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268 Fälle: Was wir über die Corona-Fallzahlen im Saarland wissen

Kostenpflichtiger Inhalt: 268 bestätigte Fälle : Was wir über die Corona-Fallzahlen im Saarland wissen

268 Corona-Fälle waren den lokalen Gesundheitsbehörden im Saarland kurz vor dem Wochenende bekannt. Wie sich die Infektionen im Land verteilen – und welche Altersgruppe in der Region besonders stark betroffen ist.

Kaum war es im Saarland verboten, sich mit mehr als fünf Menschen zu treffen, trieb die Polizei landesweit Kinder und Jugendliche auseinander. Am Freitag wandte sich Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) zum wiederholten Mal an die Jüngeren – als er eine Ausgangsbeschränkung verkündete. „Es gibt Menschen, die glauben, mich persönlich betrifft das nicht – vielleicht, weil man jung ist, vielleicht, weil man gesund ist.“ Diesen Menschen wolle er zurufen: „Auch junge Menschen sind betroffen von der Erkrankung.“

Bahnt sich in der Corona-Krise ein Konflikt zwischen den Generationen an? Alte und Kranke sollen vor der Lungenkrankheit Covid-19 beschützt werden. In dieser Woche sorgte der Epidemiologe Eric Feigl-Ding von der Universität Harvard für Aufsehen, weil er in einer Auswertung zu Südkorea die „sozial aktive“ Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren als „Hauptträger“ für das Coronavirus ausgemacht hat. Seitdem wird auch in Deutschland über „Corona-Partys“ in Parks geklagt – und vor der Arglosigkeit der jüngeren Generationen gewarnt.

Schaut man sich die verfügbaren Daten zum Saarland an, zeigt sich, dass die Altersgruppe zwischen 15 und 34 Jahren unter den Erkrankten die zweitgrößte ist. Deutlich mehr Infektionen sind jedoch bei Menschen zwischen 35 und 59 Jahren festgestellt worden. Woran liegt das? Folgt man den bekannten Infektionsketten, liegt der Schluss nahe, dass die Rückkehr von Skiurlaubern dem Virus im Saarland einen enormen Schub versetzte.

Der Infektionsort habe in den meisten Fällen der bislang positiv getesteten Personen in Skigebieten gelegen, erklärte das saarländische Gesundheitsministerium zu Beginn dieser Woche – beim Stand von 85 Krankheitsfällen. Offenbar traf das Virus im Urlaub zuerst die „Generation Mitte“. So nennt das Allensbach-Institut die Bevölkerungsgruppe der 30- bis 59-Jährigen, die mitten im Leben steht, etwa 80 Prozent der steuerpflichtigen Einkünfte erzielt – und zum Ausgleich gern verreist.

Die als besondere Risikogruppe ausgemachten älteren Menschen sind bei den Infektionen derzeit noch in der Minderzahl. Allerdings basiert die Auswertung nach Altersgruppen nicht auf den neuesten Fallzahlen. Mittlerweile zählen die lokalen Gesundheitsbehörden im Saarland insgesamt 268 Corona-Fälle. Das ergab eine aktuelle Umfrage unserer Zeitung bei den einzelnen Behörden, deren Ergebnis über den kommunizierten Zahlen des Gesundheitsministeriums liegt. Wie verteilen sich diese über die fünf Landkreise und den Regionalverband Saarbrücken?

Auf den Regionalverband entfielen am Freitag (20. März) 102 der im Saarland bestätigten Infektionen, erstmals werden auch Fälle aus der Gemeinde Kleinblittersdorf gemeldet – nämlich drei. Im Saarpfalz-Kreis bestätigten die Behörden vor dem Wochenende eine Zahl von 40 Corona-Fällen, in St. Ingbert gibt es 14 Infektionen, neun in Homburg und im Mandelbachtal, sechs in Blieskastel, vier in Kirkel, einen in Blieskastel. Gersheim hat noch keinen Corona-Fall.

Im Kreis Saarlouis waren dem Gesundheitsamt am Freitag insgesamt 39 Krankheitsfälle bekannt, in St. Wendel lag der Wert bei 38. Hier gibt es die meisten Ansteckungen in St. Wendel (elf), zehn in Namborn, sechs in Oberthal, fünf in Freisen, drei in Marpingen, zwei in Nohfelden, eine in Tholey – und bisher keine in Nonnweiler. Im Kreis Neunkirchen gab es bisher 33 Meldefälle des Coronavirus, in Merzig-Wadern mit 16 die wenigsten.

Regierungschef Hans rechnet im Saarland mit einem raschen Anstieg der Fallzahlen. „Wir wissen, wir werden aufgrund des Infektionsgeschehens am 23. März 1000 Fälle haben, am 30. März 10 000 Fälle“, sagte er am Freitagabend (20. März) in einer Sondersendung des ZDF zur Corona-Krise in Deutschland. Seit dem vergangenen Wochenende verdoppelten sich die Infektionszahlen im Saarland in etwa im Zwei-Tages-Rhythmus. Zwar verlangsamte sich der statistische Anstieg der Fallzahlen zwischen Mittwoch und Freitag. Doch das könnte aufgrund der explodierenden Zahl an Abstrichen an einer Überlastung des Testlabors liegen, das die Kassenärztliche Vereinigung (KV) im Saarland beauftragt hat.

Das Gesundheitsministerium gab gegenüber dem Landtag an, dass sich die Infektionen im Saarland alle 2,2 Tage verdoppelten. Daher kalkuliert der Gesundheitspolitiker Magnus Jung (SPD) mit ähnlichen Zahlen wie Ministerpräsident Hans im ZDF. „Es ist eine einfache Modellrechnung“, erklärte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Landesparlament. „Wenn man mit den Statistiken weiterrechnet, gibt es zum Monatsende 8000 oder 9000 Infizierte.“