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Corona im Saarland: Was tun, wenn Impfquote gar nicht mehr steigt?

Diskussion über Lockerungen : Was tun, wenn sich die Impfquote im Saarland gar nicht mehr steigern lässt?

Die Luft bei der Impfkampagne ist raus. Der größte Teil derer, die sich impfen lassen wollen, ist wohl auch schon geimpft. Welche Konsequenzen hat es, wenn Herdenimmunität nicht erreicht werden kann?

70 Prozent der Saarländer sind vollständig geimpft, vor einer Woche waren es 69 Prozent, vor zwei Wochen 68 Prozent. Das Tempo hat in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen. Ginge es so weiter, dauerte es bis zur Herdenimmunität noch Monate – falls dieses Ziel überhaupt erreicht würde. Denn einiges spricht für die Annahme, dass praktisch alle Impfwilligen mittlerweile auch geimpft sind.

Linke und AfD im Landtag fordern deshalb, alle Einschränkungen fallen zu lassen. Sie schlossen sich einer Forderung des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung an, zum 30. Oktober alle Maßnahmen auslaufen zu lassen. „Es ist an der Zeit, die Grundrechte wieder komplett in Kraft zu setzen“, sagte der Linken-Abgeordnete Jochen Flackus. Als Vorbilder nannte er Dänemark, Schweden und Großbritannien. Dort sei das Gesundheitssystem nach dem Ende der Corona-Maßnahmen nicht zusammengebrochen. „Es stehen alle Zeichen auf grün“, so Flackus. Die Linke geht davon aus, dass die tatsächliche Impfquote ohnehin deutlich höher liegt als offiziell angegeben.

Auch die AfD-Fraktion fordert den Stopp der Einschränkungen, auch sie verweist auf die Wortmeldung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Der Abgeordnete Rudolf Müller sagte, die 70 Prozent, die geimpft seien, weil sie Angst vor der Krankheit hätten, seien jetzt sehr weitgehend geschützt. Die anderen, die keine Angst hätten und das Risiko tragen wollten, müssten es jetzt auch tragen.

Die Regierungsfraktionen sind etwas zurückhaltender. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Funk sagte: „Solange wir Kinder und Jugendliche schützen müssen, bin ich vorsichtig.“ Aber irgendwann müsse man zurück zum normalen Leben. Wenn sich eine Gruppe von Menschen nicht impfen lassen wolle, könne es nicht sein, dass die Allgemeinheit weiterhin die Corona-Maßnahmen erdulden müsse. Einen Schub bei der Impfbereitschaft erhofft er sich, wenn Ungeimpfte, die sich nicht impfen lassen können, ab Oktober für Schnelltests zahlen müssen.

Auch SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon ist dafür, Geimpften mehr Freiheiten zu geben. Er hält es allerdings für möglich, die Impfquote noch spürbar zu steigern, wenn stärker in den sozial benachteiligten Quartieren geworben wird, in denen es zum Teil auch große Skepsis gegenüber Impfungen gebe. „Wir haben definitiv noch zu wenige mobile Impfteams“, sagte Commerçon. Er habe der Gesundheitsministerin zusätzliche Ansprechpartner von Gemeinwesenprojekten genannt. Commerçon sprach sich auch dafür aus, dort nicht nur den Einmal-Impfstoff von Johnson&Johnson anzubieten, sondern auch Biontech.