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Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt 60: Sie hat neues Amt in den USA​

Frühere saarländische Ministerpräsidentin : Annegret Kramp-Karrenbauer ist jetzt 60 – und hat ein neues Amt in den USA

Nach der Niederlage der CDU bei der Bundestagswahl gab die frühere Ministerpräsidentin ihr Mandat auf. In der Saar-Politik spielt sie keine Rolle mehr. Dafür hat die 60-Jährige nun ein neues Amt in den USA inne.

Mit ihren 60 Jahren, die Annegret Kramp-Karrenbauer an diesem Dienstag wurde , könnte sie mitten im Saft ihres politischen Schaffens stehen. Olaf Scholz ist 64, Friedrich Merz 66. Wäre die Bundestagswahl anders ausgegangen, würde sie jetzt vielleicht einem Kabinett Laschet angehören. Doch nach der Schlappe bei der Bundestagswahl hat sich AKK nicht nur aus dem Bundestag zurückgezogen, sondern aus der politischen Öffentlichkeit insgesamt. Eine Interview-Anfrage der SZ zu ihrem runden Geburtstag lehnte sie ab. Bei Twitter bezeichnet sie sich lediglich noch als „eine von über 400 000 CDU-Mitgliedern“.

Nur einmal meldete sich die ehemalige Verteidigungsministerin noch mit einem politischen Statement zu Wort: am 24. Februar, als Russland die Ukraine überfiel: „Ich bin so wütend auf uns, weil wir historisch versagt haben“, schrieb sie damals. „Wir haben nach Georgien, Krim und Donbass nichts vorbereitet, was Putin wirklich abgeschreckt hätte.“

Nun sitzt Kramp-Karrenbauer in Püttlingen, wo sie die Erwerbslosen-Selbsthilfe führt, einen gemeinnützigen Verein, der Langzeitarbeitslose und benachteiligte Jugendliche in einer Metall- und Holzwerkstatt qualifiziert, um sie in Lohn und Brot zu bringen. Eine Aufgabe, die zu der christlich-sozial geprägten Politikerin, die der FDP-Politiker Rainer Brüderle einmal eine „schwarzlackierte Sozialistin“ nannte, passt.

Kramp-Karrenbauer leitet Beratergremium der US-Denkfabrik CEPA

War es das politisch endgültig für sie? Es scheint so, aber ganz abgeschworen hat Kramp-Karrenbauer der (internationalen) Politik nicht. Seit kurzem leitet sie ein hochrangig besetztes Beratergremium der US-Denkfabrik „Center for European Policy Analysis“ (CEPA), die in Washington unweit des Weißen Hauses residiert. Ihre Vorgängerin war die vor Monaten verstorbene ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright, die das Gremium mit dem bereits 2017 verstorbenen früheren Nationalen Sicherheitsberater Jimmy Carters, Zbigniew Brzezinski, führte.

Kramp-Karrenbauer sei ausgewählt worden, „weil sie die transatlantischen Werte und Prinzipien verkörpert, die im Mittelpunkt unserer Außen- und Sicherheitspolitik stehen müssen“, schrieb CEPA-Präsidentin Alina Polyakova.

In der illustren Runde, die sie nun leitet, sitzen ehemalige Premierminister und Außenminister, Donald Trumps kurzzeitiger Nationaler Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster (Kramp-Karrenbauers Co-Vorsitzender), Intellektuelle wie Francis Fukuyama und Timothy Garton Ash sowie die Tochter des ermordeten russischen Oppositionellen Boris Nemzow, Schanna Nemzowa.

Beratergremium trifft sich ein Mal im Jahr

Der Arbeitsaufwand scheint überschaubar, das Beratergremium trifft sich lediglich einmal im Jahr. Kramp-Karrenbauer erklärte zu ihrer Berufung, nur Amerika und Europa gemeinsam könnten die regelbasierte Weltordnung gegen die gewaltsame Aggression Russlands und die chinesischen Ambitionen auf globale Vorherrschaft verteidigen.

In der saarländischen CDU spielt Kramp-Karrenbauer hingegen keine Rolle mehr – obwohl sie eine prägende Figur war: als erste Innenministerin der Republik, als Bildungs- und Sozialministerin und zum Schluss als Regierungschefin, die zwei Mal die Landtagswahlen für die CDU gewann und damit auch zur Hoffnung für die Bundespartei wurde.

Doch der Abstieg war rasant: als CDU-Bundesvorsitzende trotz eines vielversprechenden Starts in Berlin gescheitert, als Verteidigungsministerin zwar in der Truppe angesehen, aber durch den chaotischen Afghanistan-Abzug unter Druck, das Ministerinnen-Amt verloren, im eigenen Wahlkreis Saarbrücken chancenlos unterlegen. Und dann auch noch die Kritik von Teilen der heimischen Basis, ihr Weggang nach Berlin sei einer der Gründe für das Wahldesaster 2022 gewesen.

Zwar besuchte sie im Mai den CDU-Landesparteitag, wo die Delegierten die goldene Ära der Saar-CDU noch einmal hochleben ließen. Doch auf die Vorwürfe reagierte sie gar nicht mehr, aus der Parteiarbeit hat sie sich völlig zurückgezogen.