Land verstärkt Schutz vor Wassermassen

Unwetter : Land verstärkt Schutz vor Wassermassen

Für alle 52 Kommunen soll es Karten geben, die zeigen, wo bei einem Starkregen das Wasser abfließen würde. Auch für andere Vorhaben sagt Minister Jost Hilfe zu.

Die Schäden, die Starkregen 2016 in Dirmingen oder 2018 in Kleinblittersdorf anrichtete, waren verheerend. Wassermassen verwüsteten Häuser und ganze Sportplätze. Nach Überzeugung von Umweltminister Reinhold Jost (SPD) sind sich häufende Starkregen-Ereignisse Anzeichen für den Klimawandel. Gestern präsentierte Jost ein Bündel von Maßnahmen, die Bürgern und Kommunen helfen sollen, sich vor Wassermassen zu schützen.

Elementarschaden-Versicherung für bisher gar nicht oder nur schwer versicherbare Häuser: Der Anteil der gegen Naturgefahren wie Überschwemmung, Starkregen und Hochwasser versicherten Gebäude im Saarland ist laut Jost in den vergangenen Jahren zwar von 12 auf an die 40 Prozent gestiegen („der höchste Zuwachs bundesweit“). Allerdings gebe es immer noch einzelne Gebäude, die Versicherungen wegen des hohen Risikos entweder gar nicht versichern wollten oder nur zu horrend hohen Prämien. „Das sind Einzelfälle, aber die lassen uns nicht ruhen“, sagte Jost. Sein Plan: Jedes Gebäude, das nicht oder nur zu sehr hohen Prämien gegen Elementarschäden versichert werden kann, soll von einem Gutachter überprüft werden, der dann Vorschläge macht, wie das Haus besser geschützt werden kann, damit es doch versicherbar ist. Das Land will sich an den Gutachten-Kosten beteiligen.

Umweltminister Reinhold Jost (SPD). Foto: Ministerium/ Bauer/S. Bauer

Zuschüsse für die Nachrüstung von Heizöltanks in Häusern in Überschwemmungsgebieten: Bis Ende 2020 will das Umweltministerium im ganzen Land Überschwemmungsgebiete ausweisen, das verlangt ein Gesetz. In diesen Gebieten gelten Nutzungsbeschränkungen, um Flächen für den Abfluss freizuhalten und abfließendes Wasser nicht zu verschmutzen. Bis 2023 müssen daher in Häusern, die in einem Überschwemmungsgebiet liegen, Heizölanlage hochwassersicher nachgerüstet werden. „Wir wollen bis zu 1000 Euro an Zuschüssen zahlen, damit die Menschen damit nicht allein gelassen werden“, sagte Jost. Die Förderrichtlinie wird derzeit mit Finanzministerium und Rechnungshof abgestimmt. Ziel sei die Nachrüstung von 500 Öltanks pro Jahr.

Weil es bei der Ausweisung von Überschwemmungsgebieten entlang der Blies Ärger gab, verspricht Jost für die Zukunft eine bessere Kommunikation. „Das machen wir nicht, um irgendwelche Leute zu ärgern, sondern um den Menschen selber einen gewissen Schutz zu geben.“ Wo Gebiete ausgewiesen werden, steht bereits fest: http://geoportal.saarland.de/portal/de/fachanwendungen/wasser.html

Starkregen-Gefahrenkarten zur besseren Planung von Schutzmaßnahmen: Die Städte und Gemeinden, aber auch ihre Einwohner, sollen sich besser auf Starkregen-Ereignisse vorbereiten können – mit Hilfe von Gefahrenkarten. 200 000 Euro des Landes sind bereits in Pilotprojekte in Eppelborn, Sulzbach und Wadern geflossen.

Die Starkregen-Gefahrenkarten zeigen, über welche Wasser-„Autobahnen“ bei einem extremen Starkregen das Wasser abfließen würde. Die Idee: Bürger können auf diese Weise das Gefahrenpotenzial für ihr Haus erkennen und für einen besseren Schutz sorgen. „Das ist oftmals ganz einfach möglich“, sagte Jost. Andererseits könnten Städte und Gemeinden die Information beispielsweise nutzen, um beurteilen können, wie ein geplantes Neubaugebiet vom Starkregen betroffen sein könnte, oder zu erkennen, welche ihrer Gebäude gefährdet sind. Jost stellte den Kommunen, die solche Karten erstellen lassen, einen „sehr deutlichen Zuschuss“ in Aussicht. „Alle haben ein Interesse daran, dass sich solche Situationen nach Möglichkeit nicht mehr wiederholen und dort, wo sie stattfinden, möglichst wenig Schaden anrichten“, sagte er.

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