“, sagt sie

Die Schließung aller Kinderspielplätze im Saarland ist eine von vielen weiteren Einschränkungen, die die Saarländer ab Mittwoch, 0 Uhr, hinnehmen müssen – alles um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen und das Gesundheitssystem so vor einer Überlastung zu bewahren. „Wenn Gesundheitssysteme überlastet werden, kommt es zu wirklich dramatisch Bildern, wie wir sie in Italien teilweise sehen“, sagte Hans. „Das gilt es für Deutschland um jeden Preis zu verhindern.“ Nach SZ-Informationen müssen bislang mindestens zwei mit dem Coronavirus infizierte Patienten auf Intensivstationen der Saar-Kliniken beatmet werden.

Es sind nicht einmal in erster Linie die Familien, die unter den neuen Einschränkungen leiden werden. Nicht mehr auf Kinderspielplätze, auf den Fußballplatz oder in die Musikschule gehen zu können, sich irgendwie mit der Schließung von Schulen und Kitas arrangieren zu müssen – alles schwierig, aber um die blanke Existenz muss deshalb wohl noch niemand fürchten. Im Gegensatz zur Wirtschaft. Große Teile des Einzelhandels müssen schließen, in Kneipen, Gaststätten und Restaurants brechen die Umsätze ein. In den Hotels gibt es so gut wie keine Neubuchungen mehr.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Saarland, Frank C. Hohrath, sagt: „Es geht bei uns nichts mehr.“ Das Gewerbe sei jetzt schon am Erliegen. Die Betriebe wüssten nicht mehr, wie sie an Geld kommen. Die Frage sei, wer jetzt überhaupt noch kommen werde. „Wir brauchen in dieser Situation Solidarität“, sagte Hohrath. „Unseren Leuten fehlt einfach die Kohle. Wir können das später nicht mehr aufholen.“

Besonders hart trifft es auch den Einzelhandel. „Sehr viele Geschäfte werden sehr schnell ums Überleben kämpfen“, sagt der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Fabian Schulz. „Für viele Geschäfte, vor allem im Textilbereich, ist das eine Katastrophe.“ Schulz sieht jetzt viele Jobs in Gefahr. Der Handel brauche schnelle, unbürokratische Hilfe. Er zeigt aber Verständnis für die Maßnahmen: „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Gesundheit und das Leben der Saarländer vorgeht. Keiner will, dass wir im Saarland Zustände kriegen wie in Italien.“ Was Schulz wichtig ist: Die Lebensmittelversorgung werde aufrechterhalten. „Hamsterkäufe sind völlig fehl am Platze. In Deutschland wird niemand verhungern.“

Ministerpräsident Hans und Wirtschaftsministerin Rehlinger warben am Montagnachmittag in einer gemeinsamen Pressekonferenz um Verständnis: „Ich weiß, das sind Maßnahmen, die das öffentliche Leben im Saarland wirklich weitgehend lahmlegen“, sagte Hans. Maßnahmen, die von den Saarländern viel abverlangten, die aber notwendig seien und keinen Aufschub duldeten.

Hans und Rehlinger versuchten gar nicht erst, die Auswirkungen auf die durch den Strukturwandel ohnehin gebeutelte Saar-Wirtschaft herunterzuspielen: „Wir machen uns in der Landesregierung große Sorgen insbesondere um die kleinen und mittleren Unternehmen, um die Handwerksbetriebe, die Hotel- und Gastronomiebetriebe“, sagte Hans. Er versprach „größtmögliche Kulanz“, etwa bei Steuer-Entscheidungen. Bundes- und Landesregierung haben bereits eine Reihe von Hilfsmaßnahmen eingeleitet, sei es in Sachen Kurzarbeitergeld oder Bürgschaften.

Rehlinger sagte, je härter eine Maßnahme sei, desto nachhaltiger solle sie wirken und desto kürzer könne sie auch sein. Ein Signal ist der Wirtschaftsministerin besonders wichtig: „Wir werden in der Krise niemanden – seien es die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, seien es aber auch die Betriebsinhaber oder Geschäftsführer – mit diesen existenziellen Nöten allein lassen.“

Zum Abschluss tat Rehlinger etwas, was sich angesichts ständig neuer Hiobsbotschaften bisher niemand so recht wagt: schon mal an das Ende der Krise denken. „Dann brauchen wir ein Ankurbeln der Wirtschaft und Investitionen“, sagte sie. Fragt sich nur, wie viele Unternehmen bis dahin durchhalten werden.

Eine Übersicht, welche Einrichtungen jetzt geschlossen sind und welche offen bleiben, finden Sie unter www.saarbruecker-zeitung.de/corona-offen