Kunstverein Sulzbach in der Krise

Sulzbach. Krisenstimmung beim Sulzbacher Kunstverein. Mehrere Vorstandsmitglieder, darunter Martin Steinert und Heiko Bellon, legten ihre Ämter nieder. Es gibt Streit mit Bürgermeister Michael Adam. Der Hintergrund: Ende Januar kündigte der Kunstverein Sulzbach an, die Galerie im Kulturzentrum Aula ganzjährig zu bespielen (wir berichteten)

Sulzbach. Krisenstimmung beim Sulzbacher Kunstverein. Mehrere Vorstandsmitglieder, darunter Martin Steinert und Heiko Bellon, legten ihre Ämter nieder. Es gibt Streit mit Bürgermeister Michael Adam. Der Hintergrund: Ende Januar kündigte der Kunstverein Sulzbach an, die Galerie im Kulturzentrum Aula ganzjährig zu bespielen (wir berichteten). Bürgermeister Michael Adam hatte dazu die Idee, "um die Galerie im Rahmen eines touristischen Konzepts attraktiv zu machen". Er schlug dem Kunstverein vor, dass die künstlerisch tätigen Vereinsmitglieder in der Zeit zwischen dem regulären Kunstprogramm in der Galerie ihre Arbeiten zeigen könnten. Nachdem die Vorstandsmitglieder Bärbel Schorr und Martin Steinert am 27. Januar in der Saarbrücker Zeitung den "Projektwochen" genannten Plan vorgestellt hatten, kam es zum Konflikt zwischen Martin Steinert und dem Bürgermeister, der letztlich zu einer Krise im Vorstand führte.Der Plan des Kunstvereins sah vor, dass in den Tagen und Wochen zwischen den Ausstellungen des Kunstvereins Künstler oder Künstlergruppen ihre Arbeiten in der Galerie präsentieren sollten. Für den Kunstverein war damit klar, dass der Raum ausschließlich für die Bildenden Künste reserviert ist, um deren Auswahl sich der Kunstverein kümmern wollte. Anderen eventuellen Interessenten sollte der Bürgermeister eine Absage erteilen.

Davon wollte der Bürgermeister aber nichts mehr wissen: "Alles war soweit hieb- und stichfest", versichert Martin Steinert gegenüber der SZ. "Wir haben doch Zeugen", sagt er und verweist auf ein Treffen zwischen dem Vorstand und dem Bürgermeister. "Ich lasse mir nicht über die Zeitung einen Auftrag erteilen", erklärt dagegen Michael Adam auf Anfrage der SZ. Auch sei der Pressetermin des Kunstvereinsvorstands seinerzeit nicht mit ihm abgestimmt gewesen.

Das sei tatsächlich ein Fehler gewesen, räumt der bisherige Vorsitzende Heiko Bellon ein. Jedoch war ein gemeinsamer Auftritt bei derartigen Terminen in den fünf Jahren seit Bestehen des Vereins nie ein Thema, merkt er an. Doch in diesem Fall gerieten nun die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten bei der Galerie in der Aula durcheinander. Bürgermeister Adam stellt klar: "Ich halte mich aus dem künstlerischen Konzept des Kunstvereins raus, aber die Räumlichkeiten gehören der Stadt und werden von der Stadt belegt. Das gilt für 'aussagefähige Veranstaltungen' wie etwa eine im Mai geplante Ausstellung zum Bergbau-Ende an der Saar.

Stehen solche Termine an, muss die Kunst pausieren." Das ist der Standpunkt des Bürgermeisters. Der Kunstverein ist selbst Gast im Haus. Er kann daher mit den "Projektwochen" keine Fakten schaffen. Der Kern dieses Konflikts liegt im von den ehemaligen Vorständen stets betonten Anspruch, einen Kunstverein im traditionellen Sinn aufbauen zu wollen. Die "Projektwochen" boten scheinbar die Chance, den Wunsch nach exklusiver Nutzung der Galerie in der Aula zu verwirklichen. Doch der Verein war von Anfang an eng mit der Stadt verknüpft. Ein Kunstverein, der auf seine Eigenständigkeit Wert legt, löst sich aus diesen Abhängigkeiten, oder er arrangiert sich.

Nach Steinerts Rücktritt blieb der Vorstand zunächst im Amt und versuchte, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Im Zuge dieses Vorgangs brachen jedoch Konflikte zwischen den Vorstandsmitgliedern über die Ausrichtung des Kunstvereins auf, worauf weitere Austritte folgten. "Das Problem war, dass wir diese Unterschiede nicht vereinbaren konnten", sagt Heiko Bellon. Daher legten er sowie weitere Vorstandskollegen am 10. April ihre Ämter nieder. Gemeinsam mit ihnen trat auch Martin Steinert aus dem Verein aus.

"Unabhängigkeit ist nicht im Sinne des Kunstvereins", bekennt hingegen Rainer Mundanjohl auf Nachfrage. Er wird am 14. Mai in der Mitgliederversammlung für den Vorsitz kandieren und hat eine andere Haltung zum Thema exklusive Nutzung der Galerie durch den Kunstverein: "Verständlich, dass der Bürgermeister als Hausherr nicht seine sämtlichen Rechte abgibt." Mundanjohl sieht das Verhältnis zwischen Stadt und Kunstverein von "einem Geben und Nehmen" bestimmt und sieht die Situation gelassen: "Wir haben 65 Mitglieder. Der Verein steht finanziell auf einer gesunden Basis. Wir werden mit dem Bürgermeister eine Vereinbarung treffen, die beide Seiten zufrieden stellt, um dann in Ruhe und ohne Kompetenzstreitigkeiten weiterzuarbeiten." Foto: Cordier

Auf einen Blick

Die Sulzbacher Glaskunsttage werden auch 2012 stattfinden. Sie waren von Martin Steinert ins Leben gerufen worden. Jetzt will der Kunstverein sie allein weiterführen.

Die nächste Ausstellung des Vereins zeigt ab 1. Juni Arbeiten des saarländischen Malers Rudolf Schuler. sg