1. Saarland
  2. Landespolitik

Abiturprüfungen im Saarland fünf Tage früher als geplant

Kostenpflichtiger Inhalt: Fünf Tage früher als geplant : Alle Hintergründe zu den früheren Abiturprüfungen im Saarland

Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) entzerrt die Abi-Prüfungen zeitlich, um dem Infektionsschutz gerecht zu werden.

Das saarländische Ministerium für Bildung und Kultur (MBK) hat am Montag die Termine für die Abiturprüfungen bekannt geben. Klar war bereits vorher, dass die Schulen im Saarland ab dem 4. Mai unter den Maßgaben des Infektionsschutzes schrittweise wieder geöffnet werden sollen. „Dabei wird es klar geregelte Abläufe und Vorgaben sowie einen zwischen dem Ministerium und den Gesundheitsbehörden abgestimmten Hygieneplan für die Schulen geben“, teilte das Ministerium mit. So würden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Abiturienten ihre Prüfungsvorbereitungen in den Schulen fortsetzen und das Abitur auch schreiben können.

Zusätzlich will das Ministerium auch die Prüfungstermine zeitlich entzerren, um die Abiturienten zu entlasten und um mehr Flexibilität zu erreichen. Daher werden die schriftlichen Abiturprüfungen zwischen dem 20. Mai – also fünf Tage früher als bisher geplant – und dem 4. Juni stattfinden. Für die Abiturienten hätte dies den Vorteil, dass die Prüfungen in Mathematik, Englisch und Deutsch auf zwei Wochen verteilt würden, so wie es auch in dem ursprünglichen Zeitplan für dieses Jahr vorgesehen war, hieß es.

Die fachpraktischen Prüfungen in den Fächern Musik, Bildende Kunst und Sport werden zwischen dem 5. Juni und dem 12. Juni 2020 durchgeführt. Die Nachtermine des Abiturs werden gestreckt auf den Zeitraum vom 8. Juni bis 22. Juni. Die mündlichen Prüfungen sind für die Zeit zwischen dem 29. Juni und dem 3. Juli 2020 geplant (siehe Info).

Das Abiturprüfungsverfahren unterliegt nicht nur im Saarland verbindlichen Regeln, insbesondere mit Blick auf den Infektionsschutz und die Anerkennung des Abiturs. Dazu erklärt Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD): „Bei der Wiederöffnung unserer Schulen, den Prüfungsvorbereitungen und den Prüfungen selbst steht der Schutz der Gesundheit aller direkt und indirekt Beteiligten an erster Stelle. Daher werde es für die Schulen im Saarland klar geregelte Abläufe und Vorgaben sowie einen mit den Gesundheitsbehörden abgestimmten Hygieneplan geben. „Wir haben die Anforderungen insbesondere auch zum Schutz derjenigen, die zu einer Risikogruppe gehören, in besonderer Weise im Blick und berücksichtigen diese bei unseren Planungen“, erklärte die Ministerin. Sie erklärte in der Mitteilung, dass „wir uns in einer noch nie dagewesenen Situation“ befänden. „Auch für unsere Abiturientinnen und Abiturienten bedeutet das zusätzlichen Stress. Ihnen versichere ich, dass wir alles Notwendige tun, faire Prüfungsbedingungen sicherzustellen. Sie alle sollen faire Chancen haben, eine bundesweit und international anerkannte und vergleichbare Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen.“

Diskutiert wurde zuvor, die Prüfungen abzusagen, und den Schülern das Abitur anhand ihrer Durchschnittsnoten auszuhändigen. „Diesem Anspruch würde ein Durchschnittsabitur allein unter Berücksichtigung der Vornoten nicht gerecht werden“, sagte die Ministerin. Dazu entspreche es nicht den Vorgaben, die sich die Länder einvernehmlich gegeben haben. „Besonders problematisch wäre auch die Benachteiligung derer, die darauf angewiesen sind, mit den Prüfungen ihre Note zu verbessern“, erklärte Streichert-Clivot.

Die Abiturtermine im Saarland seien mit denen anderer Länder abgestimmt. Das sei Voraussetzung, um wie auch in anderen Abiturjahrgängen Aufgaben aus dem ländergemeinsamen Abitur-Aufgaben-Pool am Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) entnehmen zu können. Ziel sei es, auf Basis der Bildungsstandards und der Oberstufenvereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) die Qualität und Vergleichbarkeit des Abiturs sicherzustellen.

Dennoch gibt es ein paar Spezialfälle: Sportpraktische Prüfungen werden, sofern sie aus Infektionsschutzgründen nicht durchführbar sind, durch sporttheoretische Prüfungen ersetzt. Die Sprechprüfungen in den Fächern Englisch und Französisch entfallen; da die Prüfungsdurchführung aufgrund der Sondersituation (die Prüflinge tauschen sich dialogisch aus) eine Risikoquelle darstellen würde, die es nach Maßgabe der Gesundheitsbehörden auszuschließen gelte.

Die mündlichen Prüfungen würden schulintern abgenommen, das heißt, Erst- und Zweitprüfer kämen von der eigenen Schule. Lehrkräfte anderer Schulen sollen nur in den Fächern eingesetzt werden, in denen eine Schule keine Zweitprüfer zur Verfügung stellen könne. In Einzelfällen könnten innerhalb der ersten zwei Wochen der Sommerferien noch mündliche Prüfungen abgehalten werden. Diese Regelung sei notwendig, um flexibel auf die Entwicklung des Infektions-Geschehens oder etwaige Erkrankungen von am Prüfungsgeschehen Beteiligten reagieren zu können, hieß es.

Der Vorsitzende des Saar-Philologenverbands Marcus Hahn bezeichnete die Planungen des Bildungsministeriums für die Abiturprüfungen als günstig für die Schüler. „In den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen werden die Prüfungen durch den früheren Beginn entzerrt“, sagte Hahn der Saarbrücker Zeitung auf Anfrage. Manche Schüler würden über den auf den 20. Mai vorverlegten Abiturprüfungsbeginn überrascht sein, doch der frühere Termin spiele keine große Rolle. „Aus Lehrersicht ist der frühere Beginn sicher positiv: Jetzt bleibt mehr Zeit, um die Klausuren zu korrigieren, was vor allem im Fach Deutsch besser ist“, sagte Hahn. Hahn begrüßte es aus Gründen des Gesundheitsschutzes nachdrücklich, dass die Sprechprüfungen in den Fächern Englisch und Französisch entfallen. „Dafür gibt es keinen Ersatz“, so Hahn.

Sorgen bereite ihm jedoch der Schulbeginn für die 11. Klassen am 11. Mai. „Das sehe ich aus Gründen des Gesundheitsschutzes sehr schwierig an“, betonte Hahn. Die Frage sei, wie die Räume in den Schulen aufgeteilt werden könnten und auch zusätzliches Lehrpersonal gewonnen werden könne, wenn der Unterricht entzerrt werden müsse.