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Vorwurf der AfD-Nähe
Lafontaine beklagt „hirnverbrannte Debatte“ über ihn

Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine (Archivfoto).
Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine (Archivfoto). FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine hat den Vorwurf, er vertrete in der Zuwanderungs- und der Russlandpolitik AfD-nahe Positionen, vehement von sich gewiesen. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Das sei „kompletter Unsinn“, sagte er der SZ. Einen solchen Vorwurf könnten nur Leute erheben, „die mit der Wahrheit auf Kriegsfuß stehen oder sich mit den politischen Programmen der Parteien nicht beschäftigen“. Der Vorwurf gegen Lafontaine und seine Frau Sahra Wagenknecht kam von SPD und Grünen, aber auch aus der Linken selbst.


Die AfD habe bis heute ihre neoliberalen Inhalte nicht über Bord geworfen und sei – wie die übrigen Parteien – für die Anwerbung und Einwanderung von Fachkräften nach kanadischem Vorbild. „Wir ziehen den armen Ländern Fachkräfte ab, locken sie in die Industriestaaten und meinen, das sei eine humane Migrationspolitik“, sagte Lafontaine. „Viele Politiker sind heute stolz, wenn tausende syrische und griechische Ärzte in Deutschland arbeiten. Ich frage mich, warum man nicht auf die Idee kommt, dass in Griechenland und Syrien auch Menschen leben, die krank sind“, sagte Lafontaine. Er sprach von „Beschäftigungsnationalismus“.

Zugleich verteidigte der 75-Jährige seine Position, für einen Ausgleich mit Russland zu werben, dies sei im Interesse Deutschlands. Und er kritisierte, dass in diesem Zusammenhang von AfD-Nähe gesprochen werde. „Die Forderung nach einem Ausgleich mit Russland ist schon jahrzehntealt. Nach dieser Theorie wäre Willy Brandt AfD-nah“, sagte Lafontaine. „Hier sieht man, wie hirnverbrannt teilweise heute argumentiert wird.“