Contra Wahlpflicht Bei einer Wahlpflicht droht das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen möchte

Meinung · In Kürze finden Kommunal- und Europawahl statt. Brauchen wir eine Wahlpflicht in Deutschland? Unsere Autoren behandeln diese Frage in einem Pro und Contra. Melanie Mai nennt Gründe gegen die Wahlpflicht.

Wählen zu dürfen ist ein Recht. Ein hohes Gut und die Pflicht eines jeden Bürgers. Das habe ich schon als Teenager in der Schule und auch im Elternhaus gelernt. Eine Pflicht, die in den Köpfen verinnerlicht werden sollte. Aber im Gesetzbuch? Dieser gut gemeinte Vorschlag verfolgt durchaus das richtige Ziel: nämlich die Demokratie zu schützen und zu schätzen.

Wahlpflicht dürfte bei manchem zu Trotz führen

Aber er könnte genau das Gegenteil bewirken. Nicht zu unterschätzen ist der Trotz bei so manchem Zeitgenossen, wenn er sich der Freiheit beraubt fühlt, frei wählen zu dürfen, ob er wählt. Da wird vielleicht ein Kreuzchen an einer unüberlegten Stelle gemacht.

Gleiches gilt für Menschen, die sich überhaupt keine Gedanken um die Wahl machen; warum auch immer sie die Zukunft unseres Landes nicht interessiert. Wenn sie nach dem Zufallsprinzip wählen oder einfach hinter dem schöneren Namen ihr Kreuzchen machen, würde das eine Wahl ebenfalls verfälschen.

Geheime Wahlen: Das geht nicht, wenn kontrolliert wird, ob ich wähle

 Kommentarkopf, Foto: Robby Lorenz

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Foto: dpa/Sven Hoppe

Und überhaupt: Die Wahlen in Deutschland sind nicht nur frei und gleich, sondern auch geheim. Daher: Wie soll es kontrolliert werden, ob ich wähle? Ja, es wird überprüft, ob ich zur Wahl gehe. Aber ob ich das tatsächlich ordnungsgemäß tue, das weiß nur ich. Da setze ich doch eher auf Überzeugung als auf Pflicht.

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