Kupferkabel zu lang – Internet-Signal schwach

Jägersfreude/Herrensohr · Wenn der Internet-Empfang in einem Stadtrandgebiet zu wünschen übrig lässt, dann liegt das meist daran, dass kein Glasfaserkabel in den Stadtteil führt. Genau das ist auch in Fechingen der Fall.

Wie kann es sein, dass in ein und derselben Stadt manche Bürger einen erstklassigen, geradezu märchenhaften Internet-Empfang haben und andere einen so miserablen, dass sie darüber verzweifeln? So wie beispielsweise in Saarbrücken, wo brillantes Internet auf dem Eschberg als Selbstverständlichkeit gilt, während manche Bürger in Fechingen, Herrensohr oder Jägersfreude versichern, bei ihnen sei es unterirdisch schlecht. Um das zu verstehen, muss man sich erst einmal klar machen, dass der viel zitierte Begriff "Internet-Zugang" in die Irre führt.

Denn nicht der Nutzer geht ins Internet, sondern die Angebote des Internets kommen zu ihm. Ganz genau wie beim Fernseh-Programm, das bekanntlich über die Antenne (oder das Fernsehkabel) auf den Bildschirm kommt. So kommt auch das Internet-Angebot über das Telefonkabel (oder das Fernsehkabel und in Sonderfällen per Mobilfunkantenne) in den Computer.

Wer seinen Computer über die Telefonbuchse ans Internet angeschlossen hat und nun feststellt, dass sein Computer Schwierigkeiten hat, Internetseiten oder Videos zu zeigen, der hat - analog zur Wortwahl beim Fernsehen - einen schlechten Internet-Empfang. Wie kommt das?

Der Internet-Empfang per Telefonbuchse ist umso besser, je näher das Haus an einem Verteilerkasten der Telekom liegt, der ans Glasfaserkabelnetz angeschlossen ist. Denn das Glasfasernetz transportiert die Internet-Angebote ohne Verlust über jede Entfernung. Im Verteilerkasten wechseln die Signale allerdings vom Glasfasernetz ins Kupferkabel der Haustelefonleitung. Und im Kupferkabel wird das Signal mit jedem Meter schwächer - nach vier Kilometern gilt es als absolut ungenießbar.

Wer in Fechingen ans Internet geht, der empfängt ein Signal, das in Ensheim - also rund zwei Kilometer entfernt - von der Glasfaser ins Kupfer wechselt. Kein Wunder also, dass manche Fechinger mit diesem Signal nicht mehr allzu viel anfangen können.

Die Firma Inexio bietet den Fechingern nun Folgendes an: Inexio hat bereits ein Glasfaserkabel bis zu Verteilerkästen in Brebach verlegt und versorgt darüber das dortige Gewerbegebiet. Inexio will dieses Kabel bis nach Fechingen verlängern und an die rund zwölf Fechinger Verteilerkästen der Telekom anschließen. Dann kämen die Internet-Angebote also per Glasfaser bis nach Fechingen hinein, würden in den Verteilerkästen in die Hausanschlusskabel der Telekom wechseln und dann bereits nach wenigen Metern Kupfer die Computer der Fechinger erreichen. Folge wäre: Die Fechinger würden das Internet-Angebot in derselben Qualität empfangen wie die Bürger auf dem Eschberg - wo die Telekom einen ihrer Glasfasernetz-Knotenpunkte hat.

Damit dieses Projekt für Inexio finanziell vertretbar ist, braucht die Firma zunächst 200 Fechinger, die für zwei Jahre Internet und Telefon bei Inexio abonnieren, erklärt Gesellschafter David Zimmer. Insgesamt rund 500 potenzielle Inexio-Abonnenten vermutet er in Fechingen.

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