Kurios: SPD stellt CDU-Chef auf

Kurios: SPD stellt CDU-Chef auf

Faustdicke Überraschung während einer Sitzung des Nonnweiler Ortsrats: Die CDU scheitert mit Andreas Lauer als ihren Kandidaten für den Ortsvorsteherposten. Im zweiten Wahlgang siegt mit Zweidrittel-Mehrheit Thomas Leidinger - ebenfalls CDU, allerdings von der SPD aufgestellt.

Nonnweiler. Zwei Wahlgänge waren nötig, dann ein klares Ergebnis: Das knapp 2000 Einwohner zählende Dorf Nonnweiler hat einen neuen Ortsvorsteher: Der Ortsrat wählte Thomas Leidinger mit Zweidrittel-Mehrheit zum Nachfolger des am 7. März mit 68 Jahren verstorbenen Vorgängers Peter Hübner (FWG), der seit 2009 im Amt gewesen war.Abgesehen vom tragischen Auslöser, war die Wahl eigentlich Routine - wenn da nicht die unerwartete Kandidatenkür gewesen wäre. Denn der 45-jährige Leidinger ist zwar als Parteichef ranghöchster CDUler in der Gemeinde und im Ort Vizevorsitzender. Doch das reichte offensichtlich nicht, um von der Union ins Rennen geschickt zu werden. Denn während der abendlichen Ortsratssitzung am Montag machte Gremiumsmitglied Monika Eli (CDU) einen anderen Vorschlag: Unionschef im Ort, Andreas Lauer.

Dann passierte vor den Augen zahlreicher Bürger, die im Parkhotel Simon die Wahl verfolgten, Unglaubliches: SPD-Mann Winfried Scherer schickte einen Gegenkandidaten ins Rennen, CDU-Gemeindechef Thomas Leidinger. Stille im Raum.

Die neun Ortsräte - je drei für CDU, SPD, FWG - erhielten ihre Wahlzettel. Für diesen ersten Durchgang standen die Namen aller neun Mitglieder auf den Bögen, wie im Gesetz vorgeschrieben. Theoretisch konnte also jeder gewählt werden. Bei der geheimen Wahl entfielen dann aber nur Stimmen auf die Vorschläge, je vier auf Lauer und Leidinger; eine war ungültig.

CDU und FWG forderten darauf eine Auszeit, zogen sich rund 20 Minuten zurück. Nun zweiter Anlauf, Stichwahl. Die Kommunalpolitiker bekamen Stimmzettel mit den Namen der beiden nominierten Kandidaten. Sechs Politiker votierten für Leidinger, drei für Lauer. Sieg für den SPD-Kandidaten von der CDU.

"Es gibt massive Unstimmigkeiten in der CDU", ließ Winfried Scherer am Tag danach wissen. So habe Leidinger im Vorfeld in einem Brief an Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth (parteilos) mitgeteilt, sein bis dahin geführtes Amt als stellvertretender Ortsvorsteher niederzulegen. Das werteten Sozialdemokraten als Indiz für parteiinterne Querelen bei der CDU. Schon im Herbst habe sich dies abgezeichnet, als der nun bei der Ortsvorsteherwahl unterlegene Andreas Lauer seinen jetzigen Widersacher beerbt, so den CDU-Vorsitz im Dorf von Leidinger übernommen hatte.

Das nicht allein weise aus Sicht Scherers auf Unstimmigkeiten hin. Ein viel profanerer Grund: "Inoffiziell heißt es, dass Leidinger als nicht gebürtiger Nonnweiler hier kein Ortsvorsteher werden kann." Der in Bubach-Calmesweiler aufgewachsene und seit 1998 in Nonnweiler lebende Leidinger äußerte sich nicht dazu.

Dafür sagte er: "Wer mich kennt, weiß, dass ich im Ortsrat keinen Platz für Parteiarbeit sehe. Wir müssen gemeinsam Dinge auf den Weg bringen." Scherer pflichtete bei: "Leidinger ist ein fähiger Mann, mit dem ich auf Augenhöhe arbeiten und Dinge bewegen kann. Dafür zolle ich ihm meinen Respekt."

Auf Gemeindeebene sehe das der CDU-Vertreter indes differenzierter. Hier gebe es durchaus Unterschiede zur SPD, beispielsweise bei der Haushaltssanierung. Trotz der Auseinandersetzung mit seiner Partei will Leidinger am Parteivorsitz festhalten. "Ich denke nicht an Rücktritt."

Bürgermeister Barth, der die Versammlung leitete, sprach am Dienstag von einer "ungewöhnlichen Wahl". Er werde sich jedoch nicht in die Auseinandersetzung einmischen. Barth: "Für mich ist Herr Leidinger als Ortsvorsteher nun Ansprechpartner."

Der Unterlegene Andreas Lauer war nicht zu erreichen.

Übrigens wurde auch Leidingers Stellvertreter gewählt: Der Sohn des verstorbenen Ortsvorstehers, Jörn Hübner (FWG), setzte sich mit sieben Stimmen gegen Monika Eli (CDU, eine Stimme) durch. Eine Stimme war ungültig. Foto: privat

Foto: B&K

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