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Cannabis-Legalisierung: IKK-Saar kritisiert Cannabis-Freigabe

Freigabe ist „Spiel mit dem Feuer“ : Saar-Krankenkasse klagt: Immer mehr Cannabis-Konsumenten in Behandlung

Die saarländische Krankenkasse IKK Südwest warnt vor einer Cannabis-Freigabe. Die Zahl der Konsumenten, die behandelt werden müssen, steige seit Jahren.

Nach der saarländischen Ärztekammer hat sich auch die einzige im Saarland ansässige gesetzliche Krankenkasse kritisch zu den Plänen des Bundes für eine kontrollierte Cannabis-Abgabe geäußert. Die IKK Südwest erklärte, sie teile die Sorgen vor möglichen gesundheitlichen Folgen einer Legalisierung der Droge.

Seit Jahren seien immer mehr Cannabis-Konsumenten im Saarland, in Hessen und in Rheinland-Pfalz wegen depressiver Zustände, Angst- und Verhaltensstörungen oder weiterer, teils schwerer psychischer Erkrankungen in ärztlicher Behandlung. Eine streng regulierte Abgabe solle daher nur mit verbindlich geregelten Aufklärungsgesprächen für den Konsumenten durchgeführt werden.

„Die bekannten schlimmen gesundheitlichen Folgen eines Alkohol- oder Nikotinmissbrauchs sollten uns aufhorchen lassen. Auch dort haben wir über Jahre gesehen, dass eine Zunahme des Konsums zwangsläufig auch bei Kindern und Jugendlichen ankommen kann. Diese Gefahr sehe ich jetzt auch“, erklärte IKK-Südwest-Vorstand Professor Jörg Loth. Eine Legalisierung dürfe nicht zu inflationärem Genuss auf Kosten der Gesundheit führen. Sie bleibe aktuell „ein Spiel mit dem Feuer“, gerade bei jungen Menschen und Heranwachsenden. Daher brauche es ein Modell, das die Abgabe sicherer mache.

Die IKK Südwest empfiehlt, Konsumenten gesetzlich vorzuschreiben, dass sie sich einem Aufklärungsgespräch über die gesundheitlichen Gefahren unterziehen müssen. Auch das Verkaufspersonal solle in verbindlichen Schulungsmaßnahmen im Vorfeld sensibilisiert werden. Letzteres plant Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP).

Im Falle einer Abgabe aus medizinischen Gründen, so die IKK Südwest, könne Cannabis unter bestimmten Voraussetzungen Bestandteil eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes sein. In der Aufklärungsarbeit für Konsumenten und Personal müsse aber bewusst gemacht werden, dass Konsum aus Genusszwecken weder die ärztliche noch eine medikamentöse Behandlung ersetze, sagte Vorstand Loth.

Die Ampel-Koalition verfolgt mit ihren Plänen das Ziel, die Qualität zu kontrollieren, die Weitergabe verunreinigter Substanzen zu verhindern und den Jugendschutz zu gewährleisten. Geschäfte, die künftig Cannabis verkaufen wollen, sollen dazu eine Lizenz benötigen. Die Ärztekammer des Saarlandes und der  Deutsche Ärztetag hatten sich strikt gegen eine Freigabe gewandt.