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Corona-Fallzahlen: Wie hoch ist die Reproduktionszahl im Saarland?

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Pandemie : Wie hoch ist die Reproduktionszahl im Saarland?

Mit welchem Tempo sich das Coronavirus ausbreitet, zeigt die sogenannte Reproduktionszahl. Der Politik dient sie als Entscheidungshilfe. Wie hoch liegt die Zahl im Saarland?

Die Reproduktionszahl soll beziffern, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt. Deshalb wird sie auch Ansteckungsrate genannt. Man könnte die Reproduktionszahl, kurz R, als Tacho der Pandemie ansehen. In der Lockerungsdebatte um die Corona-Regeln erlangte die Zahl einige Berühmtheit. Gilt sie doch als Beleg dafür, wie die Beschränkungen wirken.

Liegt R bei eins, geben zehn Erkrankte den Erreger an zehn andere Menschen weiter. Das Tempo der Ausbreitung bleibt gleich. Beträgt der Wert dagegen 0,8, infizieren sich zwei Menschen weniger. Das Virus verliert an Geschwindigkeit. Aber gestoppt wird es nicht. Tatsächlich gibt das Gesundheitsministerium die Reproduktionszahl für das Saarland unter Berufung auf das Robert Koch-Institut (RKI) mit 0,8 (Stand: 4. Mai) an. Neuere Daten liegen für die Region nicht vor. Deutschlandweit gab das RKI den Wert zu diesem Zeitpunkt mit 0,76 an. Gegenwärtig geht die für Infektionskrankheiten zuständige Bundesbehörde von 0,71 aus (Stand: 7. Mai).

Nicht nur das RKI berechnet eine Reproduktionszahl für das Saarland. Das tun auch Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), das seinen Hauptsitz in Braunschweig hat. Eine Außenstelle des HZI befindet sich in Saarbrücken. Nach den Berechnungen der Forscher lag Reproduktionszahl im Saarland am 4. Mai bei 0,476, für ganz Deutschland geben die Experten den Wert mit 0,424 an. Aufschlussreich ist der Verlauf, den sie für die Region nachzeichnen. Demnach hatte das Saarland vor einem Monat die höchste Ansteckungsrate aller Bundesländer.

Wie kommen die unterschiedlichen Zahlen zustande? Die Reproduktionszahl lässt sich nicht einfach aus den Fallzahlen herauslesen. Epidemiologen und Mathematiker müssen sie berechnen. Das tun sie auf unterschiedliche Weise. Das Ergebnis ist ein Schätzwert. Dabei müssen sie nicht nur Inkubationszeiten und Krankheitsverläufe berücksichtigen, sondern auch Schwankungen bei den gemeldeten Infektionen herausrechnen. So beobachtete die Kassenärztliche Vereinigung im Saarland im April, dass an den Wochenenden weniger Menschen an ihren Teststationen vorfuhren. Manche Landkreise gaben am Samstag und Sonntag keine Fallzahlen bekannt. Was zu einem Meldeverzug führte. Aber das bedeutete nicht, dass sich weniger Menschen angesteckt hatten.

Das RKI schätzt das Reproduktionszahl mit Hilfe eines statistischen Verfahrens, des Nowcastings, das vor der Pandemie aus Wettervorhersagen bekannt war. Denn bis ein Mensch erkrankt und eine Infektion mit dem Virus Sars-Cov-2 diagnostiziert wird, können einige Tage vergehen. Bis der Krankheitsfall in den Statistiken des RKI auftaucht, vergeht weitere Zeit. Daher nutzen die Statistiker der Behörde das Nowcasting, damit die ermittelte Reproduktionszahl möglichst nah an das tatsächliche Infektionsgeschehen heranreicht. Zwar errechnet das RKI täglich eine aktuelle Reproduktionszahl. Allerdings bewegt sich diese innerhalb einer größeren Spanne, zu 95% liegt der aktuelle Wert von 0,71 für ganz Deutschland zwischen 0,6 und 0,85. Für das Saarland ist ein vergleichbares Intervall nicht bekannt.