1. Saarland

Konzerterlebnis in der Hallenkirche

Konzerterlebnis in der Hallenkirche

St. Wendel. Pianist und Komponist Bernd Mathias sendet ästhetische ausgewogene Klangbotschaften durch den mit 100 Zuhörern gefüllten Raum im Stadtmuseum. Rhythmisch vielfältig verbreitet er eine lyrische Stimmung

St. Wendel. Pianist und Komponist Bernd Mathias sendet ästhetische ausgewogene Klangbotschaften durch den mit 100 Zuhörern gefüllten Raum im Stadtmuseum. Rhythmisch vielfältig verbreitet er eine lyrische Stimmung. Impressionistisch treibt Mathias seine gespielten Werke wie ineinander verschwimmende Bilder voran, die er mit meditativ unterlegten Elementen der Minimalmusik zu einem "Seelenbild" zusammenbaut. Mal nähert er sich dabei der klassischen Kammermusik, mal lebt er seine Improvisationskunst in den Weiten der modernen Jazzmusik aus. "Es ist eine sehr ruhige Klaviermusik. Das Ganze hat auf mich sehr besinnlich gewirkt", meint Hubert Behr aus St. Ingbert, nach dem zweistündigen Konzertabend "Kann man Farben hören" mit dem Musiker aus der Kreisstadt."Das Konzert ist sehr gut angekommen", freut sich Festivalleiter Ernst Urmetzer über den gelungenen Auftakt der Jazztage. Bewusst war der Schwerpunkt des ersten Wochenende so gewählt, dass einheimische Künstler an zwei neuen, aber historischen Örtlichkeiten in der Stadt, im Fokus des Festivals stehen.

"Jazz we can" in der Wendelinus-Basilika blieb über einen längeren Zeitraum für Urmetzer nur Wunschdenken. "Bislang hatte es dazu keine Kooperation gegeben. Umso mehr freue ich mich das es nun endlich geklappt hat", sagt Urmezter in seiner Anmoderation vor einem beeindruckenden Konzert. Der gebürtige St. Wendeler und in Mannheim lebende Arrangeur, Martin Sebastian Schmitt (ehemaliges Mitglied der Bigband Urknall und dem Stadtorchester), nähert sich dem Phänomen Josef Sebastian Bach von einer anderen Seite. Bachs zeitlose Melodien erscheinen in neuem Gewand, geschneidert aus dem Klangpotenzial des modernen Jazzorchesters. Zunächst klingt es vertraut, dann verfremdet, jedoch transportiert die Musik die tiefe emotionale Reinheit.

Als "Instrument" dient Schmitt die Bigbandbesetzung, die Großformation des Jazz, die mit ihrem reichen Angebot an Klangvariablen viele Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet. Melodien werden mit modernen Harmonien unterlegt, und in einen neuen rhythmischen Kontext gestellt. Schmitts Jazzorchester übersetzt dabei die barocke Musik in eine zeitgemäße Tonsprache.

"Die Bearbeitung der Werke finde sehr schön gemacht", sagt Besucher Oskar Barth. Schmitt stellt die Solokantate "Ich habe genug", mit dem Gesangspart von Sarah Lipfert, in den Mittelpunkt seines Programms. Erstmalig hat er eine vollständige Kantate mit Arien und Rezitativen für Jazzorchester und Gesang bearbeitet. Sanftmütig und sphärenhaft schweben die Klänge der in der D-Dur gespielten Orchester von "Air" durch den Sakralbau. "Wenn die Bigband im Plenum gespielt hat, klang es etwas verhallt im Kirchenraum, was dies auf der anderen Seite auch adelt", ist Barth zwiegespalten über die Akustik.

Nach dem einhundertminütigen Konzert werden Schmitt und seine Bigband von den 200 Zuhörern mit viel Beifall verabschiedet.

wndjazz.de/tickets

Auf einen Blick

Jazz we can - unter diesem Motto gehen die 21. Internationalen Jazztage bis 17. September über die Bühne. Das weitere Programm: Donnerstag, 15. September, 20 Uhr, Nils Wograms "Nostalgie", 21.45 Uhr: The Syndicate. Freitag, 16. September, 20 Uhr: Uwe Ochsenknecht und das Jazz-Quintett The Toxic Truth. 22 Uhr: Squeezeband. Samstag, 17. September, 20 Uhr: The Silverettes, ab 21.30 Uhr: The Adriano BaTolba Orchestral. Alle Veranstaltungen finden im Saalbau statt.

 Arrangeur Marten S. Schmitt (links) stellt in der Basilika sein Bachprojekt vor.
Arrangeur Marten S. Schmitt (links) stellt in der Basilika sein Bachprojekt vor.

Ticketpreise: Donnerstag, 15. September, 27/17 Euro, Freitag 29/19 Euro, Samstag, 17. Sept., 15/10 Euro plus VVK; Festivalkarte 62/36 Euro plus VVK (ermäßigt für Schüler, Studenten und Schwerbehinderte auf Vorlage eines Ausweises). An der Abendkasse jeweils drei Euro mehr. Vorverkauf: Buch & Papier Klein, Tel. (0 68 51) 93 94 30; Marios Musikladen, Tel. (0 68 51) 84 09 22. frf