Pläne der großen Koalition im Bund: Kommt ein neues Forschungszentrum ins Saarland?

Pläne der großen Koalition im Bund : Kommt ein neues Forschungszentrum ins Saarland?

Der Bund plant mit Frankreich eine Einrichtung für Künstliche Intelligenz. Die Landespolitik hält den Standort für ideal.

Nach der Entscheidung, in Saarbrücken ein Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit mit bis zu 800 Wissenschaftlern anzusiedeln, könnte das Saarland Standort einer weiteren hochwertigen Forschungseinrichtung werden. Die Betonung liegt auf „könnte“, denn beschlossen ist bisher nichts.

Es geht um ein Zentrum für Künstliche Intelligenz (KI), das der Bund gemeinsam mit Frankreich einrichten soll. Dieser Schritt ist im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vorgesehen, über den zurzeit die SPD-Basis abstimmt. Deutschland und Frankreich, heißt es da, müssten Innovationsmotor sein und dies „in Vorhaben wie der Erforschung Künstlicher Intelligenz unter Beweis stellen“. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hatten Ende Januar in einer gemeinsamen Erklärung „gemeinsam wirksame Strategien und neue technologische Ansätze“ im Bereich der Künstlichen Intelligenz versprochen.

Dass das Saarland als möglicher Standort ins Gespräch kommt, ist nicht so fernliegend. Zum einen wegen seiner Frankreich-Nähe, zum anderen, weil es hier bereits einen starken IT-Schwerpunkt gibt, nicht zuletzt mit dem 1988 gegründeten Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), einer Einrichtung von Weltrang mit mehr als 500 Wissenschaftlern. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Gründung eines deutsch-französischen Zentrums sei „eine hervorragende Idee“, sagte DFKI-Sprecher Reinhard Karger der SZ.

„Wenn nicht im Saarland, wo wäre denn dann der geeignete Standort?“, fragt der Hochschulexperte der SPD-Landtagsfraktion, Sebastian Thul. „Das Saarland wäre prädestiniert als Standort eines deutsch-französischen Zentrums für Künstliche Intelligenz.“ Zuvor hatte Vize-Regierungschefin Anke Rehlinger (SPD) im „Handelsblatt“ für das Saarland als Standort geworben. Zwar müssten hierfür „wahrscheinlich noch viele harte Bretter durchbohrt werden, aber es gibt auch Anlass zu Optimismus“, so Rehlinger mit Verweis auf bereits bestehende IT-Einrichtungen im Land.

Auch der Generalsekretär der Saar-CDU, Markus Uhl, bescheinigte dem Saarland im „Handelsblatt“ einen „klaren Standortvorteil“. Es „wäre also eine logische Konsequenz, mit den bereits vorhandenen Ressourcen die Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und Wirtschaft weiter auszubauen.“ Angeblich, so heißt es in der CDU, soll Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Verhandlungsführerin für den Bereich Forschung dafür gesorgt haben, dass dieses Institut in den Koalitionsvertrag kommt. FDP-Landeschef Oliver Luksic bezweifelt allerdings, dass das Zentrum bei der großen Koalition im Bund Priorität habe – denn das Bündnis habe die Chance verpasst, ein eigenständiges Digitalisierungsministerium einzurichten.

Dass die Ansiedlung des deutsch-französischen Zentrums im Saarland längst kein Selbstläufer ist, zeigt die Vergangenheit: Nachdem die letzte große Koalition 2013 die Gründung eines Internet-Instituts angekündigt hatte, machten sich Landespolitiker bis hinauf zur Ministerpräsidentin ebenfalls Hoffnungen, den Zuschlag zu erhalten. Doch der gemeinsame Antrag der Saar-Uni mit Kaiserslautern und Darmstadt scheiterte in einem frühen Stadium – „aus formalen Gründen“, wie es hieß. Den Zuschlag bekam schließlich ein Forschungsverbund aus Berlin und Potsdam.

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