Ärztliche Versorgung im Saarland: Quote und Zuschüsse sollen Ärzte ans Land binden

Ärztliche Versorgung : Quote soll Ärzte ans Saarland binden

Das Land und die KV wollen mit finanziellen Förderungen Anreize für Medizinstudenten und junge Ärzte schaffen, im Saarland zu arbeiten.

Mit einer Landarztquote will das Land künftig für junge Studenten eine Tätigkeit als niedergelassener Arzt außerhalb von Ballungszentren attraktiver machen. Und das, obwohl die ärztliche Versorgung im Saarland eigentlich auf soliden Beinen steht. Das Saarland steht bundesweit laut Bundesärztekammer sogar an der Spitze der Versorgungsstatistik, teilt das Saar-Gesundheitsministerium mit: Auf 1000 Einwohner kommen fünf Ärzte. Tatsächlich gebe es gerade im Facharztbereich eine Überversorgung und nur wenige Hausarzt-Stellen seien unbesetzt.

Allerdings muss die ärztliche Versorgung gerade in den ländlichen Gebieten des Saarlandes für die Zukunft abgesichert werden. Das Problem: Der Großteil der niedergelassenen Ärzte ist über 55 Jahre alt. In zehn Jahren, so die Prognose, sind 53 Prozent der Hausärzte und 68 Prozent der Fachärzte über 65 Jahre alt.

Setzt sich dieser Trend tatsächlich fort, befürchtet die Kassenärztliche Vereinigung des Saarlandes (KV) beispielsweise in den Regionen Lebach und Wadern eine Unterversorgung mit Hausärzten, sagt Dr. Joachim Meiser, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV. Um die ärztliche Versorgung sicherzustellen, will das Land in den kommenden Monaten ein Landarztquotengesetz auf den Weg bringen. „Medizinstudienplätze werden vorrangig an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach ihrer Ausbildung für zehn Jahre als Hausarzt im Saarland in einer unterversorgten Region zu arbeiten“, sagt Stephan Kolling (CDU), Staatssekretär des Gesundheitsministeriums.

Die Quote ist eine Erweiterung der vor zwei Jahren in Kraft getretenen Landarzt- und Stipendienprogramme. Damit wird das Studium mit über 300 Euro pro Monat ab dem vierten Semester gefördert. Bei der Gründung einer Praxis erhält der Arzt oder die Ärztin 10 000 Euro Zuschuss. Voraussetzung: Die Studenten müssen sich verpflichten, mindestens fünf Jahre im Saarland tätig zu sein sowie innerhalb eines halben Jahres nach ihrer Facharztausbildung zu beginnen, als Hausarzt zu arbeiten. Mit der Maßnahme konnten bisher sieben Medizinstudenten an das Saarland gebunden werden. 16 Praxen wurden übernommen beziehungsweise neu gegründet, sagt Kolling.

Die KV setzt ebenfalls auf ein Nachwuchskonzept und Fördermöglichkeiten, um Studenten und Ärzte an das Saarland zu binden. Während des Studiums gibt es bei einem Praktikum einmalig 250 Euro. 500 Euro pro Monat (maximal zwei Monate) erhalten Studenten für ihre Famulatur, also das vorgeschriebene Praktikum. Und im Praktischen Jahr, das grundsätzlich nicht vergütet wird, bekommen Studenten ebenfalls 500 Euro pro Monat, maximal vier Monate lang. Zwei Jahre lang gibt es 4800 Euro pro Monat bei einer Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Die gleiche Summe gibt es ein Jahr lang für eine Weiterbildung zum Facharzt, aber nur in bestimmten Facharzt-Richtungen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, Dr. Joachim Meiser. Foto: BeckerBredel

In Gebieten, in denen eine ärztliche Unterversorgung droht, bezuschusst die KV beispielsweise die Praxisübernahme oder eine neue Niederlassung mit 25 000 Euro. Für angestellte Ärzte gibt es einmalig 12 500 Euro. Auch nach der Niederlassung werden Weiterbildungsmaßnahmen finanziell gefördert.

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