1. Saarland
  2. Landespolitik

Bundesländer starten Auffrischungs-Impfung gegen Corona in Altenheimen

Schutz vor Delta in Altenheimen : Auffrischungs-Impfung startet im September mit mobilen Teams

Den Saar-Kassenärzten geht das zu schnell - doch die Gesundheitsminister machen Tempo. Schon im September sollen mobile Teams in Altenheimen die dritte Spritze gegen Corona setzen.

Schon ab September sollen mobile Teams unter anderem in Pflegeeinrichtungen Auffrischungsimpfungen gegen Corona anbieten. Das geht aus Beschlussvorlagen für die Gesundheitsministerkonferenz am Montag hervor, die am Sonntag in Berlin Medien vorlag. Damit greifen die Minister Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) vor. Das Vorgehen war bereits vor knapp zwei Wochen vom Impf-Koordinator der saarländischen Ärzteschaft, Joachim Meiser, kritisiert worden war. Es sei noch gar nicht klar, ob überhaupt eine Auffrisch-Impfung für alle notwendig sei, sagte er im SR. Bis eine endgültige Stiko-Empfehlung zur Auffrisch-Impfung vorliege, werde es wohl eher September.

Saar-Kassenärzte kritisch

Nach der Entscheidung zu einer dritten Corona-Impfdosis für ältere Menschen in Israel hatte Stiko-Chef Thomas Mertens Ende der Woche bekräftigt, dass Auffrischimpfungen das Gremium weiter intensiv beschäftigen. Die Stiko brauche für eine Empfehlung aber eine Datengrundlage, sagte er am Freitag. Diese gebe es noch nicht.

 Dritte Spritze nur mit mRNA

Nun gehen die Minister dennoch voran. Verimpft werden sollen, wie Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) schon klargestellt hat, grundsätzlich die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna, unabhängig davon, ob vorher etwa die Impfstoffe von Astrazeneca oder Johnson & Johnson verwendet wurden. Nach den Plänen der Gesundheitsminister sollen auch Betriebsärztinnen und -ärzte Auffrischungsimpfungen verabreichen können. Begründet werden diese mit Studien, die auf ein allmähliches Nachlassen des Infektionssschutzes auch bei vollständig Geimpften hinweisen, gerade in den Risikogruppen.

Saar-Imfpzentren für Jugendliche offen

Wie im Saarland, wo dies schön möglich ist und auch angenommen wird, sollen nun bundesweit alle Zwölf- bis 17-Jährigen ab sofort Corona-Impfungen mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna in den Impfzentren erhalten können. Aber auch durch niedergelassene Ärzte sowie im Rahmen der Impfung von Angehörigen in Betrieben sollen Jugendliche geimpft werden. "Für die Gruppe der jungen Erwachsenen in Universitäten, Berufsschulen und Schulen machen die Länder strukturierte, niedrigschwellige Angebote an den jeweiligen Lernorten", heißt es weiter.

Wird dies so beschlossen, würden die Regierenden damit die Stiko auch in dieser Frage umgehen, die Impfungen für die Zwölf- bis 17-Jährigen bisher nicht generell empfiehlt. Begründet wird das Vorgehen in der Beschlussvorlage damit, dass die Impfung der Kinder und Jugendlichen "maßgeblich zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen" könne.

Steigende Impfquote bei Jugendlichen

Die Stiko hat ihre Impfempfehlung für dies Altersgruppe bislang auf Risikofälle begrenzt. Allerdings rät die Impfkommission auch nicht von Impfungen mit den von der EU-Arzneimittelbehörde EMA zugelassenen Impfstoffen ab, sondern drängt hier lediglich auf eine individuelle ärztliche Beratung. Zudem ist die Zustimmung sowohl der Betroffenen als auch der Eltern oder Sorgeberechtigen notwendig. Darauf wird in der Beschlussvorlage hingewiesen. Zuletzt war die Zahl der Impfungen von Jugendlichen bereits deutlich gestiegen.

Aktuell liegt die Quote der Erstimpfungen in Deutschland insgesamt bei rund 62 Prozent der Bevölkerung, gut 52 Prozent sind vollständig geimpft. Bei den unter 18-Jährigen hatten bis Donnerstag laut RKI 19,7 Prozent mindestens eine Impfung erhalten und knapp zehn Prozent einen vollständigen Impfschutz. Im Saarland waren es 20,7 Prozent 7,6 Prozent.