Kitas und Schulen im Saarland „Benachteiligung einiger Kinder“: Saar-CDU stellt aktuelle Inklusionsverordnung infrage

Update | Saarbrücken · Die CDU im Saarland fordert eine wissenschaftliche Bewertung der saarländischen Inklusionsverordnung, „um Schlüsse für die Zukunft zu ziehen“. Einer könnte die Wiedereinführung von Schulkindergärten sein.

CDU im Saarland will neue Inklusionsverordnung: „Benachteiligung einiger Kinder"
Foto: dpa/Jonas Güttler

Die CDU im Saarland will die Inklusionsverordnung auf den Prüfstand stellen. Das teilte der CDU-Bildungsexperte und Landtagsabgeordneter Frank Wagner mit. „Die Inklusion kommt an ihre Grenzen – darauf weisen wir als Bildungspolitiker in der CDU schon lange hin“, sagte Wagner. „Allen Kindern muss das gemeinsame Lernen ermöglicht werden, es darf aber auch nicht zur Benachteiligung einiger Kinder führen. Bei falschverstandenen Inklusionsbestrebungen werden schwächere Kinder in der Masse untergehen.“ Die Christdemokraten fordern daher eine wissenschaftliche Evaluierung der 2015 in Kraft getretenen Inklusionsverordnung des Saarlandes, „aus der wir dann Schlüsse für die Zukunft ziehen können“.

Konkret ging es der CDU darum, zu einem früheren Zeitpunkt eine Begutachtung auf den Weg zu bringen von Kindern und Jugendlichen, die Sprach-, Lern- oder sozial-emotionale Förderung bedürfen. Eine gezielte Diagnostik würde laut Inklusionsverordnung erst dann erfolgen, wenn ein Schulwechsel anstehe beziehungsweise Erziehungsberechtigte einen solchen beantragten, kritisierte Wagner. „Es ist uns wichtig, die Kinder schon früh dort abzuholen, wo sie stehen – und das ist eben nicht bei allen gleich.“ Manche Kinder hätten Konzentrationsschwächen, würden durch Geräusche auditiv abgelenkt, oder könnten dem Unterricht nicht so konzentriert folgen, wie ihre Mitschüler. Auch seien immer mehr Schüler verhaltensauffällig. „Diese Kinder fühlen sich häufig abgehängt, überfordert und alleine gelassen. Für sie muss es eine gezielte, verbindliche sonderpädagogische Begutachtung geben mit festen Strukturen.“ Besonders wichtig sei dabei ein Informationsaustausch  an die nächste Bildungseinrichtung, die das Kind besucht – das könnte auch der Übergang von der Kita in die Schule sein.

Aus diesem Grund fordert die CDU – wie bereits vor rund zwei Jahren – die Wiedereinführung der sogenannten Schulkindergärten. Sie dienten dazu, schulpflichtige, aber nicht schulreife Kinder auf die Schule vorzubereiten, wurden im Zuge der Inklusionsverordnung aber abgeschafft. Stattdessen gibt es die flexible Schuleingangsphase in der Grundschule: jahrgangsübergreifende Klassen, in denen Kinder mit Defiziten länger Zeit haben, meist ein bis drei Jahre, in denen sie den Stoff der ersten zwei Klassen lernen, bevor sie in die dritte Klasse versetzt werden. „Zum Ende der Kindergartenzeit gibt es zu viele Kinder, die nicht schulreif sind. Für sie ist die flexible Schuleingangsphase der Grundschule der falsche Ansatz“, sagte Wagner. „In Schulkindergärten müssen Kinder, die noch nicht schulreif sind, behutsam und spielerisch auf die Grundschule vorbereitet werden. Nur so können wir ihnen den bestmöglichen Schulstart ermöglichen und individuell auf die Kinder eingehen.“ Das wäre „Inklusion mit Augenmaß statt durch die ideologische Brille“.

Für Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) ist es derweil wichtig, allen Kindern und Jugendlichen die Förderung und Unterstützung zu ermöglichen, die sie brauchen – „unabhängig davon, ob es um soziale Herausforderungen, besondere Begabungen oder Behinderungen geht. Das macht inklusive Schule aus und dafür haben wir bereits einiges erreicht, insbesondere an Grund- und Gemeinschaftsschulen“. Künftig werde es darauf ankommen, die Teams an den Schulen noch stärker multiprofessionell aufzustellen und die notwendige Förderung direkt am Standort zu haben. „Neben der Schulsozialarbeit und der Sprachförderung müssen wir insbesondere die Eingliederungshilfe in den Blick nehmen. Dass Kinder mit Behinderungen die nötige Unterstützung bekommen, darf nicht von langen bürokratischen Wegen und Bewilligungen abhängig sein“, sagte Streichert-Clivot der SZ.