1. Saarland

Kopfüber in etwas ganz Neues

Kopfüber in etwas ganz Neues

Saarbrücken. Janina Hoffmann (19) trägt ein schwarzes Sportoutfit; die Füße stecken in dunklen Chucks. Ihr kupferrotes Haar fällt ihr in langen Bahnen über den Rücken. Schüchtern steht sie vor Probenbeginn neben ihren zwölf Statisten-Kollegen auf der Bühne im Staatstheater. Sie ist neu dabei, macht zum ersten Mal als Statistin bei einer Produktion des Staatstheaters mit. Seit dem 29

Saarbrücken. Janina Hoffmann (19) trägt ein schwarzes Sportoutfit; die Füße stecken in dunklen Chucks. Ihr kupferrotes Haar fällt ihr in langen Bahnen über den Rücken. Schüchtern steht sie vor Probenbeginn neben ihren zwölf Statisten-Kollegen auf der Bühne im Staatstheater. Sie ist neu dabei, macht zum ersten Mal als Statistin bei einer Produktion des Staatstheaters mit. Seit dem 29. Januar üben die Statisten vier- bis fünfmal die Woche für das Opernstück "Petite Messe Solennelle" von Gioachino Rossini. Sogar am Samstagmorgen - den aber Regisseur Gaetano Franzese (51) mit einem lauten Klatschen als Arbeitstag einläutet: "Okay, fangen wir an!", ruft er zur Bühne.Choreograf und Co-Regisseur Francesco Nappa (38) springt mit einem langen Satz zu seinen Amateurtänzern. Auf Englisch gibt er Anweisungen, lenkt die Bewegungen und tanzt vor. Die Tänzer schwingen die Arme, pendeln mit ihren Hüften und Oberkörpern hin und her. Sanfte, wellenförmige Bewegungen entstehen. Dann will Nappa eine Hebefigur üben. Zwei Männer heben Janina in die Luft. Die anderen Tänzer stehen dahinter und frieren ihre Bewegungen ein. "Eigentlich studiere ich in Saarbrücken Architektur", erklärt die 19-jährige Illingerin später, "doch mein Traum ist das Theater. Ich liebe die Atmosphäre, die Kreativität der Menschen. Ich will unbedingt Maskenbildnerin werden. Ein Ausbildungsplatz hier wäre mein Traum."

Das Staatstheater kennt sie bereits: "Ich habe Praktika hier gemacht: im Malersaal und bei der Dekoration." Beim Theaterfest im letzten Jahr sah sie den Aushang, dass Statisten gesucht werden. Zum Casting Ende des letzten Jahres kamen rund 50 Anwärter, erinnert sich Franzese. 13 wählten er und Kollege Nappa für die "Petite Messe Solennelle" aus. "Das Stück wird von vier Solisten gesungen, dazu kommen 38 Sänger vom Opernchor und natürlich unsere Statisten", sagt Franzese: "Sie sind die einzigen Tänzer und haben eine tragende Rolle in dem Stück." Einige kennt er aus vorherigen Produktionen, andere wie Janina sind ganz neu dabei. "Die Statisten sind bunt gemischt. Zwischen 18 und 49 Jahre alt." Ein Physiker, ein Kampflehrer, eine Ärztin und viele Studenten wie Janina tanzen mit. "Wir haben bewegliche und musikalische Menschen ausgesucht", erläutert der Regisseur die Auswahlkriterien, "der Ausdruckstanz versinnbildlicht die Spiritualität des Stücks. Die Bewegungen müssen weich und fließend kommen."

Dass Janina zu den wenigen Auserkorenen gehört, lässt sie auch Monate später noch strahlen: "Ich hatte beim Casting richtig Bammel. Da waren so viele Menschen, die unheimlich gelenkig waren. Ich tanze kaum, und wenn dann in der Disco. Ich habe mich einfach intuitiv bewegt, und es hat geklappt." Bei dem Stück, beschreibt sie, seien die Choreografien des Tanztheaters nicht immer "bis aufs Letzte durchgeplant, teilweise improvisieren wir auch". Wie lange sie auf der Bühne stehen wird, weiß sie noch nicht: "Wir sind ja mitten in den Proben." Schon Lampenfieber? "Nö. Aber das kommt noch." Am 15. März feiert das Stück Premiere in der Christkönig-Kirche. Janina wird dann keine Sportsachen mehr tragen, sondern, "ein pfirsichfarbenes Kleid mit Flatterärmeln".

Auf einen Blick

Gioachino Rossinis "Petite Messe Solennelle" hat am Freitag, 15. März, um 19.30 Uhr Premiere in der Christkönig Kirche in St. Arnual. Die musikalische Leitung hat Martin Straubel in der Inszenierung und Choreografie von Gaetano Franzese und Francesco Nappa. Der frühere Tänzer Gaetano Franzese zeigt damit seine erste eigene Regiearbeit am Staatstheater.

Karten: Tel. (06 81) 309 24 86.