Christoph 16: Sollten Rettungshubschrauber im Saarland länger fliegen?

Kostenpflichtiger Inhalt: Bei Sonnenuntergang ist Schluss : Sollten Rettungshubschrauber im Saarland länger fliegen?

Die Einsatzzeit des Helikopters Christoph 16 endet bei Sonnenuntergang. In Mainz darf ein anderer Hubschrauber seit Juni bis 22 Uhr abheben.

Wenn es dunkel wird, bleibt Christoph 16 am Boden. Mit dem Sonnenuntergang endet die Einsatzzeit des Rettungshubschraubers, der bei Notfällen im Saarland zur Hilfe eilt. Sollte die Maschine länger abheben? Schließlich richten sich Notfälle nicht nach der Uhrzeit.

Stationiert ist Christoph 16 am Klinikum auf dem Saarbrücker Winterberg. Im vergangenen Jahr ratterte der Hubschrauber zu 1502 Einsätzen. Wenn sich ein Auto überschlägt oder jemand mit einem Herzinfarkt zusammenbricht, kann er die entscheidenden Minuten schneller sein als andere Helfer.

Betrieben wird Christoph 16 von der ADAC Luftrettung. Sie wirbt seit geraumer Zeit dafür, die Betriebszeiten ihrer deutschlandweiten Flotte bei Bedarf zu verlängern. Seit Juni darf in Mainz Christoph 77 bis 22 Uhr starten. Also auch nach Einbruch der Dunkelheit. „Die Erweiterung ist sehr gut angenommen worden“, sagt Jochen Oesterle, Sprecher der ADAC Luftrettung. Sollte das Saarland nachziehen? Oesterle äußert sich nur allgemein: „Wir plädieren dafür, dass in den Regionen regelmäßig der Bedarf überprüft wird.“

Die gelben Hubschrauber fliegen im Auftrag des saarländischen Innenministeriums zu Notfällen in der Region. Im Saarland kommen zudem Helikopter der Luxembourg Air Rescue zum Einsatz. Gibt es bei der Luftrettung einen Bedarf in Randzeiten? Das Innenministerium beantwortet diese Frage nicht. Wegen bevorstehender Gespräche zu den Leistungsentgelten mit der ADAC Luftrettung und den Kostenträgern könne man hierzu derzeit keine Angaben machen, erklärt eine Sprecherin.

Kostenträger – das sind die Krankenkassen. Sie zahlen für die Rettungsflüge. Das Land handelt mit ihnen die Entgelte aus, muss selbst nur für die Station auf dem Winterberg aufkommen. Ob Christoph 16 dort bleiben wird, ist offen. Im Ministerium denkt man über eine „Optimierung des Standortes“ nach – einen zentraler gelegenen Startplatz im Saarland. So könnte eine größere Abdeckung in der Region erzielt werden, argumentierte schon vor Monaten die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland. „Dies würde gleichzeitig zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität sowie der Verwendung der Mittel der Beitragszahler führen“, so die Krankenkasse. Unabhängig von den Einsatzzeiten.

Foto: SZ/Müller, Astrid

Dass sich das Innenministerium beim Einsatzbedarf zurückhaltend zeigt, dürfte an einem Gutachten liegen, das man gemeinsam mit Rheinland-Pfalz in Auftrag gegeben hat. Es soll klären, ob es zwischen dem Saarland und der Westpfalz den Bedarf für einen weiteren Hubschrauber gibt. Die DRF Luftrettung, zweiter großer Anbieter neben dem ADAC, möchte in Zweibrücken einen Intensivtransporthubschrauber ansiedeln – auch für die Uniklinik in Homburg. Der Luftraum über dem Saarland scheint begehrt zu sein.

Die Frage ist: Haben mögliche Patienten einen Nachteil, weil Christoph 16 zu später Stunde nicht zu ihnen kommt? „Ein Hubschrauber ist immer nur ein zusätzliches Angebot“, sagt Konrad Schwarzkopf, stellvertretender Ärztlicher Direktor am Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg. „Die Maschine kann keinen bodengebundenen Notarzt ersetzen.“ Weil die Witterung jederzeit einen Rettungsflug unmöglich machen kann, auch tagsüber, wie Schwarzkopf erklärt. Der Mediziner kennt sich aus: An zwei Tagen im Monat fliegt er selbst im Rettungshubschrauber mit. Aber nur bis zum Sonnenuntergang.

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