1. Saarland
  2. Landespolitik

Ab sofort wird die Maskenpflicht in Schulen im Saarland aufgehoben

Regelung gilt ab sofort : Keine Maskenpflicht mehr in den Saar-Schulen

Ab heute können Saar-Schüler auf einen Mund-Nasen-Schutz im Klassensaal verzichten. Der Beschluss des Ministerrates am Dienstag sorgte bereits für Kritik.

Auf einmal ging es ganz schnell. Schon ab diesem Donnerstag fällt die Maskenpflicht im Unterricht an saarländischen Schulen. Darauf hat sich am Dienstag der Ministerrat verständigt. Erst am Sonntag hatte Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) weitere Lockerungen der Maskenpflicht in Aussicht gestellt, nannte dafür aber noch keinen konkreten Termin. Nun ist klar: Die Maske während des Unterrichts ist nach siebeneinhalb Monaten vorerst Geschichte – für Schüler und Lehrer.

„Wir sind uns in der Landesregierung einig, dass es Lockerungen bei der Maskenpflicht in Innenräumen zuerst bei den Schülerinnen und Schülern geben muss“, erklärte Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) nach der Ministerratssitzung. „Für Kinder und Jugendliche ist das Maskentragen im Unterricht angesichts der steigenden Temperaturen eine körperliche Belastung.“ Gleichzeitig entspanne sich die allgemeine Pandemielage weiter deutlich und damit auch an Schule. „Das erlaubt uns Lockerungen und deshalb heben wir die Maskenpflicht während des Unterrichts am Platz ab Donnerstag auf.“ Gleichwohl müssen die Schüler und Lehrer auf dem Weg zum Platz im Klassensaal sowie in Schulbussen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln die Maske weiter tragen. Klar ist: Wer möchte, könne weiter eine Maske nutzen, „nur die Abschaffung der Verpflichtung ist momentan nach Abwägung aller Faktoren vertretbar“.

Der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland hatte am Montag vor diesem Schritt gewarnt. Ein Verzicht auf den Mundschutz in Innenräumen erachtet er als zu früh, sagte er in einem SR-Interview. Dass im Zuge des vollen Präsenzunterrichts die Infektionszahlen nicht gestiegen seien, rechne er teilweise auch der Maskenpflicht im Klassensaal zu.

„Mit sehr gemischten Gefühlen“ bewertet der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) die Entscheidung der Landesregierung. „Der Wegfall der Maskenpflicht ist einerseits nachvollziehbar, da bei der anhaltenden Hitze die Belastung durch das Tragen der Masken während des Unterrichts für Schülerinnen und Schüler und auch Lehrkräfte enorm ist“, sagt SLLV-Chefin Lisa Brausch. Sie weist aber „eindringlich“ darauf hin, dass es derzeit keinen Platz gäbe, an dem es ohne Maskenpflicht über mehrere Stunden zu so engen Kontakten komme wie im Klassensaal. Das Raumklima in den Klassen bei bis zu 30 Schülerinnen und Schülern in einem Saal sei „teilweise tropisch“. Nur ein Teil der Lehrkräfte sei bislang vollständig geimpft; Schüler noch gar nicht, „und sie pflegen auch außerhalb der Schule zudem eine hohe Anzahl von Kontakten. Ich sehe hierin ein großes Risiko, von dem ich mir nicht sicher bin, ob wir es zum jetzigen Zeitpunkt schon eingehen sollten. Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, betont Brausch.

Zweifel, ob die Landesregierung so kurz vor den Sommerferien die richtige Entscheidung getroffen hat, hegt Birgit Jenni, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). So lange nicht alle Lehrkräfte geimpft sind, „befürworte ich weiter die Maskenpflicht“. Außerdem sollte den Schulen die Entscheidung überlassen werden.

Das Ende der Maskenpflicht sei eine „höchstmögliche Missachtung der Gesundheitsinteressen der Lehrkräfte“, kritisiert der Verband Reale Bildung. „Der aktuelle Regierungsbeschluss sorgt dafür, dass in der Schule nunmehr keine Sicherheitsmaßnahmen mehr gelten, die nach wie vor allen anderen gesellschaftlichen Bereichen verordnet werden. Es gelten weder Abstände noch Maskentragepflicht – und das im geschlossenen Raum“, sagt VRB-Vorsitzende Karen Claassen.

Die Vorsitzende der Landeselternvertretung Gymnasien (LEV), Katja Oltmanns, sieht die Aufhebung der Maskenpflicht ebenfalls kritisch. Die Infektionszahlen seien zwar gering, „man sollte trotzdem weiter grundvorsichtig sein“, sagte Oltmanns der SZ. Zumal die Schüler in den Klassenräumen eng aufeinander säßen. „Ich hätte mir gewünscht, dass man die Maskenpflicht zumindest noch für Schüler ab der Sekundarstufe 1 beibehalten hätte.“

Rein praktisch gedacht sei das Ende der Maskenpflicht eine Erleichterung für alle Beteiligten, sagt Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbands. Bei großer Hitze eine Maske zu tragen sei extrem anstrengend. Hahn hält die Entscheidung der Landesregierung weniger für ein Vorpreschen denn für ein Nachziehen, bedenkt man, welche Lockerungen außerhalb der Schule bereits in Kraft getreten sind. Allerdings: Aus epidemiologischer Sicht werde sich erst zeigen, ob der Verzicht auf den Mundschutz Konsequenzen haben werde. Zumal ein ausreichendes Lüften der Klassenräume bei den derzeitigen Temperaturen Grenze habe.

Derweil lockert auch Rheinland-Pfalz die Maskenpflicht. Sie wird aber erst ab kommenden Montag im Unterricht aufgehoben, teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) nach einer Kabinettssitzung am Dienstag mit. Die Regelung gelte solange, wie die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen unter einem Wert von 35 bleibe. Am Montag waren es landesweit 16,0.

Im Saarland lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag bei 16,4. Den niedrigsten Wert verzeichnete der Kreis St. Wendel mit 3,4, den höchsten der Kreis Neunkirchen mit 22,8. Allerdings – und hierauf verweist die Landesregierung aktuell nicht – ist der Wert saarland- wie auch bundesweit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts innerhalb der Altersgruppe der Fünf- bis 14-Jährigen deutlich höher. Die „Berliner Morgenpost“ hat hierzu eine interaktive Karte erstellt. Demnach lag der Wert im Saarland am Dienstag in dieser Gruppe bei 51,2, im Kreis Neunkirchen sogar bei 130.