Kritik an Gutachten der Bertelsmann-Stiftung zur Zahl der Kliniken

Medizinische Versorgung : Saarländer protestieren gegen Klinik-Schließungen

In Dillingen schloss die letzte Station des Marienhaus-Klinikums vor wenigen Wochen, das Krankenhaus in Wadern machte vor gut anderthalb Jahren dicht. Dort wissen die Bürger, wie es sich anfühlt, wenn eine Klinik verschwindet.

„Das war ein Schock für die Leute“, sagt Bernd Schröder von der Bürgerinitiative Nordsaarland-Klinik. Er und seine Mitstreiter werden Mitte September ihre 100. Mahnwache halten – gegen die Schließung der Klinik in Wadern und für den Bau eines neuen größeren Krankenhauses im Nordsaarland.

Was wird passieren, wenn umgesetzt würde, was die Autoren einer Studie für die Bertelsmann-Stiftung fordern: mehr als die Hälfte der Kliniken zu schließen? Im Saarland also mehr als zehn. Vermutlich gäbe einen Aufschrei in den betroffenen Kommunen – und wie in Wadern würde sich Widerstand formieren.

Im saarländischen Gesundheitsministerium wie in der Saarländischen Krankenhausgesellschaft kann man deswegen der Idee, die historisch gewachsene Krankenhauslandschaft drastisch auszudünnen, nichts abgewinnen. „Veränderungen müssen die berechtigten Erwartungen der Bürger an ihre Versorgung berücksichtigen“, heißt es in einer Antwort des Ministeriums auf eine SZ-Anfrage. Und für die Bürger zählt eben die Nähe zu ihrem Krankenhaus, was auch Bernd Schröder von der Bürgerinitiative betont.

Trotzdem befürwortet Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) die Schließung einzelner Kliniken, zum Beispiel in Dillingen. Wie er auch dem Ansatz der Studie zustimmt, spezielle Behandlungen an diesem oder jenem Standort zu konzentrieren und die ambulante Versorgung auszubauen. Entsprechend sei der aktuelle bis 2025 laufende Krankenhausplan ausgelegt. Bei der Schlaganfall- oder Herzinfarktversorgung zum Beispiel sei die Konzentration gelungen.

Die Gutachter, die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung tätig waren, legen aber auch den Finger in die Wunde. Ein Argument für die Schließung kleiner Kliniken ist demnach die prekäre wirtschaftliche Lage. Thomas Jakobs, Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft, sieht darin ein großes Problem. Er beklagt, dass die Bundesländer „nicht ihren Investitionsverpflichtungen nachkommen“. Das Saarland stelle dafür 32,5 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. 80 bis 90 Millionen seien aber nötig, sagt Jakobs. Beim Land weiß man um das Problem – und reicht die Forderung weiter. „Wir benötigen mehr Geld vom Bund“, sagt Kolling.

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