1. Saarland

Kostenbremse beim Schulsport

Kostenbremse beim Schulsport

Im Mai wurde die Sport- und Spielhalle an der Neunkircher Fernstraße gesperrt. Statische Probleme, Einsturzgefahr – fast 2000 Schüler und diverse Vereine sind betroffen. Seit Mittwochabend ist nun klar, wie es weitergeht. Der Kreistag begräbt Neubau-Überlegungen. Künftig soll der Schulsport in den nahen Hallen des TuS stattfinden.

 Die beiden Sporthallen des TuS 1860 Neunkirchen im Wagwiesental sollen Dreh- und Angelpunkt für den Schulsport werden. Die alte TuS-Halle mit Gaststätte steht in der Haspelstraße, die neuere unterhalb des Stadions. Hier spielte der TuS einst in der Handball-Bundesliga. Foto: Willi Hiegel
Die beiden Sporthallen des TuS 1860 Neunkirchen im Wagwiesental sollen Dreh- und Angelpunkt für den Schulsport werden. Die alte TuS-Halle mit Gaststätte steht in der Haspelstraße, die neuere unterhalb des Stadions. Hier spielte der TuS einst in der Handball-Bundesliga. Foto: Willi Hiegel Foto: Willi Hiegel

. Leidenschaftlich wie selten debattierte der Kreistag. Am Ende fällte er mit den Stimmen von SPD, Linken und FDP eine vom Sparwillen geleitete Entscheidung: Die marode kreiseigene Halle an der Fernstraße wird abgerissen und nicht ersetzt. Stattdessen sollen die Schüler des Gymnasiums am Steinwald und die Schüler des Kaufmännischen Berufsbildungszentrums demnächst zum Sportunterricht ins benachbarte Wagwiesental wandern, wo der TuS 1860 Neunkirchen zwei Sportstätten besitzt. Diese Hallen werden zuvor mit Mitteln aus dem Kreis-Haushalt optimiert.

Die CDU stemmte sich dagegen, plädierte erneut für einen Neubau am gewohnten Platz, der aus Schüler- und Lehrersicht schon wegen der kürzeren Wege sicherlich die bevorzugte Lösung wäre.

Zu Beginn der Beratung listete Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider auf, welche Möglichkeiten der Kreis habe. Es sei theoretisch denkbar, die stillgelegte Halle für 3,3 Millionen Euro zu sanieren. Die Schieflage der Halle und die Standsicherheitsproblematik würden dadurch aber nicht für alle Zeiten behoben. Fazit: unwirtschaftlich! Für einen Neubau an bisheriger Stelle mit wesentlich besserer Pfahlgründung müsse man 4,2 Millionen Euro ansetzen. Eine für den Vereinssport sinnvolle Tribüne koste zusätzlich 550 000 Euro. Denkbar sei es auch, auf dem kreiseigenen Gelände am Jägermeisterpfad zu bauen, wo der Untergrund besser ist. Vier Millionen Euro seien hier für eine Dreifeldhalle aufzuwenden. Eine Zweifeldhalle in Leichtbauweise, deren Kosten auf Wunsch der FDP ermittelt wurden, würde dort 2,8 Millionen kosten. Zu einer Sportstätte am Jägermeisterpfad müssten die Schüler jedoch mit Bussen transportiert werden.

Die günstigste Lösung sei eine Zusammenarbeit mit dem TuS Neunkirchen, der im Wagwiesental zwei Hallen hat, die bereits für den Schulsport der Gesamtschule genutzt werden.

Um dort zusätzlich dem Steinwald-Gymnasium und dem KBBZ Sportunterricht zu ermöglichen, sind Umbauten erforderlich: Solide Trennvorhänge, die den gleichzeitigen Unterricht mehrerer Klassen erlauben, ein neuer Boden, mehr Fluchtwege, zusätzliche Sportgeräte. Alles in allem ist das wohl mit rund 800 000 Euro zu machen.

Für die CDU verdeutlichten Hans-Werner Backes und Fraktionsvorsitzender Lothar Dietz, warum sie der Neubau-Variante am bisherigen Hallen-Standort klar den Vorzug geben würden. Dietz sprach von einem "Wanderzirkus", wenn die Sportstätten zu weit von den anderen Unterrichtsräumen entfernt sind. Backes rechnete vor, dass allein beim KBBZ jährlich 400 Sportstunden auf der Strecke blieben, wenn die Schüler lange Wege durchs Wagwiesental in Kauf nehmen müssten. Im Übrigen müsse der Kreis einen Neubau nicht allein stemmen, weil er mit beträchtlichen Landeszuschüssen rechnen könne.

Dem hielt die Landrätin allerdings entgegen, sie habe bereits geklärt, dass Landesmittel nur dann möglich seien, wenn eine neue Halle als interkommunales Vorhaben von Kreis und Stadt Neunkirchen gemeinsam gebaut würde. Die Stadt ist für den Vereinssport zuständig. Aber sie hat die betroffenen Vereine schon einigermaßen untergebracht und sieht keine Not, eigenes Geld in einen Neubau zu stecken.

Den Kurs der Kreistagsmehrheit gab schließlich SPD-Fraktionsvorsitzender Willi Kräuter vor: "Wir können nicht sehenden Auges Überkapazitäten schaffen und einfach Geld verblasen." Der Konter von Lothar Dietz ("der Schulsport ist Ihnen nix wert") folgte postwendend, blieb im Hinblick auf die Abstimmung aber wirkungslos.