Abitur Mathematik im Saarland: Alle Aufgaben vom Lehrplan abgedeckt

Nach Kritik am Mathe-Abi im Saarland : Korrektoren: Alle Aufgaben waren zu lösen

Nach Durchsicht der Abiturklausuren sehen die damit befassten 200 Mathelehrer keine Anhaltspunkte für systematische Fehler bei den Prüfungen.

Nach den massenhaften Protesten betroffener Schüler gegen die Abiturklausuren im Fach Mathematik haben die Unterstützer einer entsprechenden Petition einen Dämpfer erhalten. Nach Angaben aus dem saarländischen Bildungsministerium habe die Korrektorenkonferenz während ihrer Sitzung am Mittwoch (8. Mai) keine systematischen Fehler in der Aufgabenstellung ausmachen können. Ministeriumssprecherin Marija Herceg teilt in einer schriftlichen Stellungnahme mit, dass „alle Aufgaben vom saarländischen Mathematik-Lehrplan vollständig abgedeckt und alle Aufgaben fehlerfrei gestellt wurden und daher lösbar waren“. Dies hatten Prüflinge direkt im Anschluss an die Abiturklausuren anders dargestellt. Sie behaupteten, dass zumindest Teile der Aufgaben thematisch nicht im Unterricht behandelt worden seien und damit die Schüler vor Probleme stellten.

Noch ist aber nichts entschieden. Die Korrektoren wollen nun das Ergebnis der Erstkorrektur abwarten. Dies soll Ende Mai der Fall sein. Sollte sich ergeben, dass die Aufgabenfülle in der gegebenen Prüfungszeit nicht zu bewältigen oder der Schwerpunkt falsch gesetzt war, werde darüber beraten, ob es nötig ist, „aus Fairness- und Vergleichsbarkeitsgründen gegebenenfalls die Bewertungsmaßstäbe zu verändern“.

Rund 200 Mathematiklehrer weiterführender Schulen hatten sich zusammengefunden, um sich mit der Abiturklausur vom vergangenen Freitag zu befassen. Am Donnerstagvormittag stand das Thema auf Antrag der Fraktion Die Linke auch auf der Tagesordnung des Bildungsausschusses im saarländischen Landtag. Das Gremium informierte sich als erstes über die Ergebnisse der Korrektorenkonferenz.

Mit dem Streit ums Mathe-Abitur befasste sich gleichzeitig die Landeselternvertretung an Gymnasien (LEV Gym). Deren Vorsitzende Katja Oltmanns reagierte nach Bekanntgabe der Korrektoreneinschätzung erfreut über das Ergebnis. Sie werde aber aus den unterschiedlichen Kritikpunkten ihre Schlussfolgerungen ziehen, wie eine umfassende Vorbereitung auf die Abiturprüfungen mit veränderten Anforderungen sich zukünftig gestalten sollte. Dabei besteht Oltmanns darauf, dass Abiturprüfungen „fair sein und fair benotet werden" müssen. Kritik übt sie indes an der Elternvertretung der Gemeinschaftsschulen, die gefordert habe, das Abitur nicht unnötig schwer zu machen. Oltmanns: „Verschenkte Bildungsabschlüsse haben keinen Wert.“ Sie wehre sich dagegen, die Anforderungen ans Abitur zu senken.

Unterdessen fehlen Landesschülersprecher Usamah Hammoud bislang „detaillierte Einschätzungen“ seitens der Korrektoren zur beanstandeten Klausur. Insbesondere zu den Hauptkritikpunkten Aufgabenmenge und -stellung vermisse er Aussagen. Gleichzeitig setzt er aber auf die noch vorhandenen Spielräume, was die Notenvergabe zwischen Erst- und Zweitkorrektur betrifft. Grundsätzlich habe die Debatte bewiesen, dass es wichtig ist, Schülervertreter einzubeziehen. Damit werde ein „nachhaltig besseres Abitur“ erreicht.

Ungeachtet dessen unterzeichneten die von den betroffenen Schülern gestartete Online-Petition annähernd 5000 Unterstützer. Sie ist an Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) gerichtet. In 13 Bundesländern wandten sich Prüflinge mit Protestnoten an die Minister, um auf Probleme bei den Klausuren aufmerksam zu machen.

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