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403 Fälle bestätigt: Wie die Corona-Fallzahlen im Saarland ansteigen

Kostenpflichtiger Inhalt: 403 Fälle bestätigt : Wie die Corona-Fallzahlen im Saarland ansteigen

403 Corona-Fälle gibt es derzeit im Saarland. In einer neuen Analyse mit aktuellen Grafiken zeigt unsere Zeitung, wo die Fallzahlen am stärksten angestiegen sind.

Tobias Hans (CDU) hatte noch Schlimmeres befürchtet. „Wir wissen, wir werden aufgrund des Infektionsgeschehens am 23. März 1000 Fälle haben“, hatte der Ministerpräsident am vergangenen Freitag über das Saarland gesagt. Am Montagabend meldete das Gesundheitsministerium mit 383 Infektionen eine deutlich niedrigere Fallzahl, laut einer SZ-Umfrage bei den lokalen Behörden haben sich 403 Menschen angesteckt – nach 329 am Vortag. Doch einen Grund zur Entwarnung gibt es nicht.

Obwohl sich das neuartige Virus im Saarland langsamer auszubreiten scheint als befürchtet, bleiben die Zuwachsraten besorgniserregend. Der Regionalverband Saarbrücken verzeichnete am Montag den höchsten Anstieg seit Beginn der Corona-Krise. Gegenüber dem Sonntag ist die Fallzahl in Saarbrücken und im Umland der Landeshauptstadt um 26 auf nun 147 gestiegen. Davon entfallen 94 auf die Stadt Saarbrücken. Der Sprung ist auch deshalb bemerkenswert, weil das Gesundheitsamt im Regionalverband auch über das Wochenende durchgehend Infektionszahlen gemeldet hatte. Somit liegt der Zuwachs nicht an einem Meldeverzug von mehreren Tagen.

Dass der Regionalverband im Vergleich zwischen den Landkreisen nicht nach oben ausreißt, liegt an der steigenden Zahl von Ansteckungen in anderen Landesteilen. So hat der Saarpfalz-Kreis am Montag insgesamt 76 Infektionsfälle bestätigt, damit entfällt rund ein Fünftel der im Saarland nachgewiesenen Erkrankungen auf diese Region. Das war bei der jüngsten Auswertung unserer Zeitung noch anders. Zugleich kam aus dem Saarpfalz-Kreis auch eine gute Nachricht: Der erste Corona-Patient des Landes, ein Oberarzt des Universitätsklinikums in Homburg, ist eine von zwei genesenen Personen, die das Gesundheitsministerium jetzt bestätigte.

Im Landkreis Saarlouis sind bis heute 57 Menschen am Coronavirus erkrankt, es folgen die Kreise St. Wendel (52), Neunkirchen (47) und Merzig-Wadern (24), wo weiterhin die wenigsten Fälle nachgewiesen wurden. Den lokalen Gesundheitsbehörden sind weiterhin erheblich mehr Infektionen bekannt als das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin für das Saarland ausweist.

Da ein solcher Meldeverzug bei den Infektionszahlen auch andere Regionen in Deutschland betrifft, schienen die vom RKI am Wochenende verbreiteten Fallzahlen eine verlangsamte Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 anzuzeigen. Daher stellte RKI-Chef Lothar Wieler in einer Pressekonferenz am Montag klar: „Am aktuellen Wochenende wurden nicht aus allen Ämtern und nicht aus allen Bundesländern Daten übermittelt, so dass der hier berichtete Anstieg der Fallzahlen nicht dem tatsächlichen Anstieg der Fallzahlen entspricht.“ Er sprach von 22 672 Infizierten bundesweit.

Anders als vor einer Woche schlug Wieler angesichts der unklaren Statistik keinen Alarm. Damals ging der Chefexperte davon aus, dass die tatsächlichen Fallzahlen „wesentlich höher“ seien. Überraschend sagte Wieler nun in Berlin: „Wir sehen einen Trend, dass die exponentielle Wachstumskurve sich etwas abflacht.“ Doch vor Mittwoch will der Präsident des RKI diesen Trend nicht abschließend bewerten. Gegenwärtig scheint Wieler geneigt, die aktuelle Infektionskurve auf die drastischen Maßnahmen zurückzuführen, welche die Bundesländer im Kampf gegen das Coronavirus ergriffen haben. „Ich bin optimistisch, dass diese Maßnahmen schon jetzt sichtbar sind – was sehr früh ist, weil sie ja erst seit einer Woche wirklich gefahren werden“, erkärte er.

Im Saarland hatte das Gesundheitsministerium noch am Freitag erklärt, die Fallzahlen verdoppelten sich alle 2,2 Tage. Daher kalkulierte Regierungschef Hans in der Region mit 10 000 Corona-Patienten zum Monatsende. Eine solche Zahl würde das Gesundheitssystem an seine Grenzen führen. Derzeit werden 29 Menschen wegen der Lungenkrankheit Covid-19 stationär in einer Klinik im Saarland behandelt, sechs von ihnen liegen laut Ministerium auf einer Intensivstation. Legt man die von der Behörde gemeldete Fallzahl zugrunde, benötigen gegenwärtig rund 1,6 Prozent der Erkrankten eine intensivmedizinische Behandlung.

Am vergangenen Freitag war im Uniklinikum in Homburg der erste Patient im Saarland im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Nach SZ-Informationen handelte es sich um einen Mann über 80 Jahre, nach Angaben des Gesundheitsministeriums litt er unter Vorerkrankungen. RKI-Chef Wieler erklärte am Montag, im Durchschnitt seien die in Deutschland an Covid-19 verstorbenen Patienten 82 Jahre alt.

Unter den Erkrankten liegt der Altersschnitt auf nationaler Ebene bei 45 Jahren. Das entspricht auch der Altersverteilung im Saarland, wo nach einer Aufschlüsselung des Robert-Koch-Instituts die Altersgruppe zwischen 35 und 59 Jahren zuletzt 57 Prozent der Infizierten stellte.