1. Saarland
  2. Landespolitik

836 Corona-Fälle: Das zeigen die Corona-Fallzahlen im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: 836 Corona-Fälle bestätigt : Was zeigen die Corona-Fallzahlen im Saarland?

836 Corona-Fälle gibt es derzeit im Saarland, zuletzt stiegen auch die Todeszahlen. Während sich das Coronavirus langsamer ausbreitet als erwartet, nimmt der Anteil älterer Patienten in der Region deutlich zu. Das zeigt eine neue SZ-Analyse.

Eine bedrohliche Zahl nimmt der Corona-Krise im Saarland ein wenig den Schrecken. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hatte vor eineinhalb Wochen mit 10 000 Infektionen zum Monatsende gerechnet. Die Landesregierung reagierte mit Ausgangsbeschränkungen, die nun bis zum 20. April verlängert worden sind. Zum damaligen Zeitpunkt verdoppelten sich die Fallzahlen in der Region etwa alle zwei Tage. Dieses Tempo hat nachgelassen, gegenwärtig liegt die Infektionszahl bei 836. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unserer Zeitung bei den lokalen Gesundheitsbehörden. Fragt sich: Wo steht das Saarland in der Corona-Krise?

Hält man sich an die behördlichen Zahlen, so scheint das Schreckensszenario mit 10 000 Infizierten zum 31. März zwar nicht eingetreten zu sein – auch wenn Experten aufgrund milder Krankheitsverläufe von einer beträchtlichen Dunkelziffer ausgehen. Doch haben sich die Krankheitsfälle seit dem Montag vergangener Woche mehr als verdoppelt, in manchen Teilen des Saarlandes ist eine besondere Dynamik zu beobachten – ebenso bei der Altersverteilung.

96 Corona-Patienten müssen laut Gesundheitsministerium in einem Krankenhaus behandelt werden, davon 41 auf einer Intensivstation. Gemessen an der Zahl der Menschen, die nach Angaben des Ministeriums noch nicht genesen sind, beträgt der Anteil der Intensivpatienten etwa 5,5 Prozent. Gäbe es 10 000 Corona-Patienten im Land, wäre das Gesundheitssystem bei einer solchen Quote schon an seine Grenzen gestoßen. Während das Ministerium von 58 Menschen ausgeht, die wieder gesund sind, gibt es im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 mittlerweile neun Todesfälle. Zuletzt starben am Sonntag im Klinikum Saarbrücken ein 54- und ein 88-jähriger Patient.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI), das bundesweit für den Kampf gegen das neuartige Virus verantwortlich ist, sind 88 Prozent der Corona-Toten in Deutschland entweder 70 Jahre oder älter. Im Saarland nimmt der Anteil älterer Menschen an den Erkrankten beständig zu. Das belegen die aus dem Saarland ans RKI in Berlin gemeldeten Daten. Sie zeigen, dass mittlerweile ein Fünftel der Infizierten in der Region über 60 Jahre alt ist.

Im Regionalverband Saarbrücken stellt diese Altersgruppe sogar ein Viertel der Erkrankten. In Saarbrücken und Umland haben sich im landesweiten Vergleich auch die meisten Menschen über 80 Jahre mit dem Coronavirus angesteckt. Etwa zwei Drittel der Corona-Fälle in dieser besonderen Risikogruppe kommen aus dem Regionalverband. Für diesen Trend gibt es derzeit keine Erklärung. Zudem entfallen auf diesen Landesteil sieben von neun Todesfällen.

Im Regionalverband leben deutlich mehr Menschen als in den übrigen Landkreisen im Saarland. Daher ist es aufschlussreich, die Krankheitsfälle je 100 000 Einwohner zu berechnen – um zu sehen, wie sich das Coronavirus in der Region ausgebreitet hat. Während im Regionalverband derzeit 91 Corona-Fälle auf 100 000 Menschen kommen, liegt dieser Wert in St. Wendel bei 98 und im Saarpfalz-Kreis sogar bei 109. Zum Vergleich: Bundesweit beziffert das RKI die sogenannte Inzidenzrate auf 69 Fälle je 100 000 Einwohner. Dass der Saarpfalz-Kreis in dieser Rechnung vorne liegt, entspricht der anhaltenden Dynamik der Fallzahlen im drittgrößten Kreis des Saarlandes

Wie nah an der Gegenwart bewegen sich die von den Behörden gemeldeten Zahlen? Wegen der Inkubationszeit bilden die Fallzahlen nicht das aktuelle Infektionsgeschehen ab. Das ist keine Neuigkeit. Zuletzt nährten jedoch Berichte über längere Wartezeiten bei den Corona-Tests die Zweifel an den verfügbaren Daten. Auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) im Saarland, die in den Landkreisen sechs Teststationen betreibt, teilweise mit Amtshilfe der Bundeswehr, sprach von einem „leichten Rückstau“ im beauftragten Labor. Nach Einschätzung der KV wirkte sich dieser „Rückstau“ jedoch nicht entscheidend auf die Fallzahlen aus. Mittlerweile gilt der Berg an Teströhrchen als abgearbeitet. KV-Chef Gunter Hauptmann bestätigt, dass es Wartezeiten zwischen fünf und sieben Tagen gab – verursacht durch einen kurzzeitigen Engpass bei den sogenannten Reagenzien, also Chemikalien, ohne die ein Test auf das Coronavirus nicht möglich ist.

Nach Angaben von Hauptmann liegen die Wartezeiten nun bei ein bis zwei, „maximal drei Tagen“, wie er sagt. Unter der Woche kommen zu den Teststationen zwischen 400 und 500 Personen täglich, nur an den Wochenenden herrscht Flaute. Jedoch dürften auch in Zukunft nicht alle Getesteten gleich schnell zu einem Ergebnis kommen. In anderen Bundesländern hatten Labore bisher schon die Teströhrchen von Intensivpatienten zuerst geöffnet. Im Saarland hat die Kassenärztliche Vereinigung am Montag an ihre Mitglieder die Bitte des Gesundheitsministeriums weitergegeben, eine „Priorisierung der Abstriche“ vorzunehmen. Das bedeutet, dass Ärzte bei einem Corona-Verdacht ihre Patienten für die Laboruntersuchung einer von drei Kategorien zuordnen sollen. In die erste Kategorie fallen Menschen aus Risikogruppen, bei denen der Nachweis der Lungenkrankheit Covid-19 entscheidend für die weitere Medikation ist.

Aus dem Labor, das für die KV die Abstriche untersucht, hört Hauptmann von mehr als 90 Prozent negativer Ergebnisse. Hauptmann sagt: „Für uns stellt sich die Frage: Ist das repräsentativ?“ Denn bei dem neuartigen Erreger komme es laut Hauptmann auch „sehr stark“ darauf an, wann ein Test gemacht werde. So stehen alle bekannten Daten zum Coronavirus unter einem gewissen Vorbehalt. Bereits in der vergangenen Woche hatte RKI-Präsident Lothar Wieler bei der Vorstellung aktueller Zahlen immer wieder betont: „Wir sind am Anfang der Epidemie.“ Es sei offen, wie diese sich weiter entwickele. Das gilt auch für das Saarland.