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Bundeswehr lässt Kampfpanzer Leopard 2 künftig in St. Wendel warten

Kostenpflichtiger Inhalt: Millionen-Investition und 160 neue Jobs : Kampfpanzer werden bald im Saarland gewartet

Das HIL-Werk St. Wendel wird ausgebaut und bekommt neue Aufgaben: Es soll künftig unter anderem die Kampfpanzer der Bundeswehr vom Typ „Leopard 2“ instandsetzen. Dazu will der Bund dort 160 neue Jobs schaffen.

Die Nachricht für die Region ging am 17. November im Jubel über die zwei Stunden zuvor bekannt gewordene Ansiedlung einer Batteriezellfabrik im Saarland etwas unter. Für die Stadt St. Wendel und das Umland ist sie jedoch von großer Bedeutung. Die Heeresinstandsetzungslogistik (HIL) GmbH, einer der größten Arbeitgeber im Landkreis, will in ihrem St. Wendeler Werk in den nächsten Jahren bis zu 160 neue Jobs schaffen und mindestens 40 Millionen Euro investieren. „Mehr als erfreut“ reagierte St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU) auf die Nachricht.

Geplant ist ein Ausbildungs- und Kompetenzzentrum „Kette“ – was bedeutet, dass in St. Wendel in Zukunft schwere Kettenfahrzeuge der Bundeswehr instandgehalten und -gesetzt werden sollen. Dazu zählen vor allem der Kampfpanzer Leopard 2 (60 Tonnen) und der Schützenpanzer Puma (43 Tonnen).

Derzeit sind die rund 400 Beschäftigten vor allem für die leichteren Radfahrzeuge der Bundeswehr zuständig, etwa den Transportpanzer Fuchs (16 Tonnen), das Gruppentransportfahrzeug GTK Boxer (33 Tonnen), den Spähwagen Fennek (11 Tonnen) sowie Kräne. Zum Portfolio des Werks gehören aber auch heute schon Kettenfahrzeuge wie die Panzerhaubitze 2000 (57 Tonnen) und der Raketenwerfer Mars (21 Tonnen).

Die Zahl der Kampfpanzer in der Bundeswehr soll von 244 (Stand 2016) bis auf 320 im Jahr 2025 steigen. 1989 waren es noch 2000. Foto: Bundeswehr/Marco Dorow/Marco Dorow

Ungefähr 150 Fahrzeuge werden pro Jahr in St. Wendel gewartet, also etwa drei pro Woche. Ähnlich wie bei der Hauptuntersuchung eines Autos kommen sie in regelmäßigen Abständen zu Kontrollen und Wartungsarbeiten ins Werk, während Reparaturen in den bundesweit 54 Stützpunkten (in der Region: Lebach, Zweibrücken, Baumholder) erledigt werden.

Beim Transport mit Tiefladern wird es auch künftig bleiben, wobei aufgrund der Überbreite von Kettenfahrzeugen vermehrt Schwertransporte zu erwarten sind. Zwar fordern die Grünen und die SPD, das HIL-Werk wieder an das Schienennetz anzukoppeln, weil schwere Militärfahrzeuge nicht auf Tieflader gehörten und mit einem Gleisanschluss auch die Anwohner in Oberlinxweiler sowie die B 41 entlastet würden.

Doch aus Sicht der HIL wäre ein Bahnanschluss angesichts möglichst kurzer Durchlaufzeiten im Werk „nicht zweckmäßig“, wie Werkleiter Christian Wilhelm erläutert. Die Fahrzeuge dürften der Truppe nur so lange wie unbedingt notwendig entzogen werden. „Wir können deshalb nicht wochenlang warten, bis wir einen Zug beispielsweise mit Transportpanzern vollbekommen“, sagt Wilhelm.

Die HIL GmbH betreibt derzeit drei Werke, neben St. Wendel sind dies Darmstadt und Doberlug-Kirchhain (Brandenburg). Künftig soll Darmstadt als eigenständiges Werk wegfallen und die dortigen Aufgaben auf die beiden übrigen Werke verteilt werden. Damit werde auch der ländliche Raum in St. Wendel gestärkt, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Die 40 Millionen Euro sollen in eine neue Halle fließen sowie in den Neubau der Ausbildungswerkstatt der Bundeswehr, die von der HIL organisatorisch unabhängig ist. Dort werden 128 junge Menschen zum Kfz-Mechatroniker und zum Feinwerkmechaniker ausgebildet. Nicht zuletzt werden Millionen gebraucht, um die bereits bestehenden Hallen auf Vordermann zu bringen. Denn wegen der zeitweiligen Privatisierungspläne hat der Bund seit 2016 kaum noch Geld in das Werk gesteckt. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Petry schätzt daher, dass der Investitionsstau größer ist als 40 Millionen Euro. Er will von Kramp-Karrenbauer nun schnell ein Gesamtkonzept für St. Wendel.