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Kunden verärgert über den EVSSZ-Telefonaktion zum Thema Müllgebühren

Kunden verärgert über den EVSSZ-Telefonaktion zum Thema Müllgebühren

Saarbrücken. Seit den EVS-Kunden die Gebührenbescheide für das Jahr 2011 ins Haus geflattert sind, stehen beim Entorgungsverband die Telefone nicht mehr still. Rund 50 000 Anrufversuche ließen die Telefonanlage des EVS am vergangenen Montag sogar abstürzen

Saarbrücken. Seit den EVS-Kunden die Gebührenbescheide für das Jahr 2011 ins Haus geflattert sind, stehen beim Entorgungsverband die Telefone nicht mehr still. Rund 50 000 Anrufversuche ließen die Telefonanlage des EVS am vergangenen Montag sogar abstürzen.

Viele Anrufer gehen davon aus, dass sie ihre Restmülltonne in diesem Jahr wesentlich seltener rausstellen, als der EVS veranschlagt. Damit hole der Verband viel mehr Geld herein, als ihm zustehe, vermuten einige. Das sei "die reine Abzocke", meint einer, wenn sich der EVS auf diese Weise einen zinslosen Kredit verschaffe. Ein anderer will gegen den Gebührenbescheid Widerspruch einlegen; er kündigt an, nur so viel Geld zu überweisen, wie dem EVS nach der Zahl der Mindestleerungen zusteht.

"Wir machen es doch genauso wie beim Strom", rechtfertigt EVS-Sprecherin Marianne Lehmann das Vorgehen. Auch dort sei der frühere Verbrauch für die Zahlungen maßgeblich. Verbraucht man im laufenden Jahr weniger, bekommt man dies im darauffolgenden vergütet. Umgekehrt wird die Abschlagszahlung im folgenden Jahr erhöht, liegt man über den veranschlagten Kilowattstunden.

Doch auch solche Erklärungen will mancher EVS-Kunde, der die Verteuerungen vom Brot über den Sprit bis zur Heizung täglich finanzieren muss, nicht mehr akzeptieren: "Es stört mich, auf diese Weise von immer mehr Firmen abgezockt zu werden." Sie pochen auf eine individuelle Veranlagung bei den Müllgebühren. Dazu Lehmann: "So etwas ist nicht machbar; wir haben 300 000 Kunden." Die Rechnung des EVS sieht folgendermaßen aus: Für eine 120-Liter-Tonne, die im vergangenen Jahr bei 26 Leerungen 179 Euro gekostet hat, wird 2011 praktisch genau so viel Geld verlangt: 178 Euro. Bloß sieht der EVS-Kunde auf dem Gebührenbescheid zugleich, dass sich die Summe von 178 Euro aus zwei Komponenten zusammensetzt. Nämlich einer Basisgebühr von 117,34 Euro, in der zehn Mindestleerungen enthalten sind, sowie einer zusätzlichen Leerungsgebühr für neun Leerungen zum Preis von je 6,74 Euro. Analog die Rechnung für die 240-Liter-Tonne: Auch da werden zuzüglich zur Basisgebühr von 197 Euro sechs Leerungen zum Preis von je 13,48 Euro hinzuaddiert. Die zusätzlichen Leerungen erregen die Gemüter. "Wir werden doch angehalten, Müll zu sparen", empören sich einige SZ-Leser. "Wieso müssen wir dann Leerungen, die wir vielleicht gar nicht in Anspruch nehmen, vorab bezahlen?"


Dazu Lehmann: "Wir haben versucht, für unsere Gebühren von einer realistischen Basis auszugehen."Frage: Wieso erhalte ich für die Abfallentsorgung in 2011 einen Vorauszahlungsbescheid?

Antwort: Jeder Bescheid bzw. jede Rechnung eines Ver- oder Entsorgers ist vom Grunde her eine Vorausberechnung, die sich an der bisherigen Inanspruchnahme orientiert. Neu ist lediglich, dass diese Berechnung nicht mehr mit anderen Gebührenpositionen von der Kommune kommt, sondern vom EVS.

Frage: Wieso werden im Vorauszahlungsbescheid nicht nur zehn Mindestleerungen berechnet?

Antwort: Die Festlegung der Leerungsanzahl ergibt sich aus der Gebühr des Vorjahres. Würde der EVS nur die in der Basisgebühr enthaltenen Mindestleerungen berechnen, wäre er ohne Kredit-Aufnahme wirtschaftlich nicht in der Lage, das komplette Entsorgungsangebot zu finanzieren.

Frage: Was, wenn ich nicht alle oder mehr als die veranschlagten Leerungen beanspruche?

Antwort: Was bei den Zusatzentleerungen zu viel gezahlt wurde, wird im kommenden Jahr mit der Rate für das erste Quartal verrechnet. Über die angesetzten Zusatzleerungen hinausgehende Leerungen werden im Rahmen eines Jahresabschlussbescheides für das Jahr 2012 gesondert nachberechnet. Ab 2012 wird der Abfallgebührenbescheid auf Basis der im Vorjahr in Anspruch genommenen Leerungen erstellt.

Frage: Wieso gibt es für die Restmülltonne zehn und für die Biotonne 22 Mindestleerungen?

Antwort: Die in der Basisgebühr enthaltenen Mindestleerungen stellen sicher, dass die Verweildauer des Abfalls in der Tonne nicht zu lange ist - auch unter dem Hygieneaspekt. Zudem wird damit garantiert, dass die erfahrungsgemäß anfallende Grundmenge an Rest- bzw. Bioabfall korrekt entsorgt wird.

Frage: Ich habe Ende vergangenen Jahres eine Gefäßänderung beauftragt, diese ist aber noch nicht berücksichtigt

Antwort: Wegen der vielen Änderungsanträge zum Jahreswechsel waren bei Bescheiderstellung noch nicht alle Änderungen erfasst. In den letzten vier Wochen vor dem Jahreswechsel wurden 10 000 Änderungsanträge in das System eingegeben, die gleiche Menge wird zur Zeit noch bearbeitet.

Frage: Meine Tonnen haben andere Nummern, als auf dem Bescheid angegeben. Was tun?

Antwort: Bitte reichen Sie die Information formlos schriftlich bei uns ein. Dabei bitte vorher mit dem Nachbarn abklären, ob dieser gegebenenfalls die "richtigen" Gefäße hat.