Krankenhaus in Wadern schließt zum Jahresende

Klinik in Schieflage : Das Krankenhaus in Wadern schließt

Die Marienhausklinik GmbH schließt das St.-Elisabeth-Krankenhaus. 190 Mitarbeiter müssen um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Wadern soll zum Ende des Jahres schließen. Als einen „wirtschaftlich nicht vermeidbaren“ Schritt bezeichnete  Hans-Jürgen Scheid, Vorsitzender des Vorstands der Marienhaus-Stiftung, die Entscheidung, die gestern offiziell mitgeteilt wurde. Ausschlaggebend sei ein Defizit in Millionenhöhe, welches nicht zuletzt aus den Rahmenbedingungen resultiere, mit denen insbesondere kleine Krankenhäuser zu kämpfen hätten. Am Engagement der Mitarbeiter liege es nicht, dass es nun zur Schließung komme „Wir haben uns diesen Schritt nicht leicht gemacht“, ergänzte er. Bedenken räumte er hinsichtlich der Krankenhausversorgung aus: Diese sei gesichert, da es im Umkreis von 30 Minuten weitere Standorte gebe.

Neben Folgen für die gesundheitliche Versorgung in Wadern und der Umgebung ergaben sich auch Folgen für die Mitarbeiter. Von der Schließung betroffen sind rund 190 Beschäftigte, davon 120 in Vollzeit, heißt es vonseiten des Gesundheitsministeriums. Für diese Mitarbeiter sollen nun individuelle Lösungen gefunden werden, sagte Scheid. „Wir werden eine Dienstvereinbarung treffen und mit allen Mitarbeitern Einzelgespräche führen“, kündigt er an. Dabei sei das Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Der Verbund Hochwald-Saar, zu dem neben Wadern auch die Standorte in Losheim, Lebach und Hermeskeil gehören, bleibe erhalten.

Der Erhalt des Verbundes sei jedoch kein Trost, betonte Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler. „Wir lehnen die Schließung ab“, betonte er, „die Entscheidung ist unsozial.“ Die Schuld für die Schließung sieht er im Investitionsstau in den vergangenen 15 Jahren. „Die Marienhaus GmbH hat den Standort heruntergewirtschaftet“, befindet der Verwaltungschef. Für die Zukunft fordert er eine klare Lösung – für die Mitarbeiter genauso wie für die gesundheitliche Versorgung in Wadern.

Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) sagte der SZ auf Anfrage, dass nach der Schließung des Waderner Krankenhauses die wohnortnahe, vollstationäre Versorgung im nördlichen Saarland weiter gewährleistet bleibe. Am Standort Losheim bestehe die stationäre Versorgung durch die Innere Medizin und die Konservative Orthopädie. „Im Umkreis von maximal 30 Minuten sind drei Grundversorger zu erreichen – Krankenhaus in Lebach, Krankenhaus in Birkenfeld, Krankenhaus in Hermeskeil“, betonte Bachmann. Auf die Frage, welches Krankenhaus im Saarland nach Wadern seine Pforten für immer schließen müsse, sagte Bachmann: „Ob ein Krankenhaus geschlossen wird oder nicht ist eine unternehmerische Entscheidung der Krankenhausträger, die auf der Grundlage eines Gutachtens eines Sachverständigen im Zuge der Krankenhausplanung einen Versorgungsauftrag erhalten.“ Bis zum Erlass des neuen Krankenhausplans bleibe grundsätzlich der Versorgungsauftrag des Standortes Wadern bestehen. Das Ministerium erwäge mit der Gründung einer „Task Force“ mit allen Partnern die Fortentwicklung des medizinischen Angebotes sektorübergreifend anzugehen. Auch die Verzahnung der Krankenhausplanungen mit dem Nachbarland Rheinland-Pfalz erfolge „regelmäßig“. Die Marienhaus Kliniken GmbH plant, nach der Schließung des Krankenhauses Wadern die Klinik in Hermeskeil stärker auszubauen.

„Die Schließung des Standortes Wadern ist keine Schwächung des Gesundheitsstandortes Saarland“, betonte Bachmann. Da sich die Bevölkerung seit Jahren vermehrt an andere Klinik-Standorte orientiert habe und die Belegung sinke, lasse sich der Standort Wadern für den Träger nicht mehr wirtschaftlich betreiben.

Die Linksfraktion im Saar-Landtag lehnte die Schließung ab. Die gesundheitspolitische Sprecherin und Saar-Linken-Chefin Astrid Schramm erklärte: „Gesundheit ist keine Ware. Der medizinische Bedarf und eine gute medizinische Versorgung müssen Vorrang vor der ‚Wirtschaftlichkeit‘ haben.“ Die Beckinger Links-Abgeordnete Dagmar Ensch-Engel ergänzte: „Wir brauchen eine wohnortnahe medizinische Versorgung. Die ist kaum gewährleistet, wenn immer mehr Krankenhäuser vor dem Aus stehen – erst das Dillinger Krankenhaus, nun der Standort Wadern. Diese Kürzungspolitik muss ein Ende haben.“

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