Kummer mit der "heißen Nummer"

Kummer mit der "heißen Nummer"

Püttlingen. Eine dreiste Telefonrechnung erreichte Hermann K. (Name geändert) aus Püttlingen am 9. November 2009. Er sollte zunächst 90 Euro für ein Telefongespräch von 53 Sekunden bezahlen. Natürlich hat K. keine "normale" Telefonnummer angerufen, doch der Betrag, der sich nach einem Mahnschreiben vom 11

Püttlingen. Eine dreiste Telefonrechnung erreichte Hermann K. (Name geändert) aus Püttlingen am 9. November 2009. Er sollte zunächst 90 Euro für ein Telefongespräch von 53 Sekunden bezahlen.

Natürlich hat K. keine "normale" Telefonnummer angerufen, doch der Betrag, der sich nach einem Mahnschreiben vom 11. Januar schon auf 190 Euro aufsummiert hat, steht im deutlichen Kontrast zum eigentlich angepriesenen Preis, also weigerte er sich zu zahlen. "Ich bin ehrlich.", sagt K. und weiter: "Ich habe abends im Fernsehen eine Werbung für eine Sex-Hotline gesehen. Einen Euro für 15 Minuten hieß es, und ich war so blöd, da anzurufen." Ein Telefongespräch kam allerdings nie zustande. Alles, was K. hörte, war nach einigen Sekunden ein Klicken in der Leitung - also legte er den Hörer wieder auf. Zu seiner Überraschung belegt der Gesprächsnachweis seiner Telefonrechnung, dass K. in Madrid angerufen hatte, allerdings ohne Gesprächspartner.

Sein Anwalt, Stephan Hettmann von der Püttlinger Kanzlei Roth, Hettmann und Kollegen vermutet, dass das Gespräch versteckt ins Ausland weitergeleitet wurde.

Im Mahnschreiben der Firma "Pepper United" heißt es: "Trotz mehrmaliger Mahnung/Zahlungsaufforderung haben Sie für die von Ihrem Telefonanschluss in Anspruch genommene Telefonsexdienstleistung von Roxborough Management Inc. keine Zahlung geleistet. Das werden wir nicht weiter hinnehmen. Pepper United s.r.o. (Spolonos s ruením obmedzeným; slowakische Rechtsform der GmbH) wurde mit dem Factoring beauftragt." Was im Klartext heißt: "Pepper United" soll die Schulden eintreiben. Sogar telefonisch wurde K. unter Druck gesetzt, ihm wurde mit Schufa-Eintrag und rechtlichen Schritten gedroht. Doch er legte auf und ließ sich nicht einschüchtern. Stephan Hettmann erklärt: "Die Leistung steht in keinem Verhältnis zum verlangten Betrag. Rechtlich sind solche Forderungen nicht durchsetzbar. Sollte man dennoch verunsichert sein, kann man sich an die Verbraucherzentrale, oder - mit Rechtsschutz - an den Anwalt wenden." Auch könnten solche Firmen kein Geld eintreiben, ohne zuvor ein Urteil bei Gericht einzuholen, "doch meist wissen solche Firmen, dass ihre Forderung nicht durchsetzbar ist. In der Regel kann man die Rechnungen und Briefe ignorieren." Ähnliches rät die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein auf ihrer Internetseite: "Da es oftmals nicht nur bei einer Rechnung bleibt und früher oder später auch ein Inkassounternehmen eingeschaltet wird, summiert sich der eingeforderte Betrag in kurzer Zeit auf mehrere hundert Euro, die keinesfalls bezahlt werden sollten." Auch ist dort die Firma Roxborough Management schon unter mehreren Namen bekannt: "TRC Telemedia, MB Direct Phone Ltd., Roxborough Management Inc., und nun: Pepper United s.r.o". "Nur wenn Post vom Landgericht, Amtsgericht oder der Staatsanwaltschaft kommt, sollte man reagieren, da diese oft mit Fristen verbunden ist.", sagt Hettmann, und weiter: "Sonst kann man wenig tun, da die Unternehmen im Ausland sitzen. Strafanzeige zu stellen bringt nichts, die Kosten zahlt man meist am Ende selbst."

Inzwischen erhielt Hermann K. auch Post von einem Inkassounternehmen. Die Firma Allinkasso GmbH aus München ist nun mit seinem "Fall" betraut, und der Betrag ist auf 263,33 Euro gestiegen.

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